Springderby Klein Flottbek

Es ist eine der ältesten Sportveranstaltungen der Welt: das Springderby Klein Flottbek. Offiziell heißt die Veranstaltung „Deutsches Spring- und Dressur-Derby“ und wird seit 1920 ausgetragen.

Jeweils im Mai veranstaltet der „Norddeutsche und Flottbeker Reitverein“ das Treffen der besten Spring- und Dressurreiter. Auch für auswärtige Freunde des gepflegten Pferdeports ist das eine gern genutzte Gelegenheit, nach Hamburg zu reisen.

Springderby Links

Bilderstrecke vom Springderby 2015

Video mit allen Reitern und Pferden am „Großen Wall“

Springderby Pulvermanns Grab

Springderby Reiter im Parcour

Springderby Reiter im Parcour

Das besondere an diesem Wettbewerb ist die Länge des Parcours und die Schwierigkeit. „Pulvermanns Grab“ erinnert an Eduard Pulvermann, einem Hamburger Kaufmann mit einem Hang zu aristokratischen Freizeitvergnügen. Er entwarf den Parcours und die Hindernisse für das Springderby. Die Sprünge ähneln denen, die in der Schleswig-Holsteinischen Feldmark anzutreffen waren. Hier ritt Eduard Pulvermann gerne.

Eduard Pulvermann

Zwei Jahre nach Ende des 1. Weltkrieges fand Eduard Pulvermann es eine gute Idee, die Weiten der Feldmark auf das Gelände in Klein Flottbek zu konzentrieren. Und nein: Eduard Pulvermann ist nicht im Pulvermanns Grab beigesetzt. Er starb 1944 als Folge seiner KZ-Haft und wurde auf dem Ohlsdorfer Friedhof beigesetzt. Eduard Pulvermann wurde 1942 von einem Sondergericht wegen Verbrechen, die nur Nazijuristen erfinden können, verurteilt. Erst 2011 hob das Hanseatische Oberlandesgericht das Nazi-Urteil ihrer Kollegen auf.

Springderby Klein Flottbek Pulvermanns Grab

Springderby Klein Flottbek Pulvermanns Grab

Aus dem sportlichen Wettbewerb ist inzwischen ein kommerzielles Treffen von Pferdefreunden geworden.

Wettbewerb um den Wettbewerb

2016 erlebt das Springderby die Premiere der „Global Champions League“ Dahinter verbirgt sich das Marketing des Uhrenherstellers Longines. Unter Federführung des ehemaligen Profi-Reiters Jan Tops entsteht eine private Wettbewerbskonkurrenz zu den Wettbewerben, die der Reiter-Weltverband FEI veranstaltet. Mit millionenschwerem Etat lockt die private Konkurrenz. Die Millionen von Longines nehmen die Reiter gerne mit, auch wenn sie Global Champions League ablehnen. Die bisherigen Monopolisten grummeln zwar über den neuen Veranstalter – aber sie sperren auch niemanden aus, der sich um die Millionen bemüht. Nur das Personal auf dem Parcours wechselt für die Zeit, in der das Millionenspringen läuft.

Die Reiter reiten also in einem Wettbewerb nach den Regeln eines vom bisherigen Monopolisten nicht genehmigten Mitbewerbers. Bunte Hemdchen mit dem Namen des Teilnehmers und individuelle Musik beim Einlaufen – Fußballfreunde kennen das seit Jahren. Die Namensnennung auf dem Trikot scheint mir bei den Springreitern längst überfällig: auf die Entfernung sehen die Teilnehmer fast alle gleich aus und gewinnen individuelle Kontur nur durch Blick auf die Video-Wand.

Springderby Klein Flottbek

All das gilt nicht für das Springderby, da wird nach alten Regeln geritten.

Zwischen den Wettwerben gibt es zirzensische Showeinlagen auch gerne mal mit Ziegen und Hunden.

Das Springderby in Klein Flottbek findet auch bei Regen statt.

Das Springderby in Klein Flottbek findet auch bei Regen statt.

Im Jahre 2015 fand das Springderby bei miserablem Wetter statt: Sturm und Regen fegten die ausgelassene Stimmung hinweg, die sonst das Gelände zu einem Wohlfühlareal macht.

Niemand protestiert gegen die Instrumentalisierung der Pferde, obwohl die Pferde beim „Großen Wall“ sehr unglücklich wirken. Pferdebesitzer durchstreifen die Zeltstraßen mit Angeboten zum Thema „Reitsport“. Auch esoterische Offenbarungen und Ernährungstipps – für Pferde natürlich – runden das Angebot an Cremes, Satteldecken und anderem Zubehör ab.

Das Springderby ist ein Fest für Pferdeliebhaber.

Das Springderby ist ein Fest für Pferdeliebhaber.