Polarlicht oder Nordlicht sehen und fotografieren

Nordlicht und der Zauber Norwegens

Nordlicht! Darauf warten alle Reisende auf der Hurtigruten oder Kreuzfahrtschiffen, die es auch im Winter wagen, die Polarregionen anzusteuern: Neumond, klarer Himmel und unruhige Sonne! Das sind gute Voraussetzungen für Nordlicht.

Sonnenwind und Nordlicht

Alles hängt davon ab, ob die Sonne viele geladene Teilchen aussendet (Sonnenwind) und die Erde diese Wolken durchläuft. Für kräftiges Nordlicht sind starke Sonnenaktivitäten wichtig. Leider hat die Sonne 2014 ihr Maximum an Sonnenaktivität entfaltet, das nächste Maximum wird erst wieder 2025 erwartet.

Polarlicht entsteht, wenn Sauerstoff- und Stickstoff-Atome im ersten Schritt in den oberen Schichten der Atmosphäre vom Sonnenwind ionisiert werden. Das bedeutet, dass der energiereiche Sonnenwind einzelne Elektronen aus den Molekülen herausgeschlägt. Im weiteren Verlauf finden Atom und ionisiertes Molekül wieder zusammen und vereinigen sich zu einem neutralen Molekül. Dabei wird Energie frei und in Form von Licht sichtbar: das Polarlicht!

Dieser Effekt tritt besonders da auf, wo das Magnetfeld der Erde sehr dicht ist: an den Polen. Zu sehen ist das Polarlicht aber auch dort nur im Winter. Im Sommer ist die Mitternachtssonne immer heller als jedes Polarlicht.

Polarlicht oder Nordlicht?

Die Lichterscheinungen sind nicht nur jenseits des Nordpolarkreises zu sehen, sondern auch am Südpol. Allerdings ist die Gegend südlich des südlichen Polarkreises nicht besiedelt (von ein paar Forschern in der Antarktis abgesehen). Polarlicht beschreibt die Erscheinung umfassender, Nordlicht werden seit Menschengedenken beobachtet. Der Nordpol ist einfach näher an besiedeltem Gebiet. Das erste beobachtete Polarlicht wird aus Babylon im 4. Jh. v. U . Z. Berichtet.

Nicht sehr oft, aber es kommt vor, dass man Nordlicht auch weiter im Süden erkennen kann. In Hamburg ist das in 7-10 Nächten der Fall.

Optisches und fotografisches Nordlicht

Reisende in Richtung Norden sind gut beraten, wenn sie nördlich des Polarkreises mit ihrer Kamera von Zeit zu Zeit den Himmel fotografieren. Oft zeigt das Display das erhoffte grüne Glimmen und bläulich-violette Glühen. Das Auge bemerkt nichts von dem Farbenrausch vor ihrer Nase.

Es gibt das fotografisch darstellbare Polarlicht (fotografisches Nordlicht) und das auch mit bloßem Auge zu sehende optische Nordlicht. Dann tanzen am Himmel die Flammen in bunten Farben und berauschenden Formen.

Das menschliche Auge kann nur einen kleinen Ausschnitt des vorhandenen Lichtes wahrnehmen. Vieles geht buchstäblich an uns vorbei, weil die Netzhaut die entsprechenden „Farben“ nicht erkennen kann. Viele Kamera-Objektive sind z. B. mit einer zweiten Entfernungsskala versehen, die für infrarotes Licht gilt. Für Polarlicht gibt es meistens keine Skala 🙂

Bei der Wiedervereinigung von Elektronen und Ionen entstehen viele Farben. Nicht alle diese Farben sind für das menschliche Auge sichtbar. Die Kamera, egal ob analog oder digital, „sieht“ mehr. Darum sieht man auf Fotos oft Polarlicht, wo das Auge bestenfalls ein leichtes Rosa oder eine unbestimmte Helligkeit am Horizont sieht. Auf Postkarten und Filmen sieht man für gewöhnlich das fotografische Polarlicht. Wenn der Reisende das Polarlicht mit unbewaffneten Auge sieht, darf er den Tag als seinen Glückstag eintragen.

Polarlicht: Wann und wo?

