Marokko Ourika-Tal

Die Fahrt längs dem Ourika-Fluss führt uns durch das malerische Ourika-Tal. Die Route provençale P2017 beginnt von Marrakesch, das auf rund 600m Meereshöhe liegt, und endet in Timichi in 2.000m Meereshöhe. Der Ouika-Fluß hat sich tief in die Berge eingeschnitten. Das Tal ist bekannt dafür, noch „Berber life“ zu sehen. Für ein angemessenes Bakschisch öffnen die Einwohner ihre Häuser dem interessierten Touristen und bekochen ihn auf Wunsch.

Auf der Fahrt in das Ourika-Tal

Auf der Fahrt zum Ourika-Tal sehen wir auch Menschen im Feld arbeiten.

Auf der Fahrt zum Ourika-Tal sehen wir auch Menschen im Feld arbeiten.

Unser Bus verlässt die Medina von Marrakesch und fährt an der Stadtmauer entlang in Richtung P2017. Links und rechts der Straße kann der Reisende viele touristische Angebote nutzen: Kamelreiten oder Teppiche kaufen. Die Ortschaften an der P2017 sind, soweit ich das herausgefunden habe, weitgehend namenlos, aber miteinander über die Hausnummern verbunden: nicht die Häuser werden gezählt, sondern deren Entfernung von Marrakesch in Kilometer. Entsprechend kann man sich die Kilometersteine sparen. Man guckt auf ein Haus und weiß wie weit es nach Marrakesch ist.

Wir steuern einen Parkplatz an, der in 1.140m Meereshöhe am Ourika-Fluss liegt. Mehrere Stege führen zu einer kleinen Insel. Dort gibt es ein Gartenlokal, dessen ausladenden Gartenmöbel allesamt im Kies der Flussinsel stehen.

Wir unternehmen die Fahrt Ende März – da ist der Ourika-Fluß schon sehr lustlos und nahezu ausgetrocknet. Zwischen den Kieseln lässt die verbliebene Strömung aber erkennen, dass der Ourika-Fluß zur Zeit der Schneeschmelze sehr viel mehr Wasser führt.

Wasser fotografieren

So fotografiert man fließendes Wasser: lange Belichtungszeit und eine ruhige Hand. Dann fließt das Wasser und der Stein steht wie ein Fels in der Brandung.

So fotografiert man fließendes Wasser: lange Belichtungszeit und eine ruhige Hand. Dann fließt das Wasser und der Stein steht wie ein Fels in der Brandung.

Dieses Gartenlokal hat seine Gastronomie mitten in dem Ourika-Fluß aufgebaut

Dieses Gartenlokal hat seine Gastronomie mitten in dem Ourika-Fluß aufgebaut

Wir nutzen die müden Erinnerungen an bewegtere Wasser, um die Bewegung von Wasser einzufangen, genauer das Fließen von Wasser. Wir wollen auf den Fotos keine Wassertropfen sehen, sondern das Strömen von Wasser.

Klar: lange Belichtungszeit und Automatiken an den Kameras ausschalten und vielleicht ein Stativ zu Hilfe nehmen. Die Lichtverhältnisse sind für unser Vorhaben nicht besonders günstig: die Sonne scheint und lässt den Wunsch nach einer langen Belichtung schwierig werden.

Ich wähle die Zeit vor und überlasse es dann der Kamera, eine passende Blende zu finden. Ich lerne bei dieser Gelegenheit, dass meine Kamera auf Wunsch auch mit ISO 50 fotografiert. Auf ein Stativ verzichte ich – nicht erst seit dieser Übung. Es ist schleppig im Tragen und sperrig im Aufstellen. Die Motivwahl ist mit dem Sucher sehr hinderlich und mit dem Display im Hellen auch nicht besonders leicht. Klar, knackscharfe Nachtaufnahmen mit 30s Belichtungszeit machen ordentlich was her. Allerdings nur, wenn das Motiv so lange still hält. Ich vertraue zunehmend auf die hohe Empfindlichkeit der Kamera. Sehen Sie hier eine Bilderstrecke über fotografische Wasserspiele am Ourika-Fluß.

