Norwegian Jade – A new Ship in Port

Gruß aus Amerika: Norwegian Jade

Sie kennen die AIDA-Flotte, sind mit „Mein Schiff“ auf Kreuzfahrt gegangen und haben auch schon mal einen Kurztripp mit der „Queen Mary 2“ gemacht? Und nun wollen Sie wissen, was auf der „Norwegian Jade“ anders ist. Lohnt sich das? Kann man das mal ausprobieren? Wie sind die Kabinen und der Service?

Am 6. Juni 2017 lief die „Norwegian Jade“ als erstes Schiff der Norwegian Cruise Line (NCL) den Hamburger Hafen an. Die Hamburg Port Authority überreichte wie bei jedem Erstanlauf eines Schiffes dem Kapitän eine Plakette. Das ist gute Sitte in der Branche. Und jeder Hafen, den das Schiff angelaufen ist, ist mit einer Plakette oder einem Wappen auf der Brücke dokumentiert.

Der Kapitän, Kim Karlsson, der Norwegian Jade nimmt von der Port Authority die Begrüßungsplakette für den Erstanlauf in Hamburg entgegen.

Der Kapitän, Kim Karlsson, der Norwegian Jade nimmt von der Port Authority die Begrüßungsplakette für den Erstanlauf in Hamburg entgegen.

Die Begeisterung des Europäers im allgemeinen und der Deutschen im Besonderen für Kreuzfahrten blieb in den USA nicht unbemerkt. So hat die Norwegian Cruise Line (NCL) eines ihrer Schiffe nach Europa entsandt, um von dem Kreuzfahrtkuchen ein Stück abzubekommen: Me too!

Was erwartet den Gast auf der „Norwegian Jade“? Was ist anders als bei anderen Schiffen? Wo liegen Stärken und wo die Schwächen der „Norwegian Jade“?

Im Rahmen einer ausführlichen Besichtigung und einer kurzen Mitfahrt von Southampton nach Hamburg kann ich folgendes berichten:

Hier meine Zusammenfassung:

Man macht nichts verkehrt, wenn man eine Reise auf der Norwegian Jade bucht. Die öffentlichen Bereiche sind großzügig. Es gibt veritable Sonnendecks. Der Service, auch der in der Kabine, ist vorbildlich. Der Gast wird vielfältig unterhalten: im Theater mit ansprechendem Show-Programm, in den Bars und Sonnendecks mit Life-Musik. Das gastronomische Angebot ist abwechslungsreich.

Hier die Punkte im einzelnen:

1. Die „Norwegian Jade“ ist ein amerikanisches Schiff.

Die Innenausstattung ist für den hiesigen Geschmack „zu fett“ Dunkle Holzpaneelen auch im Fahrstuhl und dem Sanitärbereich, aufwendige Spiegel und protzige Decken- und Wandleuchten.

Das ist die eine Seite.

Auf der anderen Seite nerven die schier unzähligen Hinweise zur Sicherheit:

„Prüfe beim Duschen, ob das Wasser richtig temperiert ist!“

„Benutze den Handlauf beim Treppensteigen!“

„Springe nicht in den Pool“!

„Achtung, die Speisen können Allergene enthalten!“

„Setz dich nicht auf die Reling!“

„Gehe mit deinen Kindern regelmäßig aufs Klo, wenn du mit ihnen im Pool spielst.“

Sogar vor der ebenerdigen Dehnungsfuge im Sonnendeck wird mit gelben Leuchtstreifen und Hinweisen gewarnt.

Man fragt sich, wie die Gäste auf deutschen Schiffen jemals ihr Ziel lebend erreichen konnten.

Gut, das Zauberwort heißt „Produkthaftung“ und kann den Anbieter in den USA viel Geld kosten, wenn er nicht auf mögliche Gefahren hinweist. Fehlt eigentlich nur noch der Hinweis:

„Achtung: Schild!“

Die „Norwegian Jade“ weist eine schier unglaubliche Servicedichte auf. Noch nie habe ich an Bord eines Kreuzfahrtschiffes so viele Leute gesehen, die sich um die Gäste bemühen. Und sei es auch nur, um einen „Guten Tag“ zu wünschen. Auch das ist Amerika. Kein Warten, dass der Tisch abgeräumt wird oder neues Besteck gereicht wird. Vielleicht tragen die Mitarbeiter auch ein unsichtbare Schildchen mit sich herum:

„Zeige dein schönsten Lachen, oder es wird dir vergehen …“

Die Innenarchitektur zeigt auch moderne und helle Entwürfe.