Wenn Sie sich wirklich an der Jagd auf das Polarlicht („Hunting the light“) beteiligen wollen, gilt es ein paar Sachverhalte zu berücksichtigen:

  • Polarlicht tritt zwischen Ende November bis Ende Februar am häufigsten auf.
  • Polarlicht ist am besten nördlich des Polarkreises zu sehen.
  • Das Licht des Vollmondes überlagert oft das Polarlicht. Also suchen sie sich eine Tour aus, die Sie zu Zeiten des Neumondes in Häfen nördlich des Polarkreises führt. Diese Seite hilft Ihnen, einen passenden Termin zu finden. Sie können auch hier mal nachschauen.

Mit diesen Regeln werden Sie vermutlich bei einem Schiff der Hurtigruten hängenbleiben. Sie legen täglich ab Bergen ab und fahren nach genauem Plan nach Kirkenes und zurück. Sie können also sehr genau vorhersagen, wann ein Schiff der Hurtigruten bei Neumond nördlich des Polarkreises einen längeren Halt in einem Hafen einlegt.

Polarlicht Fotografisches Polarlicht von Bord der Midnatsol

Polarlicht Fotografisches Polarlicht von Bord der Midnatsol

Sehr hoch ist auch auf der Reise „Winter im hohen Norden“ die Wahrscheinlichkeit, Nordlicht zu sehen. Schon in Tromsö, spätestens in Alta steigt die Wahrscheinlichkeit, Nordlicht zu sehen, fast bis zur Gewissheit.

Nordlicht fotografieren

Stative bei Nordlichtfotografie

Das Nordlicht ist verhältnismäßig schwach – und findet nachts statt 😉 Da liegt die Benutzung eines Stativs nahe.

Aber …

Stative brauchen sicheren Stand. Und den haben Sie draußen im Schnee nicht. Die Stativ-Beine sinken ein. Manche Anbieter halten eine Plattform bereit. Hier können die Jäger des Nordlichtes ihre Stative in Stellung bringen. Leider sind es oft sehr viele Jäger, und die Plattformen vibrieren mit jedem Schritt.

Es ist auch nicht ungewöhnlich, dass es brisig ist.  Wind ist Feind der Stative. Auch der Trick, einen Rucksack anzuhängen ist nicht zielführend: der Wind pustet nämlich auch gegen den Rucksack, der schwingt im Wind und … Genau auch das Stativ schwingt irgendwann mit.

Die Belichtungszeiten sind bei schwachem Licht naturgemäß lang. 20 Sekunden können es schon mal sein. 20 Sekunden ist der Verschluss offen. Genau so lange verarbeitet die Kamera das Geschehen: 10 Sekunden braucht man, um das Ergebnis zu bewerten und die Einstellungen zu korrigieren. Also rund 1 Minute für eine Aufnahme mit Stativ. Minimum. Und 40 Leute wuseln um sie herum, bauen ihre Stative auf und stolpern dabei vielleicht über das Ihre…

Wer das Nordlicht auf einem Kreuzfahrtschiff einfangen will, kann mit seinem Stativ nicht viel anfangen. Das Schiff fährt und schwankt und stampft. Aus eigener Erfahrung weiß ich aber, dass es immer wieder versucht wird.

Welche Kamera fürs Nordlicht?

Vorbemerkung: die nachfolgenden Hinweise sind für Hobby-Fotografen bestimmt, die für sich und ihre Freunde Erinnerungen an Nordlichter einfangen wollen und vielleicht ein Kalenderbild haben wollen. Profi-Fotografen dürfen darum bei den folgenden Zeilen gerne den Kopf schütteln.

Nein, Sie brauchen keine Vollformatkamera – auch wenn so eine Ausrüstung sehr hilfreich ist: Unter diesen Bildern sind die technischen Daten angegeben.

Sie brauchen auch keine Kamera, die Raw-Daten speichert oder sich komplett manuell einstellen lässt.

Wenn Sie im normalen Fotografenleben nichts einstellen, sondern sich auf Programm oder Automatik verlassen, sollten Sie das auch beim Nordlicht machen.

Ich rate auch von den „Szenen“-Programmen ab. Wenn Sie aber wissen, welche der eingebauten Voreinstellungen für Nordlicht geeignet ist, spricht nichts dagegen, es zu versuchen.

Es ist dunkel, es ist kalt, es kann sogar sehr kalt sein, es turnen vielleicht viele andere Fotografen um Sie herum: alles keine Bedingungen für fummelige Einstellungen in Menüs und Rädchen.

