Teheran Sammlung

Ab 4. Dezember zeigt die Berliner Nationalgalerie in der Gemäldegalerie die Teheran Ausstellung der Teheran Sammlung mit 60 Werken westlicher und iranischer Künstler aus dem 20. Jahrhundert.

Es ist Zeit, mit einem Vorurteil aufzuräumen: 1979 gab es keinen organisierten Bildersturm in Iran.

Farah Diba Kunstsammlung

1979 stürzte Mohammad Reza Schah Pahlavi Schahanschah über seine Unterdrückungsmaßnahmen und Komplizenschaft mit den amerikanischen Geheimdiensten. Die Revolutionsgarden jagten den Unterdrücker davon, der Ajatollah Chomeini füllte das Machtvakuum auf. Das Ergebnis ist die Islamische Republik.

Teheransammlung Freiheitsturm Teheran

Teheran Sammlung Freiheitsturm Teheran

Schah Reza Pahlavi und seine Frau Farah taten das, was despotische Alleinherrscher am liebsten tun: protzen und prangen: Farah ließ ein prächtiges Opernhaus errichten, der Schah gab einen schwülstigen Turm der Monarchie in Auftrag und planierte in Persepolis die Ruinenstadt, um dort Raum für ein großes Fest „2.500 Jahre Monarchie“ zu schaffen, und beide kauften auf dem Kunstmarkt, was teuer war. Die Kunstsammlung wird auch als Frah-Diba-Sammlung bezeichnet. Aber Schah-Sammlung meint die selben Bilder.

Die Geschichte hat den Schah und den Ajatollah dahingerafft. Und alles ist noch da: Der Turm, das Opernhaus und die Kunstsammlung. Der Turm heißt jetzt Freiheitsturm, im Opernhaus bleibt die Schahloge unbesetzt. Es werden übrigens neben Klassikern auch sehr moderne, multimediale Inszenierungen gezeigt, und die Kunstsammlung kommt jetzt in Auszügen als „Teheran Sammlung“ nach Berlin.

Teheransammlung Lotfallah-Moschee in Isfahan

Lotfallah-Moschee in Isfahan

Teheran Sammlung Völkerverbindende Kunst

Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK), Hermann Parzinger, raunt etwas von „völkerverbindender Kraft der Kunst“, die dieser Ausstellung innewohne. Aus eigener Anschauung weiß ich, dass diese Kraft vor allem auf die deutschen Besucher wirken muss. In Iran werden Besucher überall mit Freude begrüßt: „Welcome to Iran“ trällern da schon Erstklässler.

Die Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin gibt ab dem 4. Dezember 2016 in der Gemäldegalerie einen Einblick in die Sammlung des Teheran Museum für Zeitgenössische Kunst (TMoCA). Die Sammlung ist in ihrer Zusammensetzung und ihrer Geschichte einzigartig: Nicht nur verfügt sie über einen der größten Bestände westlicher Kunst des 20. Jahrhunderts außerhalb Europas und der Vereinigten Staaten, sie verbindet diese Werke auch mit wichtigen Positionen der iranischen Kunst, insbesondere der 1960er- und 1970er-Jahre.

Teheran Ausstellung Museale Moderne

Es werden auch sehr großformatige Werke gezeigt: Mark Rothkos: No.2 (Yellow Center) misst stattliche 2,9m in der Höhe. Irgendwie ist dem Künstler aber wohl auf halber Strecke die Farbe ausgegangen: jedenfalls ist das Gemälde sehr blass. In der Wandelhalle der Galerie ist jedenfalls reichlich Raum für die großen Gemälde. Die Sammlung wird verschämt als Teheran Sammlung dargeboten. Den Hinweis auf den letzten Schah und dessen Frau verkneift man sich – aus verständlichen Gründen. Alle sind froh, dass er tot ist.

Die Ausstellung zeigt rund 60 herausragende Werke US-amerikanischer und europäischer Kunst u.a. von Jackson Pollock, Mark Rothko und Francis Bacon, gemeinsam mit Künstlerinnen und Künstlern der iranischen Moderne, darunter Faramarz Pilaram, Mohsen Vaziri Moghadam, Behjat Sadr u.v.a. So soll der künstlerische Dialog, der im Zentrum der Sammlung steht, in der Berliner Ausstellung sichtbar werden. Damit erhält das Publikum die hierzulande seltene Möglichkeit, wichtige Positionen der iranischen Kunst der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kennenzulernen.

Der Begriff „zeitgenössisch“ ist durchaus historisch zu sehen: immerhin handelt es sich um Kunst, die schon gute 50 Jahre alt ist und seitdem die Kunst wenig, die Umsätze der Kunsthändler aber sehr befördert hat. In diesem Zusammenhand von „Moderne“ zu sprechen, hat schon fast musealen Unterhaltungswert. Es handelt sich – was den „westlichen“ Teil der Bilder angeht, um Werke, an denen 90% der der Besucher vorbeigehen und sich fragen, was an den Exponaten so besonders, dass man dafür Millionen ausgibt. Die Werke der iranischen Künstler bieten Anlass, Iran zu besuchen und die traditionellen Werke iranischer Künstler und Kunsthandwerker zu betrachten.

