Marokko Rundfahrten

Kein Ort ist so schön, dass man ihn nicht für einen schöneren verlassen möchte. So entstehen auch in Marokko Rundfahrten.

Marokko Rundfahrten

Das haben wir nicht anders gemacht. Viele Aufnahmen habe ich aus dem fahrenden Bus gemacht. Das erforderte bei dem zuweilen ruppigen Zusammenspiel von Bus und Piste sehr kurze Belichtungszeiten. Es ist aber ein Unterschied, ob man während einer Busfahrt aus dem Fenster schaut oder durch einen Sucher. Man sieht mehr und kann Eindrücke festhalten, die sonst vorbeifliegen. Oder hätte ich wohl die Szene wahrgenommen, in der zwei Männer am Straßenrand Hufe und Köpfe von Kühen, Ziegen und Schafen mit der Lötlampe küchenfertig brennen?

Einige Aufnahmen entstanden entspannt während einer Pause.

Marrakesch nach Essaouria

Die Fahrt von Marrakesch nach Essaouria zeigt die landwirtschaftliche Seite Marokkos. Man sieht viele Felder, Bäume und Weidetiere. Marokko Rundreisen

Landwirtschaft zwischen Marrakesch und Essaouria.

In Marrakesch ahnte man die Wucht des Hohen Atlas. Die Stadt liegt auf rund 500m Meereshöhe.

Essaouria ist seit Jahrtausenden eine quirlige Hafenstadt und liegt passenderweise auf Meereshöhe am Atlantik. Es geht also abwärts.

Die Landschaft dorthin ist geprägt von Landwirtschaft. Olivenhaine, große Anpflanzungen von Argane-Bäumen und viel Schafe und Ziegen begleiten den Weg. Die Straße ist gut ausgebaut und von allem frequentiert, was mindestens zwei Räder hat. Während einer Rast setze ich mich auf die hintere Stoßstange unseres Busses und übe mich im „Mitziehen“. Auch Fahrradfahrer erwecken so den Eindruck, als hätten sie heftigen Rückenwind. Auf einem Motorrad sitzen neben dem Papa zwei Mädchen. Sie bemerken mich und winken mir fröhlich zu.

Der Argane-Baum gedeiht nur in einigen Landstrichen Marokkos. Aus seinen Früchten gewinnt man das Arganeöl Marokko Rundfahrten

Argane-Baum

Zu den Besonderheiten zählen die Argane-Bäume. Sie haben ausladende Kronen, gewundene Stämme und tragen begehrte Früchte. Aus ihnen gewinnt man das gleichnamige Arganöl. Es gilt als sehr gesund und bereichert jeden Salat.

Die Bäume gedeihen nur an wenigen Landstrichen in Marokko. Der Versuch, sie auch in anderen Teilen der Welt anzupflanzen, war nicht erfolgreich. Vielleicht brauchen die Bäume die frische Seebrise vom Atlantik und den Blick auf den Hohen Atlas.

Jeder Baum hat seinen Besitzer., wobei die Bäume verschiedener Besitzer nebeneinander auf den Plantagen stehen können. Längs der Straße turnen Ziegen auf den Zweigen der Argane-Bäume herum und knabbern wohl auch an Rinde, Blattwerk und Früchten der Bäume.

Der Ziegenhirte rennt mit ausgestreckter Hand herum und kassiert für die Fotos seiner Ziegen.

Frauenkooperative Tiguemine

Das Argane-Öl wird in der Frauenkooperative Tiguemine nach traditioneller Art in Handarbeit gewonnen. Die Frauen organisieren ihre Arbeit selber und arbeiten auf eigene Rechnung. Marokko Rundfahrten

Das Arganöl wird nach traditioneller Art in Handarbeit gewonnen.

Auf der Strecke machen wir Halt bei der Frauenkooperative Tiguemine. Ich habe nicht erwartet, dass Frauen in Marokko sich zusammentun und einen selbst verwalteten Betrieb gründen. 25 Frauen produzieren hier seit 15 Jahren aus den Früchten der Argane-Bäume das begehrte Arganöl.

Sie verkaufen ihre Produkte direkt an der Straße, quasi aus der Presse heraus, oder über Zwischenhändler. Die Früchte kauft die Frauenkooperative von den Besitzern der Bäume ein. In mehreren Stufen trennen die Frauen das Fruchtfleisch der Früchte von den Kernen. Hier sehen Sie die verschiedenen Verarbeitungsstufen. Die Arbeitszeit beträgt 10 Stunden täglich.

Das Öl wird in einer Handmühle gewonnen. Der Rest wird als Ziegenfutter verwendet.

Es entstehen im Jahr rund 500l Arganöl, dass von den Frauen nicht nur zu Speiseöl verarbeitet wird, sondern auch zu Seifen und anderen Kosmetikartikeln.

Es gibt neben der besuchten Frauenkooperative noch weitere Betriebe, die ausschließlich von Frauen betrieben werden.

Die Arbeitsweise ist, euphemistisch betrachtet, traditionell. Die Frauen sitzen auf niedrigen Sockeln, vor sich Körbe mit den Früchten. Stück für Stück wird die mandelgroße Frucht mit einem Stein aufgeschlagen um die Kerne für die Weiterverarbeitung zu gewinnen. Es gibt keine Maschinen, keine Motoren, alles was sich dreht, wird von Hand angetrieben.