Mit so ziemlich jeder Kamera, die nach 2013 produziert wurde, können Sie gute Erinnerungen ans Nordlicht nach Hause nehmen. Sie brauchen nur etwas Halt. Lehnen Sie sich gegen ein Baum, den Bus oder die Hauswand. Dann muss sie auch die Warnung nicht schrecken, mit der die Kamera auf Verwackelungsgefahren hinweist.

Was Sie nicht brauchen, ist ein Blitzlicht!

Bitte merken: kein Blitzlicht!

Das ist die einzige Einstellung, die Sie kennen müssen: Blitz aus!

Wirklich: nichts ist nerviger als ein Blitzlichtgewitter in völliger Dunkelheit! Außerdem wecken Sie Trolle. Und die fressen Fotografen, deren Kameras blitzen!

Jawoll. darum Blitz aus!

Exkurs: Raw oder JPEG?

Ein Wort zum Dateiformat. Oft werden Sie die Aussage hören, dass „Raw“ ganz wichtig ist und den Profi vom Knipser unterscheidet.

Glauben Sie das nicht. Raw kann ein verdorbenes oder verkorkstes Bild in manche Hinsicht heilen. Aber es ist auch immer ein Hinweis darauf, dass eine Aufnahme verkorkst wurde.

Zitat eines Kollegen, der zu den besten seiner Zunft gehört: „Raw fotografiere ich erst, wenn das Honorar deutlich 4-stillig wird“

Raw zeigt die elektrischen Werte jedes Pixels auf dem Chip an. In der Kamera läuft eine Bildbearbeitung, die daraus ein Bild errechnet, mit dem das menschliche Auge etwas anfangen kann: im JPEG-Format.

Die Profis können mit Raw auch erst mal nichts anfangen, sondern laden es in eine Bildbearbeitung auf ihrem PC. Für gewöhnlich erledigt dort ein Programm die notwendige Bearbeitung. Warum das Programm eines Drittherstellers bessere Ergebnisse liefern soll, ist eine durchaus offene Frage.

Raw-Entwicklung ist zeitaufwendig und setzt viele grundlegende Kenntnisse voraus. Fotograf ist ein Lehrberuf! Die Lernkurve ist niedrig – nicht umsonst überlassen viele Raw-Fotografen die Entwicklung ihrer digitalen Bildern den Programmierern von Adobe und Co.

Ich habe bisher gute Erfahrungen mit der Bildbearbeitung in der Kamera gemacht. Vielleicht liegt das daran, dass die Software-Entwickler bei Canon und Co ziemlich gute Kontakte zu ihren Kollegen von der Kamera-Hardware haben.

Ich belichte meine Bilder gerne etwas knapp, ca. 1/3 – 2/3 Blendenstufen. Dann habe ich immer noch Luft, dunkle Partien etwas hervorzuholen.

Erprobte Einstellungen für Nordlicht

Die folgenden Ausführungen sind nützlich, wenn Sie sich nicht auf Auto oder Programm verlassen. Machen Sie sich gegebenenfalls rechtzeitig (also in der Kabine oder dem Hotelzimmer) damit vertraut, wie man die Daten auf der Kamera einstellt.

Nordlicht mit Stativ

Die nachfolgenden Einstellungen sind nur zugänglich, wenn Sie alle Automatiken abstellen.

ISO Kompaktkameras für die Westentasche liefern brauchbare Ergebnisse bis ISO 800, Kameras mit größerem Chip bis zu ISO 1.600, eine moderne (2018) Vollformatkamera dürfen Sie mit bis zu ISO 40.000 benutzen.

Stabilisator Auf dem Stativ können Sie diese Funktion ausschalten. Sie gewinnen ein paar Belichtungsstufen.

Fokus Manche Kameras haben Schwierigkeiten, nachts auf irgendwas scharf zu stellen. Versuchen Sie „manuellen Fokus“ und dann unendlich.

Blende die Blende bestimmt, wie viel Licht auf den Chip (oder früher: auf den Film) fällt. Von der vollen Öffnung (kleine Blendenzahl) rate ich ab, weil die Linsen an den Rändern oft nicht optimiert sind. Ganz klein (große Blendenzahl) sollte die Öffnung auch nicht sein, weil sonst die Belichtungszeit zu lang wird.

