Vesteralen

Vesteralen

Der Ausflug zu den Vesteralen, es die Nummer Ausflug 9a der Hurtigruten, beginnt in Harstad und endet in Sortland. Dort treffen wir die Midnatsol wieder und setzen unsere Reise mit dem Postschiff fort.

Als wir morgens in Harstad anlegen, ist es ziemlich warm. 3 Grad ist hier zwar auch im Winter nicht ungewöhnlich, niedrigere Temperaturen mit viel Schnee aber auch nicht. Im Ergebnis ist es tückisch glatt. Eis, das taut und darauf Regen. Ohne Spikes ist man da verloren. Das gilt für Fußgänger wie für Autofahrer.

Wir besteigen den Bus mit Zweifeln, ob wir von der überwältigenden Schönheit der Vesteralen wohl mehr sehen werden als regenschwere Wolken über Fjorden und Holzhäusern.

Trondenes

Vesteralen Kirche von Trondenes

Vesteralen Kirche von Trondenes

Unser erster Halt gilt der Trondenes-Kirche. Es ist die nördlichste Steinkirche der Welt und für Norwegen eine wichtige mittelalterliche Kirche.

Sie liegt auf einer Halbinsel und ist mit ihrem zweigeteilten roten Ziegeldach auch bei der Vorbeifahrt der Hurtigrutenschiffe gut zu erkennen. Allerdings sieht man aus der Entfernung dem Bau seinen klerikalen Charakter nicht an.

In der Kirche gibt der Guide einen kurzen Überblick über die Geschichte und Bedeutung der Kirche. Anschließend steht der Besuch des Wikinger-Museums von Trondenes auf dem Programm. Es sind nur wenige Schritte von der Kirche zum Museum. Heute ist der Weg durch Glatteis auch für Besucher mit Spikes nicht passierbar. Der Bus sammelt uns ein und setzt rückwärts direkt vor dem Eingang des Museums. Bevor wir den Bus verlassen, streut der Busfahrer die fehlenden 10 Meter mit mitgebrachten Sand ab.

Selten so eine fürsorgliche Haltung bei einem Fahrer erlebt.

Wikinger Museum

Viel Zeit ist nicht vorgesehen. Eine knappe dreiviertel Stunde. Am Eingang werden wir gebeten, unsere Spikes abzurüsten und die Wanderschuhe gegen Wollsocken zu tauschen. In der Mitte des Raumes prasselt ein kuscheliges Holzfeuer mit einer einladenden Sitzbank. Da mag man gar nicht mehr aufstehen, so gemütlich ist es da.

Tun wir dann aber doch.

Die Exponate sind grob auch in Deutsch beschrieben. Ins Auge fallen aber nicht die gut ausgeleuchteten Bronzekragen und glatten Steinäxte (wie haben die Leute damals so glatte Flächen erzeugt?), sondern die sorgfältig und aufwendig gestalteten Szenen aus vergangenen Zeiten. Der Fischer in Lederkluft, hinter ihm ein verlöschtes Lagerfeuer aus Birkenholz am Flutsaum ist eindrucksvoller als ein paar leblose Lederpartikel und Harpunenspitzen in einer Vitrine (die gibt es aber auch zu sehen). Die lebensgroße Darstellung eines Kampfes Gotteskrieger gegen Wikinger bringt die Fragen um die gewaltsame Missionierung, deren brutalen Ausformungen auch heute noch, wenn auch mit anderen Vorzeichen die Nachrichten beherrschen, sehr anschaulich in die Gegenwart.

Es gäbe noch einiges mehr zu erzählen, und man staunt, mit wie viel Sachkunde und didaktischer Begeisterung hier die Kurautoren zu Werke gegangen sind. Wenn Sie in der Nähe sind, lohnt sich ein Besuch.

In ehrlichem Landregen fahren wir weiter zu einer Fähre, die uns über den Gullesfjord bringt. Drinnen warten Käsebrot, eine Art Pfannkuchen und natürlich Kaffee und Tee auf uns. Wir haben die gereichten Leckereien gerade verputzt, als wir den Bus zur Weiterfahrt wieder besteigen.

Vesteralen

Der Regen wird schwächer, die blauen Flecken am Himmel werden größer, und dann zeigt die Sonne, wie sich die Welt mit ein bisschen Licht verändert.
Der Busfahrer fährt nicht durch den angebotenen Tunnel, sondern wählt einen kleinen Umweg am Fjord entlang durch Dörfer und Weiden. Jetzt steht uns die die überwältigende Landschaft der Vesteralen vor Augen.

Vesteralen Sonne über schneebedeckten Bergen

Vesteralen Sonne über schneebedeckten Bergen

Im Regen konnten wir sie nur ahnen, jetzt beginnen wir klammheimlich Urlaubspläne zu schmieden: wie kommt am bequemsten oder am schnellsten hierher, um sich alles noch einmal auf eigene Faust und in Ruhe anzusehen?

Vesteralen Sonne über verschneiten Gipfeln

Vesteralen Sonne über verschneiten Gipfeln

Vesteralen schneebedeckte Berge hinter zugefrorenem See

Vesteralen schneebedeckte Berge hinter zugefrorenem See

Treffen von Bus und Fähre

Bei wirklich allerschönstem Sonnenschein und klarster norwegischer Luft absolvieren wir dann den (aus meiner Sicht) Höhepunkt des Ausfluges. Er beginnt auf einem Parkplatz in der Nähe einer Brücke und einem Telefongespräch zwischen Busfahrer und Kapitän der Midnatsol.

Unser Schiff ist noch nicht zu sehen, als sich der Bus gaaaaz langsam in Bewegung setzt und auf die Brücke gleitet. Wir sehen unser Schiff zielstrebig und ohne Hast auf den Treffpunkt zusteuern.

Vesteralen Hurtigrutenschiff Midnatsol bei Sortland

Vesteralen Hurtigrutenschiff Midnatsol bei Sortland

An Bord der Midnatsol hat die Besatzung an die Passagiere Handtücher verteilt, mit denen sie wie toll zu uns herauf winken, während wir langsam die Brücke hinauffahren. Uns bietet ein Bild wie aus dem Prospekt: die Midnatsol unter blauem Himmel mit schneebedeckten Bergen im Hintergrund. Wir erreichen die höchste Stelle der Brücke genau zu dem Zeitpunkt, als die Midnatsol darunter ist. Klar, dass uns unser Schiff mit dem Horn grüßt, unser Bus gibt sein bestes und hupt tüchtig zurück.

Tolle Idee, gut gelungen. Ein Ausflug, den ich jederzeit wiederholen würde.

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Der Ausflug fand im Februar 2015 statt.