Die Innenarchitektur zeigt auch moderne und helle Entwürfe.

Erkennbar ist die Innenausstattung der „Norwegian Jade“ an vielen Stellen auf den aktuellen Stand gebracht worden. So wird der Gang durch das Schiff auch zu einer innenarchitektonischen Zeitreise: von protziger, autoritätsheischender Chefzimmerarchiektur zu minimalistischer, heller Willkommens- und Wohlfühlarchitektur.

Neue Gäste finden einen unterhaltsamen Zeitvertreib, herauszufinden, welcher Fahrstuhl zu welchen Decks führt und zu welchem Treppenhaus man von welchem Deck gelangt. Als kleine Hilfestellung zeigen die Fische im Muster des Teppichbodens alle zum Bug – bis auf den Roten, aber das war klar, der schwimmt zurück. Und an vielen Stellen gibt es Schaubilder: „Sie sind hier,“ auf erkennen kann, in welche Richtung man seine Schritten lenken soll.

2. Die „Norwegian Jade“ ist ein internationales Schiff

Bordsprache ist englisch, zwar gibt es deutschsprachige Mitarbeiter in der Rezeption und wichtige Durchsagen werden auf deutsch wiederholt. Aber zum täglichen Bordleben sind grundlegende Englischkenntnisse unentbehrlich. Auch das Publikum ist international. Klar, es kommen viel Gäste aus den USA und Großbritannien, aber ich habe auch Gäste aus vielen anderen EU-Staaten getroffen. Das wirkt sich nicht nur auf die Anzahl der Sprachen aus, sondern auch auf das Benehmen. Wer nach AIDA-Gewohnheit das Buffet unter Einsatz seiner Ellenbogen stürmt und sich wahllos den Teller mit den verschiedensten Speisen vollschaufelt, wird sich auf der „Norwegian Jade“ sehr einsam fühlen.

3. Die „Norwegian Jade“ ist ein Zwei-Klassen-Schiff.

Es gibt auf Deck 14 einen „Haven“ (deutsch: Oase), für Bewohner einiger umliegender Suiten mit einem eigenen kleinen Pool, separatem Sonnendeck und einer exklusiven Sauna.

Die Idee, zahlungswillige Gäste zu einem kleinen Refugium inmitten der vielen anderen Gäste zu verhelfen, ist so neu nicht. Von der „Queen Mary 2“ erwartet man nichts anderes, auf der AIDAprima war die Einführung eines exklusiven Bereichs schon überraschend. Die Gäste im „Haven“ haben auch im Theater exklusive Plätze im Rang.

4. Die „Norwegian Jade“ viel Raum im öffentlichen Bereich.

Es gibt einen großen Außenbereich auf mehreren Sonnendecks. Nicht alle sind barrierefrei zu erreichen. Besonders das schönste auf Deck 15 ist nur über viele Stufen zu erreichen. Und mancher Gast wird es gar nicht finden. Schade, dass auch der Kollege den Weg nicht gefunden hat, der die Sonnenliegen aufstellen sollte. Die Außengastronomie am Heck von Deck 12 ist schnell zu meinem Lieblingsplatz geworden. Auch unter Deck findet der Gast viele Sitz- und Ruhemöglichkeiten.

Ein Promenadendeck führt um das ganze Schiff herum. der Bug ist zwar getunnelt, aber man kann einmal ums Schiff herumlaufen. Den Blick auf den Bug kann man übrigens von Deck 15 genießen. Das Promenadendeck ist breit, so breit, dass dort auch Liegen aufgestellt werden.

Norwegian Jade - Wer bei dieser Aussicht ein Buch liest, muss ein besonders spannendes Exemplar erwischt haben.

Wer bei dieser Aussicht ein Buch liest, muss ein besonders spannendes Exemplar erwischt haben.

In den Restaurants sind insgesamt mehr Plätze als Passagiere an Bord sind. Es gibt ein Zimmer, in dem sich der Gast mit Karten oder bereitliegenden Spielen die Zeit vertreiben kann. Die Bibliothek bietet zwar sehr wenig deutschsprachige Bücher, aber ein paar traumhafte Leseplätze mit Blick aufs Wasser. Dort kann man dann auch seine eigenen Bücher in Ruhe lesen.

Ein nettes Schmankerl ist der Raum, von dem der Gast jederzeit und ohne Anmeldung einen Blick auf die Brücke werfen kann.

