Sturmfahrt mit AIDAcara im Südatlantik

Ja so kann es kommen: da erwartet man am Kap Horn sturmgepeitschte See und Brecher, die übers Deck spülen – und dann findet die Sturmfahrt schon auf dem Weg zur Magellanstraße statt.
Wir waren mit einem Kreuzfahrtschiff unterwegs. Und ein Kreuzfahrtschiff ist nun mal nicht für schwere See gebaut. Andererseits juckeln auch die vollbeladenen Containerschiffe über die Weltmeere und lassen sich von stürmischer See und hochgehenden Brechern nicht vom Kurs abbringen. Was sollte also mehr passieren als ein bisschen Rumpeln.

Sturmfahrt und Achterbahn

Seit fast drei Tagen fahren wir Achterbahn. Windstärke 8-9 Beauforts, Wellenhöhe 5m bis 8m. Gischt, die der Sturm von den Wellenbergen abreißt und in lebendigen Streifenmustern über die graue See treibt. Und das alles bei meist blauen Himmel.
Es ruckelt und kracht und scheppert. Man glaubt, der Käp’t’n steuert die Cara über Bande. Ab und an kracht das Boot gegen eine Wasserwand, bei der es kein Durchkommen gibt. Dann steht die Cara für einen Moment, schüttelt sich, neigt dann den Bug ins Tal. Das Heck wächst dann nach oben und weckt unschöne Erinnerungen an das Ende einer bekannten Jungfernfahrt. Manchmal kracht die Cara bei ihrer Talfahrt auch schon auf die nächsten Wellenberge. Dann muss man schnell das wichtigste vor dem Absturz retten (die Weingläser)

Wohl bekomm’s!

Die Besatzung leistet bewundernswerte Dienste. Reinigung, Kochen und Schadensbeseitigung laufen reibungslos. Die Passagiere sind überwiegend resistent gegen Seekrankheit. Sie futtern und schlucken, als sei nichts los. In der Showtruppe gibt es hingegen eine Menge Landratten. Infolge Seegang-geschuldeter Ausfälle entfällt heute das Showprogramm. Dafür zeigt das Cara-Kino den Streifen: Titanic. (Das mit dem Kino stimmt, aber der Film heißt irgendwie anders.) Auch wer nicht seekrank war, sorgte sich aber insgeheim, weil die Cara bei ihrem Streit mit den Elementen unüberhörbare Signale maritimen Unwohlseins gab. An das Ächzen, Jammern, Poltern und Stöhnen gewöhnte man sich aber spätestens beim entspannten Lesen oder beschaulichen Betrachten der Elemente durch die Panoramascheiben – mit einem Espresso in der Hand.

Nun ist aber auch gut!

Unten soll laut Kapitän das schlimmste vorbei sein. Halte ich für eine Propagandalüge: schlimmer geht immer!
Meist schien dabei die Sonne, und hier und da versuchten unentwegte Sonnenanbeter, auf dem Pooldeck ein paar Sonnenstrahlen zu ergattern. Die Reservierungshandtücher („Sind wir denn hier im Südatlantik oder auf Malle?“) flatterten im Wind, die Gäste warteten überwiegend im Inneren auf besseres Wetter. Ein paar unentwegte schritten zur Sauna oder hatten ihren Spaß mit dem Wind. Später kam dann Regen auf.

Hier finden Sie die Bilderstrecke zum Sturm.

Unten auf Deck 4 lugt der Südatlantik schon mal in die Kabine. Manchmal zieht er sich auch zu einem Tal zurück, dann blicken wir 10m in die Tiefe und hoffen, dass die Cara mindestens das Seepferdchen gemacht hat. Oben auf Deck 9 ist – was sonst – die Bar. Über der Theke hängen die Gläser in Schienen und begleiten jeden Wellencrash mit markerschütternden Klirren. Glockenspiel ist anders.