Wir lassen uns die Arbeitsschritte und die Organisation erklären und schreiten nach einer Verkostung zum Einkauf.

Ich kaufe einen halben Liter und bin froh, auf dem heimischen Markt in Hamburg Volksdorf einen winzigen Stand entdeckt zu haben, der Arganöl direkt von einer anderen Frauenkooperative importiert, die sich ganz in der Nähe der Frauenkooperative Tiguemine befindet.

Der qualitativ gleichwertige Nachschub ist also sichergestellt.

Von Essaouria nach Ait-Ben-Haddou

Klar, Ait-Ben-Haddou muss man als Marokko-Besucher gesehen haben. Der Ort ist bekannt aus Film und Fernsehen. Eine Reihe von Sandalenfilmen ist hier gedreht worden. Es ist ein Hügel aus Sandstein, auf dem sich gleichfarbige Wohnhäuser drängen. Die Häuser sind überwiegend verfallen, wohl auch, weil der marokkanische Staat auf der anderen Seite des Flusses eine Neustadt errichtet hat und viele Einwohner umgezogen sind.

Auf der Fahrt von Essaouria nach Aït-Ben-Haddou erlebt man das raue Marokko: schroffe Felsen, tief eingeschnittene Flußtäler und Anklänge an die Wüsten Marokko Rundfahrten

Die Strecke von Essaouria nach Aït-Ben-Haddou: schroffe Felsen, tiefe Flusstäler, Wüsten

Alles das liegt 1.800 höher als Essaouria. Unsere Marokko Rundfahrt ist darum heute eine Bergtour. Die reiche Vegetation der Ebene bleibt schon nach kurzer Zeit hinter uns. Die Flüsse in den Tälern sind überwiegend trockengefallen. Nur hier und da fließt erkennbar ein dünnes Rinnsal. Trotzdem zeigt sich in den Flusstälern saftiges Grün auf Plantagen und in Gärten.

Der Kontrast zwischen dem saftigen, zum Teil unglaublichen Grün („Dieses Grün glaubt uns niemand!“) und den kargen Gebirgswüsten, deren Schichten in vielen Farben, aber auch als sattes Schwarz leuchten, ist überwältigend.

Wir erklimmen mit unserem Bus den Tizi n’Tichka Pass und kommen an den letzten Schneefeldern vorbei. Die rot-weißen Markierungspfähle für den Schneepflug deuten an, dass hier im Winter sehr viel mehr Schnee liegt.

Auf der Passhöhe legen wir eine Fotopause ein und fangen dieses unglaubliche Panorama ein. Kleine Verkaufsstände bieten Souvenirs in Form von Keramik und Teppichen an.

Oued-Ounila-Tal

Das Oued-Ounila-Tal bietet reizvolle Landschaften und prächtige Kontraste.Marokko Rundreisen

Das Oued-Ounila-Tal bietet reizvolle Landschaften und prächtige Kontraste.

Das Oued-Ounila-Tal befahren wir auf dem Weg von Ait-Ben-Haddou nach Marrakesch. Wohl dem, dessen Fahrer langsam durch das Tal fährt. Zum einen rumpelt der Bus dann entspannter durch die Schlaglöcher und engen Kurven.

Zum anderen kommt der Passagier in den Genuss, eine abwechselungsreiche, farbenfrohe und auch abweisende Landschaft zu genießen. Wuchtige Felsen scheinen von den Bergen heruntergekollert zu sein, um kurz vor der Straße stehen zu bleiben. Die Schwerkraft wird überschätzt.

Auf der Straßen begegnen uns Esel und Lieferwagen, jeweils hoch beladen. Im Flusstal wuseln die Menschen in den Gärten. Ich sehe überwiegend Frauen. Wenn ich Männer sehe, hocken sie meistens tatenlos im Schatten eines Baumes oder Felsens.

Saline bei Telouet

Auf der Fahrt nach Telouet kommt man an einer verfallenen Lehmburg vorbei. Hier haben die Betreiber einer Saline einst ihre Schätze aufbewahrt. Marokko Rundreisen

Auf der Fahrt nach Telouet kommt man an einer verfallenen Lehmburg vorbei.

Die Straße führt uns nach Telouet. Kurz bevor wir diesen Ort erreichen, passieren wir eine besonders auffällige Landschaft. Neben den herrlichen Grün-, Braun- und Rottönen sehen wir große weiße Flächen. Wir erfahren, dass hier eine Straße einmündet, die zu einer alten Saline führt.

Salz war lange Zeit wertvoller als Gold, eine entsprechende Nase haben sich die Betreiber seinerzeit mit dem Rohstoff verdient. Ihren Verdienst verstauten sie in einer großen Lehmburg auf dem Berg neben der Zufahrt. Die Zufahrt gibt es noch, von der Lehm-Schatulle zeugen nur noch kärgliche Reste.

Eine Gruppe Fahrradfahrer fegt an unserer Fotogruppe vorbei. Anders als wir nehmen sie sich die Zeit, die kleine Straße zur Saline zu erkunden. Wir steigen, nachdem wir wenigstens einen kleinen Blick erhascht und eingefangen haben, wieder in unseren Bus und fahren weiter nach Telouet.

Werfen Sie auch einen Blick auf das Zagros-Gebirge in Iran.

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