Zeit Versuch macht kluch Beginnen Sie mit 8 oder 10 Sekunden. Vermeiden Sie lange Belichtungszeiten. Mehr als 20 Sekunden führen dazu, dass die Sterne als Langloch abgelichtet werden. Vergessen sie nicht, dass die Erdoberfläche und damit Ihr Stativ in 30 Sekunden ein paar Hundert Kilometer wandern.

Fernauslöser früher auch Drahtauslöser sind Hilfsmittel, mit denen man den Auslöser drücken kann, ohne ihn zu berühren. Dahinter steckt die Erfahrung, dass beim Auslösen nicht nur der Auslöser gedrückt wird, sondern die ganze Kamera einen Impuls abgekommt.

Das Ergebnis können Verwackelungsunschärfen sein. Wenn Sie bisher keinen Fernauslöser haben, müssen Sie sich für die Jagd auf das Nordlicht nicht extra einen kaufen. (Fast) Alle Kameras besitzen einen Selbstauslöser, meist in zwei Stufen: 2s und 10s. Sie drücken auf den Auslöser, und der Verschluss öffnet erst nach 2 oder 10 Sekunden. Spätestens nach 10 Sekunden schwingt die Kamera nicht mehr. Keine Verwackler und kein unnötiges Gerät*.

Sie erkennen: nichts ist mal eben. Wird die Zeit zu lang oder zu kurz, muss man an Blende oder der Empfindlichkeit (ISO) drehen. Ziehen Sie sich warm an und nehmen ein paar Handwärmer mit.

Nordlicht Aus freier Hand

ISO Ich empfehle, der Kamera die Wahl der passenden ISO-Werte zu überlassen.

Stabilisator Wenn Ihre Kamera oder Ihr Objektiv einen Stabilisator hat, schalten Sie ihn bitte ein. er ist bei Freihand-Fotos von unschätzbarem Wert.

Blende, Fokus Wie oben

Zeit Wählen Sie eine Zeit, die Sie gerade noch halten können. Das Bild oben habe ich während der Fahrt an Bord der Midnatsol mit 1s gemacht.

Kleine Helfer

Akku Denken Sie an einen Reserve-Akku. Bei Nordlicht ist der Himmel klar, und die Nacht ist schon mal sehr frisch. Sie betreiben dann den Akku – und wahrscheinlich auch Ihre Kamera außerhalb der Spezifikation. Ein betagter oder billiger Akku eines Dritt-Anbieters kann da schon mal sehr spontan den Dienst quittieren. Und wenn Sie neben dem Akku noch eine Speicherkarte – nur so für alle Fälle – dabei haben, kann das Nordlicht leuchten und funkeln.

Taschenlampe Ich erwähnte schon den Umstand, dass Nordlicht gewöhnlich nachts stattfindet, vorzugsweise fern ab künstlicher Lichtquellen. Das kann Sie beim Suchen des richtigen Knöpfchens, der richtigen Position des Stellrades oder den richtigen Kick auf den 8-Wege-Wippschalter vor Probleme stellen. Ich habe immer eine kleine Taschenlampe am Schlüsselbund. Das hilft, ohne zu stören.

Handschuhe Ich erwähnte gleichfalls den Faktor „Umgebungstemperatur“. Die ist niedrig und schränkt nach kurzer Zeit die Fingerfertigkeit erheblich ein. Ich habe Klapp-Handschuhe gefunden: der vordere Teil der Handschuhe kann schnell abgeklappt werden. Die Hand bleibt warm, und die Finger verstecke ich nach dem Foto schnell wieder in der wärmenden Hülle.

Knieschoner Hilfreich ist eine Kamera mit Klappdisplay. Fehlt so etwas bei Ihrer Kamera, werden Sie sich hin und wieder niederknien müssen. Ein Kissen oder Knieschoner ist da sehr praktisch.

Das wars. Jetzt sind Sie dran! Raus an die Frühjahrsluft und Fotos gemacht.


  • Zwingend notwendig sind Fernauslöser nur im Belichtungsmodus „B“. Hier bleibt der Verschluss solange offen, wie Sie den Auslöser drücken.
Polarlicht auf hoher See Winter in hohen Norden

Polarlicht auf hoher See