Am Pool fällt eine Art Galgen aus. Mit ihm können auch gehbehinderte Gäste ins Wasser gehoben werden.

Das Unterhaltungsprogramm findet natürlich auch im Theater statt. Dessen sehr bunte und schwermütige Farbgebung ist nicht jedermanns Sache. Auf vielen Bühnen spielen Solisten und Combos easy-listing. Das hat mir gefallen. Life-Musik ist immer schöner als Fahrstuhlmusik vom Band.

5. Kabinen

Die Kabinen der „Norwegian Jade“ sind eher klein. Während der Besichtigung konnten wir viele Kabinenkategorien besichtigen. Und fast immer verließ ich die Kabine mit dem Gefühl, dass hier nur eine Schlafstelle, aber kein Rückzugsort geschaffen wurde. Einzig die großen Suiten bieten Raum zum Luftholen und entspanntem Sitzen. Auch hier gilt: es herrschen dunkle Farbtöne vor, die mit den üppig verwendeten dunklen Holzpaneelen gut zusammenpassen. Man muss das mögen, sonst wird man unglücklich.

Die Brot- und Butterkabinen auf Deck 9 sind deutlich sparsamer. Es gibt zwar ausreichend Ablage- und Schrankraum auch für längere Fahrten. Aber zwischen Bett und Wand hat der Innenarchitekt nur sehr knappe 28cm Platz vorgesehen. Immerhin ist dort ein kleiner Nachtschrank eingepasst. Das andere Bett hat keinen Nachtschrank, weil daneben ein Schlafsofa steht – und wenn das kleine Sofa seiner Bestimmung als 3. Schlafmöglichkeit zugeführt wird, müssen die Gäste über das Fußende ins Bett krabbeln.

Der Sanitärbereich ist in drei Bereiche aufgeteilt: Waschbecken, Dusche, Klo. Alles schön in dunkler Holzoptik. Diese Aufteilung ist im Prinzip sehr praktisch, zumal es Schiebetüren gibt, mit denen man die Bereiche voneinander trennen kann. Allerdings ist der Bereich „Klo“ so knapp bemessen, dass ich beim Verrichten der ortsüblichen Geschäfte mit den Knien an die Wand stieß – die den Gast in dunkler Holzoptik umschmeichelt. Es ist mir schleierhaft, wie umfangreiche oder Gäste mit eingeschränkter Mobilität den Sanitärbereich nutzen können. Eine Alarmklingel wäre da bestimmt hilfreich, mit der man Hilfe holen kann, wenn man sich zwischen Becken, Wand und Schiebetür eingeklemmt hat.

In jeder Kabine gibt es mindestens eine Steckdose, die Geräte mit den gewohnten Steckern aufnehmen. Auch eine Kaffeemaschine ist vorhanden. Der Gebrauch war etwas rätselhaft. Aber dann hatte ich den Trick raus: man öffnet den Folienbeutel und entnimmt den Stoffbeutel mit dem Kaffeemehl. Den Beutel legt man in den Filter – und dann Wasser marsch! Die amerikanische Antwort auf die europäischen Kaffeekapseln.  in den Suiten stehen übrigens Kaffeemaschinen für die Kapseln eines bekannten Herstellers aus der Schweiz.

Wie auf allen Kreuzfahrtschiffen sind auch auf der „Norwegian Jade“ die Kabinen klimatisiert. Man kann die Temperatur sehr einfach einstellen, aber die Klimaanlage nicht ausschalten. Ich empfehle die Mitnahme von Malerkrepp, mit dem man den Kampf: zu kalt, zu warm für sich entscheidet – und einfach die Balkontür öffnet.

6. Kommunikation

Auf der „Norwegian Jade“ gibt es keinen Empfang für Mobiltelefone. Ich habe niemanden getroffen, dessen Provider mit einem möglichen eigenen Netz von NCL ein Roaming abgeschlossen hat. Wer also auch unterwegs per Telefon erreichbar sein will oder muss, sollte diese Tatsache in Erwägung ziehen. Auf der „Norwegian Jade“ ist man abseits der Häfen und Küsten mal weg!

