Werbung Mitsubishi Eclipse Cross

Mit Vollgas in den Graben

Plakate können den Betrachter zum Schmunzeln über eine gelungene Bildersprache oder eine einprägsame Werbeaussage bringen, vielleicht auch zum Kauf anregen. Das Plakat für den Mitsubishi Eclipse Cross hinterlässt den Betrachter ratlos: eine verfehlte Bildersprache formuliert eine Werbeaussage, die meilenweit an der Zielgruppe vorbei geht.

Eclipse Cross vs. Bike

„Nanu, wirbt der Verkehrskasper jetzt mit Schockbildern für Fahrradhelme? Oder der Verkehrsminister für mehr Rücksicht im Straßenverkehr?!“ Nein! Die Firma Mitsubishi gräbt eine alte Marke namens „Sonneninsternis“ (neudeutsch Eclipse) wieder aus. Die Mannheimer Werbeagentur Voon soll den Marktanteil von Mitsubishi von derzeit 0,7% vergrößern. Dazu hat sie ein Plakat entworfen, das mir vor einem Supermarkt in Hamburg auffällt.

Der Betrachter hält auf seinem Weg zum Supermarkt an und lässt seinen Blick über die auffällige Werbung auf der Plakatwand gleiten. Gerade hat er wieder Berichte gelesen über das spannungsreiche Verhältnis zwischen Kamikaze-Kraftfahrern und Rowdy-Radlern.

Und jetzt dieses Bild:

Ein Fahrradfahrer schwebt über einem tomatenroten Auto. Das Auto befindet sich auf einem Waldweg und sieht aus, als hätte ein Staplerfahrer seine Palette aus Versehen auf dem Dach abgestellt. Jedenfalls könnte der Fahrradfahrer auf der Rampe nach oben gefahren sein, um so seinen waghalsigen Stunt vorzuführen. Das bedeutet: das Auto steht. Dazu würde auch passen, dass man keinen Fahrer am Steuer sieht.

Oder der Fahrradfahrer ist von der augenscheinlich fahrerlosen Sonnenfinsternis (englisch: eclipse) angefahren worden. Dazu würde passen, dass man auf den Scheiben des Eclipse Cross die Umgebung nur verschwommen sieht. Gerade so, als sei das Fahrzeug gaaanz schnell unterwegs. Das wiederum passt nicht zu dem üblen Feldweg. Das Cross-Auto ist makellos sauber. Kein Dreckkrumen deutet darauf hin, dass es jemals näher an Erde gekommen ist als an den Blumenkübel im Hof des Fotografen.

Man hat schon stimmigere Montage gesehen.

Im Hintergrund strahlt eine schrundige Sonne durch die Stangen eines Industriewaldes und beleuchtet die zentrale Aussage des Plakates: „Der Mitsubishi Eclipse Cross“. Das Textfeld ist geneigt und zeigt – auf den Fahrradfahrer.

Was will uns der Kreativdirektor mit diesem Bild sagen:

„Tut mir leid, besser konnten wir’s nicht.“

„Der Kunde hat’s gefressen. Das reicht.“

„Eigentlich sollte es ein Plakat für Mountain E-Bikes werden. Das blöde Auto ist uns in die Aufnahme gefahren.“

Das Kleingedruckte

Unten heischt ein Textfeld in schreiendem Rot um Aufmerksamkeit: für schlappe 18.990 Euronen könnte man das Fahrzeug käuflich erwerben. Eine kleine hoch gesetzte „1“ hinter dem „EUR“ gibt zu denken.

Werbung für Mitsubishi Eclipse Cross 2018

Werbung für Mitsubishi Eclipse Cross 2018

Plakate und Anzeigen mit Fußnoten und Sternchen sind mir immer suspekt.

In diesem Fall lernt der Interessent, dass er bitteschön die Transportkosten vom Importlager zu tragen hat. Ferner delektiert sich der Kundige an der üblichen Propagadalüge zum Verbrauch: bei einem Hubraum von 1,5l leistet der Motor 163PS und verbraucht außerorts Tatam! 5,7l Treibstoff.

Nun man kann den Autofirmen keinen Vorwurf machen: unsere Gesetzgeber stecken das Feld für Lügen ab. Und den nutzen sie halt aus.

Der Preis in dem lauten Feld gilt übrigens nur bis Ende August. Ich spekuliere jetzt nicht, warum diese Information ganz klein, ganz unten auf der riesigen Plakatwand versteckt ist.

Ein Texter scheint nicht zum neuen Werbeteam zu gehören: jedenfalls fehlt ein eingängiger Spruch, ein Claim. Aber vielleicht gibt es zu dem Auto ja auch gar nichts zu sagen.

Zielgruppe – schon mal gehört?

Der durchschnittliche Mitsubishi-Kunde ist 53 Jahre alt- also eigentlich in einem Alter, in dem man sich auch für richtige Autos interessieren könnte. Welcher dieser Herrschaften hat in dem Alter noch Lust und Luft für den eindrucksvollen Fahrradstunt, äh Interesse daran hat, den Lack seines Eclipse Cross auf dreckigen Waldwegen einzusauen.

Überhaupt ist der Eclipse Cross nur sehr bedingt für die gezeigten Ausflüge geeignet. Zwar hat er gegenüber z.B. dem Golf VII 4cm mehr Bodenfreiheit. Aber gegenüber dem mit Fug und Recht vergessenen Vorläufer des Mitsubishi Eclipse Sportwagen hat er einen um 160mm längeren Radstand. Für Fahrten im Gelände ist das gar nicht gut. Hier sind neben großen Bodenfreiheit auch ein kurzer Radstand wichtig. Entsprechend reicht es beim beim Fahrkomfort nicht zu guten Noten.

Aber das merkt ja keiner: wer sich für den Eclipse Cross entscheidet, sitzt vermutlich allein im Auto, dessen Kinder sind längst aus dem Haus.


Gesehen in Hamburg Poppenbüttel im Juli 2018

Radstand: Eclipse 1997: 2.510mm

Radstand Eclipse Cross 2018: 2.670mm


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