Schöner Schein – Im Gasometer Oberhausen

„Schöner Schein“ im Gasometer: Jüngere Menschen außerhalb des Ruhrpotts werden Gasometer kaum noch kennen: das waren hohe, hohle Bauwerke, in denen Gas gelagert wurde; im Falle des Gasometers in Oberhausen rund 340.000 m³. Wie viele Produktionsstätten der Montanindustrie wurde auch das Gasometer in Oberhausen in ein Museum umgewandelt, genauer ein Veranstaltungsort für fast alles: Musik, Luftsäcke, Bilder und im besonderen Fall: Spielereien mit Licht.

In der Zeit vom 11. April bis zum 30. Dezember 2014 stellt das Gasometer Oberhausen  unter dem Titel „Schöner Schein“ über 150 ausgewählte Bilder und Skulpturen in Kopien und Abgüssen aus. Es ist museumstäglich von 10:00 18:00 geöffnet: das bedeutet: Montags wird das Gasometer reingenommen. Nur zu NRW-Ferienzeiten ist das Gasometer  auch montags offen. Für 9 Euro kann man die Ausstellung besuchen und mit dem Fahrstuhl aufs Dach des Gasometers fahren. Es lohnt sich: die Sicht reicht viele Kilometer weit und Tafeln erklären, was jeweils zu sehen ist.

„320° Licht“ Original langweilig

Die riesige Innenfläche des Gasometers in Oberhausen eignet sich hervorragend für Projektionen. schade, dass die Wände bei dieser Ausstellung nur für ziemlich schlichte und langweilige Bilder genutzt werden.

Die riesige Innenfläche des Gasometers in Oberhausen eignet sich hervorragend für Projektionen. Schade, dass die Wände bei „Schöner Schein“ nur für ziemlich schlichte und langweilige Animationen genutzt werden.

Auch wenn die Exponate in aller Regel gegenüber den Originalen stark vergrößert sind, könnte man sie auch in einer leeren Turnhalle ausstellen. Gleichsam um den Raum zu nutzen, bietet „Schöner Schein“ als einziges Original die Lichtinstallation  „320° Licht“ der Bremer Künstlergruppe URBANSCREEN. Die Gruppe hat schon eine Menge Preise gewonnen und soll sehr gefragt sein.

Selbst wenn man das Credo der Gruppe: „… konsequente[r] Verzicht auf konkrete Bildelemente, die in ihrer unauflöslichen Zeichenhaftigkeit immer auch auf externe Inhalte verweisen“ akzeptiert, bleibt die Frage, warum das Ergebnis so strunz-langweilig und uninspiriert sein muss. Vielleicht sollten die Macher mal eine LAN-Party besuchen und sich die Beiträge ansehen, in denen Teilnehmer zeigen, was auch unter Verzicht auf die „Zeichenhaftigkeit“ mit Programmen möglich ist, die zum Beispiel nur 4k Code enthalten.

Sowohl Grafik als auch Ton der Installation bleiben hinter dem zurück, was schon in seligen C64-Zeiten nach den oder statt der Schulaufgaben in Kinderzimmern entstand.

Ich habe den Eindruck, dass mit der geschwollenen Begründung ein gewisses Maß an Unvermögen oder Unwillen kaschiert wird.“Jeder Ton ist von der Beschaffenheit des Ortes gefärbt und somit seinem ursprünglichen Klang entfremdet“ Beschreibt URBAN die Geräusche. Was ist denn wohl der „ursprüngliche Klang eines Tons“. Wenn da wirklich der philosophische Hintergrund des Begriffs „Entfremdung“ mit klingt, dann fehlen mir die Töne. Meine Meinung: Blafasel.

In der Ausstellung "Schöner Schein" werden Kopien und Repliken von bekannten Kunstobjekten gezeigt. die meisten sind stark vergrößert und zeigen sich so dem Besucher mit neuen Perspektiven.

In der Ausstellung „Schöner Schein“ im Gasometer Oberhausen werden Kopien und Repliken von bekannten Kunstobjekten gezeigt. die meisten sind stark vergrößert und zeigen sich so dem Besucher mit neuen Perspektiven.

Aber sei es, wie es ist: die Vorführung entschleunigt, es ist schön dunkel, auf den Knautschkissen der Tribüne kann man wunderbar abhängen, und bei schlechtem Wetter verpasst der Besucher auch nichts, wenn er die Installation „320° Licht“ als Einschlafhilfe nimmt und eine Runde pennt. Als „künstlerischer Höhepunkt der Ausstellung“ geht diese Nummer nur durch, wenn man berücksichtigt, dass es ja das einzige künstlerische Original ist. Darum ist der Höhe- auch gleichzeitig der Tiefpunkt vom „Schönen Schein“.

Schöner Schein – mehrdeutig

Alles was Sie in der Ausstellung „Der Schöne Schein“ sehen, sind Kopien, Reproduktionen und Repliken. Die Vorlagen stammen aus bekannten Museen mit den besten Adressen in aller Welt. Die meisten Exponate sind deutlich vergrößert. Nur die „Venus von Willendorf“ ist in Originalgröße und ein Deckenfresco sehr elegant verkleinert dargestellt. Also alles nur Fake? Alles nur „Schöner Schein“? Der Kurator der Ausstellung, Prof. Peter Pachnicke, legt diese Einschätzung nah: „Reproduktionen vermögen nicht das Erlebnis der Originale zu ersetzen.“

Das mag sein. allerdings kann man auch als Fachbesucher einer Ausstellung nicht immer positiv feststellen, ob das Exponat im Louvre oder in der Pinakothek DAS Original ist. Zu dick sind die Schutzgläser, zu groß der Betrachtungsabstand. In vielen Fällen habe ich Hängungen erlebt, bei denen der Besucher nicht bemerkt hätte, wenn z. B. statt des Millionen schweren Rubens ein preiswerter Druck hinter dem Panzerglas gehangen hätte.

Da lobe ich mir den Mut zur Reproduktion und Kopie. Der Besucher kann so dicht ran, wie er möchte, um Einzelheiten zu entdecken. Die Vergrößerungen machen Facetten sichtbar, die beim Betrachten des Originals (auch wegen der am Originalort meist funzeligen Beleuchtung) unsichtbar bleiben.

Nein, die Repliken schmälern den Genuss und den Erkenntnisgewinn nicht. Eher das Gegenteil. Die Fotografien sind auch in der Vergrößerung hervorragend, die Abgüsse der Statuen soweit ich das aus eigener Anschauung beurteilen kann, vom Original nicht zu unterscheiden. Die Exponate haben viel Platz, jedes Werk hat Raum zum Wirken.

Was fehlt ist so etwas wie ein roter Faden, es fehlen Bezüge der Exponate untereinander, die epochale Einordnung. Die gewählte Anordnung der Ausstellungsstücke scheint mir beliebig zu sein. Macht nichts: der Besucher kann zwischen den Exponaten nach Belieben herumstöbern, ohne den Eindruck zu gewinnen, ein Ausstellungskonzept verpasst zu haben.

Die erklärenden Texte sind, und das ist eine löbliche Ausnahme in der Welt der Museen und Ausstellungen, zweisprachig deutsch/englisch. Unsere niederländischen Nachbarn hätten sich vermutlich über einen niederländischen Text gefreut. Aber vielleicht kommen die ja auch nur bis zum nahen Einkaufszentrum.

Alle Zitate sind aus dem Pressetext zur Ausstellung auf der Homepage des Gasometers Oberhausen