Internet gibt es auch. Das WLAN deckt das Schiff gut ab. „Norwegian Jade“ bietet ausschließlich Zeit-Tarife an. Gemessen wird die Zeit, die Ihr Mobiltelefon oder Laptop braucht, um die gewünschten Daten zu empfangen oder zu versenden. Fairer ist ein Volumentarif. Gerade Satellitenverbindungen sind sehr langsam. Das Abrufen von Nachrichten nimmt entsprechend viel Zeit in Anspruch. Beim Volumentarif ist es egal, wie lange die Nachrichten brauchen, es ist wichtig, wie groß sie sind. Die Preisgestaltung für die Internet-Nutzung entstammt augenscheinlich noch der Zeit, als Internet ein kaum genutztes Medium mit Luxus-Charakter war. Hat es den Verantwortlichen noch niemand gesagt:

Internet ist wichtiger als Freibier!

7. Speisen und Getränke

Das Gartencafé auf Deck 12 hat einen sehr großen, angenehm beschatteten Außenbereich. Während der Fahrt war das Wetter zu schön, als dass ich es mir von drinnen hätte ansehen wollen. Es handelt sich um ein Buffet-Restaurant mit einem bemerkenswert großem Platzangebot.

Viele Gerichte gibt es mehreren Stationen und die Tresen stehen weit genug auseinander, um Zusammenstöße zu vermeiden.

Das Angebot ist größer als meine Möglichkeiten, es alles auszuprobieren. Es gab ein gelungenes Angebot indischer Küche, auch typisch deutsche Gerichte wie „Rheinischer Sauerbraten“ warteten auf entsprechende Frohnaturen.

Ich musste allerdings eine Hemmschwelle überwinden: es gibt nur quietsch-buntes Plastikgeschirr, wie es vorsichtige Eltern für den Kindergeburtstag einkaufen. Aber schlimmer geht immer: auch der Wein wird in dickwandigen Plastikgläsern ausgeschenkt. Ob dieses „Dining Erlebnis“ leger oder nur peinlich ist, muss jeder für sich entscheiden.

Das Angebot zum Mittag- und Abendessen wechselt täglich. Ich bin kein Restaurant-Tester und kann nur sagen, dass es mir von Konsistenz und Geschmack gefallen hat.

Die „Norwegian Jade“ ist, ich sagte das schon, ein amerikanisches Schiff. Vielleicht ist das der Grund, dass Bier und Cola in Flaschen und Dosen ausgegeben werden. Für Flaschen und Dosen werden überall an Bord Sammeltonnen für die Mülltrennung angeboten. Auch liebgewordene Frühstücksgewohnheiten fallen dem amerikanischen Ansatz zum Opfer: es gibt viele warme Speisen und vor allem sehr viel fette, und sehr viel süße Speisen. Ceralien sind vielleicht im Angebot, ich habe allerdings trotz Ablaufens aller Tresen keine gefunden. Und wenn die Mitnahme eigener Nahrung nicht streng verboten wäre, würde ich dem Liebhaber von Schwarzbrot die Mitnahme eines Notvorrates empfehlen.

8. Preispolitik

NCL bietet auf der „Norwegian Jade“ „All inclusive“-Pakete. Also dass, was der deutsche Konsument erwartet. Er handelt nicht, und gibt kein Trinkgeld, weil er für inkludiert hält. Die Entscheidung, „All inclusive“ Angebote einzuführen war für den amerikanischen Markt neu. In Deutschland folgen diesem Trend immer mehr Reedereien.

Es gibt Restaurants und Getränke, die auch bei „All inclusive“ nicht inkludiert sind. Aber das finde ich OK, auch eine Art von zwei Klassen-Gastronomie: wer mehr Geld ausgeben will oder besondere Wünsche hat, soll das ausleben, die anderen finden in dem Standard-Angebot alles, was man braucht, um auf der Kreuzfahrt Hunger und Durst gepflegt zu stillen.

Norwegian Jade Die Liegen am Pool haben etwas Soldatisches

Norwegian Jade Die Liegen am Pool haben etwas Soldatisches

9. Backstage

Die NCL (Norwegian Cruise Line) wurde tatsächlich von einem Norweger gegründet, und zwar von Knut Kloster im Jahre 1966. Es ist also ein vergleichbar junges Unternehmen, das aber höchst erfolgrich arbeitet und viel Mitbewerber übernehmen konnte. Die „Norwegian Jade“ entstand 2006 auf der Meyer-Werft als Pride of Hawaii. Es ist mit 11 Jahren ein ziemlich junges Schiff und im Vergleich zu ihren großen Schwestern mit maximal 2.500 (bei 1.000 Besatzung) fast intim. Es fährt unter der Flagge der Bahamas. Im Herbst 2017 verlässt die „Norwegian Jade“ die europäischen Gewässer und fährt wieder in der Karibik.