Weihnachts-Brunch im Grand Elysée Hamburg

Haben wir ein Glück! Plätze beim Weihnachts-Brunch im Grand Elysée, dem besten Hotel der Stadt! Wir waren in diesem Jahr rechtzeitig in der Bestell-Queue. Wer am 1. Weihnachtstag am Bufett des Grand Elysée schlemmen will, muss im April buchen.

Weihnachts-Brunch im Grand Elysée

Voll kulinarischer Vorfreude betreten wir die große Halle des 5-Sterne-Hotels – und stutzen: war nicht für heute Weihnachten angesagt? Warum begrüßt uns dann nicht wie in früheren Jahren ein fulminanter Weihnachtsbaum? Auch auf den Tischen vor den leider hier und da etwas verschlissenen Sitzgruppen sucht das Auge des Gastes vergeblich nach einem Hinweis auf die Besonderheiten des heutigen gesetzlichen Feiertages. Wir erklären unseren Enkeln das Manko mit dem fehlenden Schnee: Der Weihnachtsmann ist mit seinem Schlitten im Harzvorland auf blankem Asphalt liegen geblieben.

Unsere Hoffnung, für die Kleinsten eine Spielecke zu finden, zerplatzt an der Rezeption: nada 🙁

Kinder sind im 5-Sterne-Hotel nicht vorgesehen. Gut, dass wir ein paar Vorlesebücher und Puzzles mitgebracht haben.

Im Restaurant „Le Parc“ („das beste Restaurant der Stadt“ [Selbsteinschätzung auf der Homepage**]) werden wir zu einer gemütlichen halbrunden Sitzgruppe geführt. Auf dem Tisch finden wir – immerhin – einen Hinweis auf die kalendarischen Gegebenheiten, und zwar in Form eines kleinen, flachen Schokoladenweihnachtsmannes. Außerdem finden wir die Menükarte eines Restaurants, in dem wir gerade nicht sitzen. Wir erfahren so, welches Menü in der Piazza Romana gegeben wird. Allerdings finde ich keine Preisangabe, was nicht schlimm ist, weil wir ja gar nicht in der Piazza Romana sitzen.

Eine Übersicht, was uns heute am Buffet erwartet, fehlt. So entfällt der Punkt „Vorfreude beim Studieren der heute dargebrachten Leistungen des ‚besten Restaurants der Stadt’“.

Wir bestellen bei zwei Service-Kräften für den Jüngsten einen Hochstuhl. Der Dritte bringt ihn schließlich.

Sekt oder nix

Es ist guter Brauch und alte Sitte, dass zu Beginn des Brunches ein Sekt gereicht wird. Niemand am Tisch möchte Sekt, sei es, weil er Auto fährt, er noch zu jung ist für Sekt, es noch zu früh ist für Alkohol oder weil jemand keinen Alkohol trinkt. In jedem mittelklassigen Restaurant fragt die Bedienung in solcher Situation, ob sie vielleicht einen alkoholfreien Cocktail reichen darf und für die Kinder eine Fanta. Aber wir sitzen ja im „besten Restaurant der Stadt“. Da gibt es Sekt oder nix.

Nun, wir streben nicht nach geistigen Getränken, sondern nach gastronomischen Höhepunkten. Also auf zum Buffet.

Enttäuschung am Buffet

Hmm, wir umkreisen das Buffet und schauen ratlos auf das Angebot: Man ahnt, dass da Gänsekeulen liegen und erkennt mit Kennerblick, dass die hellen Brocken wohl was Fischiges sind. Aber die flachen Scheiben da rechts? Für Tortellinis zu groß, für Maultaschen zu vermatscht. Ein Füllung mag da auch drin sein. Aber was für eine?

An keiner Speise, die im „besten Restaurant der Stadt“ dargeboten wird, findet sich ein Hinweis, um was es sich handelt. Man will ja gar nicht immer wissen, welche Allergene enthalten sein können und wo der Ochse geschlachtet wurde, dessen Fleisch gerade gebraten wird.In weniger anspruchsvollen Restaurants sind solche Angaben Standard. Beim mutmaßlichen Kaiserschmarrn ist der Gast dankbar über die fehlende Beschriftung. Er wäre grausam enttäuscht über den harten und wohl schon etwas älteren Pfannkuchen, der in der Anmutung eines luftigen, lockeren und leckeren Kaiserschmarrn daher kommt. Leute, wenn Ihr keinen Kaiserschmarrn könnt, übt das vorher, bevor Ihr die Sache auf zahlendes Publikum loslasst.