Gegenstandslos? Nicht ganz. das Bild zeigt einen Wasserwirbel im Ourika-Fluß.

Gegenstandslos? Nicht ganz. das Bild zeigt einen Wasserwirbel im Ourika-Fluß.

Berberdorf

Ich hätte das Berberdorf, es befindet sich in knapp 1.000m Meereshöhe, gerne mit seinem Namen aufgeführt. Leider habe ich weder für diesen, noch für viele andere Orte längs der P2017 einen Namen gefunden.

Viele Häuser in dem Berberdorf im Ourika-Tal sind aus Lehm gebaut.

Viele Häuser in dem Berberdorf im Ourika-Tal sind aus Lehm gebaut.

Die Straßen sind unbefestigt, hier und da schreit ein Esel. Schafe und Esel sind in Stallungen hinter den Mauern untergebracht, die auch hier die Häuser umgeben. Hühner laufen zwischen den Häusern frei herum.

Das Berberdorf ist an eine Wasserversorgung angeschlossen, das Grauwasser läuft zum Teil oberirdisch in offenen Kanälen, bis es in der Kanalisation verschwindet. Das Abwasser aus den Toiletten wird wohl direkt in die Kanalisation geleitet: es gibt keine entsprechenden olfaktorischen Begleitumstände.

Die neueren Häuser sind zum Teil aus Gasbetonsteinen errichtet, aber auch die traditionelle Bauweise mit Lehm wird praktiziert. Die älteren sind aus Lehm gebaut, in den Stroh eingearbeitet ist. Der Lehm wird direkt in der Umgebung gewonnen und in großen Wannen zubereitet.

Wir haben eine Verabredung mit einer Berberfamilie. Die Mami hat gekocht, und zwar auf einem traditionellen Tajine, auf dem Bild rechts im Bild. Die Zutaten werden unter dem Kegel in der Reihenfolge ihrer Garzeit aufgeschichtet. Der Tajine steht auf einem kleinen Gestell, in dem Holzkohle für die richtige Temperatur sorgt.

Kochen auf der Taljine

In Restaurants stellt der Kellner auch so einen Kegel auf den Tisch. Allerdings haben die Restaurant-Tajine niemals ein Holzkohlenfeuer gesehen. Die Zutaten werden in Schnellkochtöpfen hurtig gegart und dann in dem Keramikkegel dekorativ aufgeschichtet. Zusammen mit der Scheu oder Unfähigkeit einer schmackhaften, appetitlichen Würzung bleibt in den Restaurants nur das Verdikt: Tajine? Hand ab!

Wir haben mehr Glück: der kulinarische Abstecher ins Berberdorf bleibt mir als ein kleines Highlight in Erinnerung.

Bei einem Verdauungsspaziergang ums Haus, entdecke ich die ansprechende Landschaft. Farben und Formen der umgebenden Felsen sind ein Vorbote auf das, was uns auf unserer Fahrt in den Hohen Atlas erwartet. Aber das wissen wir noch nicht, und darum legen wir eine Extra-Lektion ein: „Wir fotografieren Landschaft.“

Berbermuseum

In dem Berbermuseum lernt der Besucher vieles über die Kultur und Geschichte der Berber kennen.

Im Berbermuseum

In Privatinitiative ist in dem Dorf ein kleines Museum zur Kultur der Berber entstanden. Wir besuchen das Berbermuseum und gewinnen einen kleinen Einblick in die Geschichte und Kultur der Berber. Wir sehen nachgebaute Wohnräume, gehen an einer lehrreichen Sammlung von Berberteppichen vorbei und lernen Musikinstrumente und Werkzeuge kennen. Natürlich zeigt die Ausstellung auch Jagdwaffen. Das Museum hat selbstverständlich einen kleinen fotogenen Innenhof mit einem kleinen Baum. Die Exponate und Wandtexte sind touristenfreundlich in Französisch und englisch erläutert.

Hier Bilder und Bericht aus Marrakesch

Ein Blick über das Tal zeigt dieses prächtige Gebirge mit eindrucksvollen Farben und Formen.

Ein Blick über das Tal zeigt dieses prächtige Gebirge mit eindrucksvollen Farben und Formen.

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