Weltkulturerbe Speicherstadt

Speicherstadt – Weltkulturerbe

Seit über 15 Jahren hat der Hamburgische Senat ein von allen Parteien gemeinsam verfolgtes Ziel erreicht: Speicherstadt und Kontorhausviertel sind am 5. Juli 2015 als Weltkulturerbe anerkannt worden. Seit 15 Jahren mühen sich alle Hamburgische Bürgermeister um diese Anerkennung. Der Antrag umfasst 300 Seiten mit 120 Seiten Anlagen für Pläne, Übersichten und Erhaltungsmaßnahmen.

Besonders alt ist weder die Speicherstadt noch das Kontorhausviertel. Die Speicherstadt wurde vom deutschen Kaiser Wilhelm II 1888 eingeweiht.

Speicherstadt Hamburg Schlußstein, den Kaiser Wilhelm II setzt und den Anschluß Hamburgs an das deutsche Zollgebiet besiegelte.

Speicherstadt Hamburg Schlussstein, den Kaiser Wilhelm II setzt und den Anschluß Hamburgs an das deutsche Zollgebiet besiegelte.

Zum Deutschen Reich zählte Hamburg damals erst seit 17 Jahren. Den Beitritt ließen sich die Hanseaten von Bismarck teuer bezahlen – später schenkten sie ihm dafür den Sachsenwald. Als wichtigstes Faustpfand verlangten sie, dass auch nach dem Beitritt Hamburgs zum Deutschen Reich der Freihafen erhalten blieb: Freihafen bedeutet Zollausland. Die Waren konnten hier gelagert und verarbeitet werden, ohne dass ein Zoll fällig wurde. Diese innerstädtische Landesgrenze galt bis in jüngste Zeit und ist heute noch an den hohen Zäunen und den Durchlässen mit den Zollhäuschen erkennbar, an denen hin und wieder Rucksäcke und Kofferräume durchsucht wurden. Heute winkt da aber nur noch ein Pappkammerad.

Diese Forderung wurde ihnen erfüllt (samt einer beträchtlichen Geldzahlung), und darum machte sich Hamburg daran, einen neuen, modernen Hafen zu bauen, in dem Lager, Veredelung und Transport optimal organisiert waren

Am Anfang stand die Vertreibung

Speicherstadt Hamburg Blick über eine Brücke auf Speicher der Speicherstadt

Speicherstadt Hamburg Blick über eine Brücke auf Speicher der Speicherstadt

Man entschied sich für ein Gebiet im nordöstlichen Bereich des Hafens. Dort wohnten auf den Elbinseln Kehrwieder und Wandrahm die Hafen- und Werftarbeiter in wahrlich menschenunwürdigen Behausungen: den sogenannten Gängevierteln. Man würde heute sagen: es war ein Problemvierteln mit sozialen Spannungen. Die Lage dort war so angespannt, dass die Polizei dort entweder gar nicht oder mit mindestens zwei Mann erschien. Gängeviertel gab es auch an anderen Orten der Stadt. Und der letzte Rest wurde jetzt sozialromantisch verklärt „gerettet“.

In der Gründerzeit wurde nichts gerettet: da wurde vertrieben, abgerissen, spekuliert und neu gebaut. Die Senat siedelte die Bewohner des Gängeviertels zwangsweise in neue Mietskasernen in Barmbek und Hammerbrook um, um die heute wohl auch leidenschaftlich gestritten würde, hätten nicht alliierte Bomber diese Stadtteile vollständig zerstört.

Speicherstadt Hamburg Durchblick zur modernen Architektur der Hafencity

Speicherstadt Hamburg Durchblick zur modernen Architektur der Hafencity

Die Wohnsituation verbesserte sich für die Schauerleute und Werftarbeiter durch die Umsiedlung etwas. Aber ihr Arbeitsweg verlängerte sich um 10km. Öffentliche Verkehrsmittel waren noch nicht da oder so teuer, dass sich die Arbeiter die Fahrt nicht leisten konnten. Also hieß es: eine Stunde früher aufstehen, eine Stunde später nach Hause kommen und dazwischen ein 10-12 Stunden Tag.

Baumeister aus Holland

Kaum waren die Häuser entmietet und abgerissen, kamen holländische Handwerker und bauten die Speicherstadt mit ihren Fleeten und Speicherhäusern. Tausende von Eichenpfählen wurden in den Boden gerammt, um den Speichern ein sicheres Fundament zu geben. Die Häuser der Speicherstadt entstanden aus einem Guss in einer Reihe mit gleichen Grundrissen und Funktionen. Die Fassaden sind mit aufwendigen Klinkermosaiken verziert, in den Toreinfahrten sieht man perfekte Kuppeln und andere architektonische Leckerbissen. Spätestens seitdem die Anlieger der Speicherstadt in Privatinitiative und ohne finanzielle Unterstützung durch den Senat (dem man sogar nachsagt, er habe ernsthaft den Abriss der Speicherstadt erwogen) die Speicherstadt einfühlsam und wirkungsvoll beleuchten, steht ein Besuch der Speicherstadt auf dem Besuchszettel der meisten Hamburg-Touristen.

Natürlich gibt es in der Speicherstadt noch immer Speicher für Waren: Nirgends gibt es zum Beispiel so viele Teppiche wie in der Speicherstadt. Allerdings verlieren immer mehr Speicher ihre ursprüngliche Funktionen und werden von Werbeagenturen als Atelier und Büro genutzt, viele Museen sind eingezogen – aber der heimelige Charakter der wohligen Backstein-Aura steht noch immer über den Häusern und Fleeten.

Und kaputt machen darf man die Speicherstadt nun nicht mehr, sie ist ja Weltkulturerbe!

Das gleichfalls zum Weltkulturerbe zählende Chile-Haus von Fritz Höger ist einen eigenen Beitrag wert.

Chilehaus Bei Nacht aus der Luft

Chilehaus Bei Nacht aus der Luft Der Bau liegt wie ein riesiges Schiff in der Bildmitte