Im Dessert-Bereich gibt es neben einer Reihe von namenlosen Süßspeisen eingelegte Pflaumen und Aprikosen. Das ist im Prinzip lecker, aber warum gibt es keine Löffel zum Auffüllen? Irgendwann erbarmt sich jemand, vielleicht ein Gast, und legt einen normalen Esslöffel in die Schale. Leider ist der Löffel kürzer als die Schale ….

Eine ähnlich unbekümmerter, hemdsärmliger Umgang mit der Tischkultur erlebt der Gast an dem Käse-Plättchen. Es sind ungefähr drei Käse vorhanden. Ein herzhafter Schweizer ist nicht dabei, kein Ziegenkäse, nichts, womit der Gast im „besten Restaurant der Stadt“ seinen Magen mit Freuden schließen wollte. Auf dem Brettchen gibt es weder Raum zum Schneiden, noch ein Messer, es zu versuchen. Ich fidel mit dem bereitgelegten Messer des Essbestecks ein Stück ab und stoße dabei natürlich die beiden anderen Käse vom Brett.

Abglanz besserer Tage

Wir umkreisen die kleine Bufett-Insel mit zunehmend traurigem Blick und hängen Erinnerungen an frühere Buffets im Grand Elysée nach. Wir fragen uns entgeistert, was aus dem legendären Weihnachts-Brunch im Grand Elysée geworden ist: strunz-langweilige Gänsekeulen (oder waren es Treter von der Ente?), kaum Aufschnitt, Gemüsebeilagen in einer Auswahl, die einen Kantinen-Chef vor Scham erröten ließe, kein raffinierter Rehrücken oder weihnachtlich-würziges Wildschein-Gulasch*.

Auf der anderen Seite liegt ein Lachs, der nach kurzer Zeit aussieht, als sei ein Schwarm Piranhas über ihn hergefallen. Der – von Gästen übrigens vorbildlich filetierte Fisch – bleibt für den Rest der Veranstaltung als Mahnung vor den Gefahren der Völlerei als trauriges Gerippe auf dem Teller liegen. Wer zu spät kommt, darf an den Gräten lutschen.

Ein ähnliches Schicksal ereilt den Gast, wenn er nach einer knappen dreiviertel Stunde ein weiteres Stück Filet verspeisen möchte: Filet ist aus im „besten Restaurant der Stadt“.

Gleichsam guter Brauch und alte Sitte ist die inkludierte Versorgung mit Kaffee, solchen aus der Kanne, keinen Espresso oder so. Der Kaffee ist tatsächlich inkludiert, aber es kommt niemand vorbei, um das Versprechen einzulösen. Im „besten Restaurant der Stadt“ bleibt die leere Tasse des Gastes unbemerkt.

Auch leere Teller entgehen der Aufmerksamkeit der Bedienung. Wir pflegen die kultivierte Nutzung des Buffets. Darum gehen wir lieber öfter, als alles in einem Durchgang auf einen großen Teller zu stapeln. Kein guter Plan, wie man schon am Lachs und dem Filet gesehen hat. Auf diese Weise kommen natürlich ein paar Teller zusammen.

Leere Teller, müder Service

In dem Maße, wie die leeren Teller nicht bemerkt und abgeräumt werden, stapeln sie sich dann vor dem Gast. Wir stellen das Geschirr schließlich auf ein kleines Regal zwischen den Sitzgruppen, andere Gäste folgen dieser Idee. Die Bedienung ignoriert den Stapel abgegessener Teller geflissentlich. In weniger anspruchsvollen Restaurant hätte ein aufmerksamer Chef de Salle seine Leute gefaltet. Im „besten Restaurant der Stadt“ geht es gemächlicher und familiärer zu.

Der oberste Chef des Hotels, Eugen Block, verschleißt seine Hoteldirektoren fast so schnell wie der HSV seine Trainer. Die Wirkung ist die gleiche: was gestern noch Stolz und Freude war, ist heute müder, uninspirierter und überteuerter Abglanz besserer Tage.

Wir verabreden uns fürs nächste Jahr wieder zu einem Weihnachts-Brunch. Wo, wissen wir noch nicht. Wo nicht, hingegen sicher.

Das leere Geschirr lagern wir aus, weil es niemand abräumt. Weihnachts-Brunch im Grand Elysée

Das leere Geschirr lagern wir aus, weil es niemand abräumt.

* Daran konnte sich der Gast in früheren Jahren delektieren

** Die Seite wurde am 25. Dezember 2017 um 21:59 abgerufen.