Teheran Sammlung Moschee Isfahan

Teheran Sammlung Moschee Isfahan

Teheran Sammlung Verdrängte Geschichte

Beim Besuch des Schah 1967 in Berlin wurde das Rahmenprogramm von jubelnden Prügelpersern und Berliner Bersekerbullen gestaltet. Von diesem Tiefpunkt bundesrepublikanischer Geschichte will natürlich heute niemand etwas wissen. Das ist schade, weil der Schah gerade in dieser Zeit die heutige Teheran Sammlung zusammenkaufte. Kunstgeschichte hat mit Geschichte nichts zu tun. Wie zum Beweis fehlen Hinweise, dass während des Schah-Besuchs 1967 ein Stasi-Mitarbeiter im Diensten der Berliner Polizei einen Demonstranten ermordet und à la longue das Ende der deutschen Nachkriegszeit einläutet.

Teheran Sammlung Rahmenprogramm Goethe Institut

Die Bedeutung der Teheran-Ausstellung wird durch ein umfangreiches Rahmenprogramm unterstrichen. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet das Goethe-Institut das Rahmenprogramm zur Teheran Sammlung organisiert. Die Mullahs verfügten nämlich 1987 die Schließung des Goethe-Instituts in Teheran, weil sie sich über den mäßig witzigen Beitrag eines niederländischen Krawallkomikers im deutschen Fernsehen geärgert hatten.

Positionen aus Bildender Kunst, Film, Musik, Literatur, Theater und Philosophie werden Perspektiven, wie Grenzen künstlerischen Schaffens im Iran deutlich machen. Hausbesuche bei iranischen Familien bringen Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus Teheran mit deutschen Teilnehmenden in den Dialog. Ein philosophisches Programm fragt nach dem Konzept der Moderne im westlichen und iranischen Diskurs. Und eine Reihe von Konzerten bringt traditionelle Klänge von Santoor, Setar und Daf mit Sounds der iranischen Elektronikszene zusammen.

 

Teheransammlung Schahloge in der Teheraner Oper

Teheransammlung Schahloge in der Teheraner Oper

Seitdem ist das Goethe-Institut nur mit einem Schild an der deutschen Botschaft in Teheran vertreten. Die Fahne der deutschen Sprache wird zu Zeit von der deutschen Spachenschule hochgehalten.

Vielleicht markiert die Mitwirkung des Goethe-Instituts an der Teheran-Ausstellung  der Teheran Sammlung einen Neuanfang, und das Goethe-Institut kann auch in Iran wieder arbeiten.

Teheran Sammlung: Ende einer Eiszeit

Welche Werke im einzelnen gezeigt werden ist noch nicht bekannt, außer den vier Bildern, die Sie hier sehen. Ob die Teheran Sammlung selbst die Anreise nach Berlin lohnt, ist ungewiß. Aber im Hinblick darauf, dass man Zeuge wird, wie mit dem Fall der Iran-Sanktionen eine Eiszeit zu ende geht, ist der Besuch auch die Aussage: Welcome back Iran!

Update 27. Dezember 2016

Teheran-Sammlung – Zwischeneiszeit

Der neue amerikanische Präsident ist noch gar nicht im Amt, da kuscht die Nationalgalerie schon vor dem drohenden Verdikt, Iran wieder auf die Achse des Bösen zu setzen. Man hat entdeckt, dass einige, darunter TmoCA-Direktor Majid Mollanoroozi in Teheran den Holocaust leugnen. Darum könne man leider die Bilder nicht ausstellen. Nach anderen berichten haben die Behörden in Teheran noch keine Ausfuhrgenehmigung erteilt.

Aha.

Mit den Bildern kommen die bösen Geister der Vergangenheit?

Nein, mit der Absage der Ausstellung kommt wieder der vorauseilende Gehorsam, nichts zu unternehmen, was die transatlantische Freundschaftsachse in Schlingern bringt.

Die Absage der Ausstellung ist ein trauriger Akt von Feigheit!

Interessiert an Reiseberichten aus Iran: Suchen Sie sich hier was aus:

Teheransammlung Pilaram Calligraphy

Teheransammlung Pilaram Calligraphy

 

Teheransammlung Vaziri Moghadam Scratches on the Earth

Teheransammlung Vaziri Moghadam Scratches on the Earth

 

Teheransammlung Mark Rothko No2 Yellow Center

Teheransammlung Mark Rothko No2 Yellow Center (Auch wenn das Gelbe nicht im Zentrum ist)

Teheransammlung Jackson Pollock Mural on Indian_Red_Ground

Teheransammlung Jackson Pollock Mural on Indian Red Ground

 

 

Die Zitate stammen aus der Pressemitteilung der Stiftung preußisches Kulturgut

Die Bilder aus der Teheran Sammlung wurden gleichfalls von der SPK zur Verfügung gestellt. Hier die Einzelheiten:

Jackson Pollock: Mural on Indian Red Ground, 1950 | Oil & Enamel on board, 183×243.5 cm © Tehran Museum of Contemporary Art

Mohsen Vaziri Moghadam: Scratches on the Earth, 1963 | Mixed media, 200×180 cm © Tehran Museum of Contemporary Art

Mark Rothko: No.2 (Yellow Center), 1954 | Oil on canvas, 289.5×173.5 cm | © Tehran Museum of Contemporary Art

Faramarz Pilaram: Calligraphy-Painting, 1975 | Oil on canvas, 200×200 cm | © Tehran Museum of Contemporary Art