Krafthaus in Yasd

In der Nähe des Wassermuseums gegenüber dem Brunnen, der an die Wasserträger erinnert, fällt der Blick auf vier Windtürme. Die dazugehörige Zisterne wird jetzt als Krafthaus (Zurkhaneh) genutzt. Das ist ein Vorläufer unserer Muckibuden.

Krafthaus oder Zurkhaneh

Im Krafthaus wird der Kraftsport Varzesh-e Bastani ausgeübt. Nur Männer nehmen daran teil. Gegen einen Obolus dürfen wir die Übung besuchen. Sie dauert gute 60 Minuten.  Wir ziehen unsere Schuhe aus, gehen hinunter und betreten den Ort durch eine niedrige Tür. Frühes Kommen sichert auch hier gute Plätze. wir haben Glück und bekommen Plätze mit guter Sicht auf das Training. In der alten Zisterne herrscht eine angenehme Kühle. Die Windtürme, die früher das Wasser frisch hielten, fächeln jetzt den Sportlern und den Besuchern kühlende Luft zu.

Im Boden sehen wir eine kreisförmige Grube, ca. 1m tief. Dort machen die Teilnehmer Aufwärmübungen. Zu Beginn der Übung sammeln sich ca. 20 Männer jeden Alters in der Grube. Sie haben einen kurzen, stabiles Brettchen dabei.

Das Training

Der Beginn des Trainings wird mit einer Glocke eingeläutet. Sie wird von einem jungen Mann geschlagen, der in einer Art Kanzel in die Grube blickt und mit kräftiger Stimme Suren aus dem Koran und Gedichte alter persischer Dichter vorträgt. Dazu schlägt er auf einer kleinen Trommel den Takt. Lautsprecher lassen die Luft vibrieren. Wie das aussieht und wie sich das anhört, können Sie in diesem Video erleben.

Das Krafthaus in Yasd befindet sich in einer alten Sisterne.

Das Krafthaus in Yasd befindet sich in einer alten Zisterne.

Krafthaus Training mit den Keulen. Die Keulen können bis zu 40kg schwer sein.

Krafthaus Training mit den Keulen. Die Keulen können bis zu 40kg schwer sein.

Training im Krafthaus in Yasd die Keulen liegen schwer auf den Schultern.


Training im Krafthaus in Yasd die Keulen liegen schwer auf den Schultern.

Die Übungseinheiten folgen einem sehr alten Muster. Nach dem Aufwärmen stehen Liegestützen an. Die Teilnehmer stützen sich dabei nicht auf dem Holzboden der Grube ab, sondern auf dem Brettchen, das jeder mitgebracht hat. Das dauert fast 20 Minuten. Je nach Alter und Kondition der Sportler machen sich Ermüdungserscheinungen bemerkbar. Der jüngste Teilnehmer ist vielleicht 8 Jahre, der älteste hat die 80 fest im Blick oder passiert.

Spektakulär sind die Übungen mit den Keulen. Die Männer stemmen dabei jeweils zwei Keulen. Sie sind aus Holz und weisen Gewichte bis zu 40kg auf. Die Keulen werden anfangs nur auf der Schulter locker bewegt, dann aber im Takte des Trommel wie schwerelos durch die Luft gewirbelt. Zum Abschluss sehen wir noch, wie sich die Männer abwechselnd rasend immer schneller um um ihre eigene Achse drehend durch die Grube rotieren, bis sie ermattet und wahrscheinlich orientierungslos von den anderen Teilnehmern aufgefangen werden.
Das Krafthaus und der Kraftsport sind eine sehr alte Tradition und gelten seit 2010 als Immaterielles Kulturerbe.

Wie alles begann

Der Kraftsport Varzesh-e Bastani lässt sich auf die vorislamische Zeit Irans zurückführen. Die Zurkhaneh (das Krafthaus) war ursprünglich ein Ort der körperlichen und geistigen Ertüchtigung. Nach der arabischen Eroberung Irans durften die traditionellen iranischen Sportarten für eine bestimmte Zeit nicht praktiziert werden: die Araber verstanden hierunter eine Art des kulturellen Widerstandes. Eine andere Lesart besagt, dass während der arabischen Besatzung die Schiiten keine Waffen tragen durften. Um wenigstens in einem Handgemenge die Oberhand zu gewinnen, sei der Varzesh-e Bastani gepflegt worden.
Im Laufe der Zeit passten sich die iranischen Traditionen der islamischen Kultur an, so auch die Zurkhaneh und Varzesh-e Bastani. Die Sportler sollen Glaubensstärke und absolute Loyalität gegenüber dem Propheten und den Imamen erweisen.

Die Zurkhanehs erlebten ihre Hoch-Zeit während der Safawidendynastie, als der schiitische Islam zur offiziellen Staatsreligion erklärt wurde. Das Ideal des ritterlichen Helden Rostam aus Abūl-Qāsem-e Ferdousīs Nationalepos Schāhnāme, der Schutz- und Wehrlose verteidigt, gilt als moralische Grundlage der Körperertüchtigung. Im Zusammenhang mit der Erneuerung des iranischen Staates durch Reza Schah zu Beginn des 20. Jahrhunderts stieg das Interesse am traditionellen Zurkhaneh.

(Teile dieses Textes habe ich mit Unterstützung von Wikipedia erstellt. Haben Sie auch schon gespendet?)