Kloster Eberbach RTL DSDS

Kloster sind eine Parallelwelt. Menschen, meist männlich und dann Mönche genannt, mit gleichem (meist religiös getrübten) Blick auf die Welt richten ihr Leben nach einem eigenen Regelwerk aus. Das Kloster Eberbach ist der Ableger eines französischen Klosters Cîteaux. Aus diesem Namen leitet sich das Wort Zisterzienser ab.

Kloster Eberbach

Die Mönche entsagte aller weltlicher Freude und fanden ihr Glück in Gebet und Arbeit. Sie kasteiten sich und entsagten aller Freuden – und sei es das Betrachten von farbigen und figürlichen Darstellungen. Angeblich wäre Gott davon begeistert, während er das entspannte Dasein der Benediktiner als frevelhaft empfand. Es gibt keine gesicherten Überlieferungen, ob der Verzicht auf Fleisch, das entbehrungsreiche Schuften auf der Scholle und das Absingen religiöser Lieder im Stundentakt den verstorbenen Mönchen der Zisterzienser nach ihrem Heimgang irgendeinen Vorteil gegenüber den anderen Mönchen gebracht hätte.

Kloster Eberbach Außenansicht mit Regenwolken

Kloster Eberbach Außenansicht mit Regenwolken

Mönche und Laienbrüder

Hohn und Spott sind allerdings nicht angesagt. Das ganze spielte sich vor knapp 1000 Jahren ab. Es war damals guter Brauch, dass Klöster in Gebieten errichtet wurden, die den Mönchen nicht gehörten. Die weltlichen Herrscher schenkten gerne Land her, wenn es verwüstet, verwildert oder unbotmäßig war. Die Mönche waren bekannt für erfolgreiches Arbeiten, wenn es darum Wildnis urbar und aufsässige Bevölkerung zutraulich zu machen. Nicht zuletzt brachten die Klöster etwas Kultur und Bildung ins Land. Es gab Klosterschulen, und Handwerk und Technik genossen Anerkennung. Die Mönche im Kloster Eberbach haben sich so zum Beispiel um den Weinbau verdient gemacht. Auch wenn ihr Lohn nicht von dieser Welt war, bauten sie doch auf Unterstützung von Ladenbrüdern und Pächtern. Die Mönche waren auf die Unterstützung durch die Laienbrüder angewiesen, weil sie selbst durch ihre religiösen Pflichten kaum zu Arbeiten kamen. Die Laienbrüder (Konversen) konnten so tüchtig in Landwirtschaft und Werkstatt arbeiten, während die Mönche fromme Lieder sangen und gottgefällige Texte murmelten. Die Konversen wohnten und aßen getrennt von den Mönchen und durften den Gottesdiensten nur vom „Katzentisch“ zuhören.

Sehen Sie die Bilderstrecke vom Besuch im Kloster Eberbach.

Kloster Eberbach Außenansicht

Kloster Eberbach Außenansicht

Das Zusammenleben von Ladenbrüdern und Mönchen war nicht konfliktfrei. Es kam in späteren Zeiten zu Aufständen, deren Ursachen in der Unzufriedenheit über die Verteilung der erwirtschafteten Reichtümer lagen.

Die Zisterzienser sind zwar zu einem Leben in Armut verpflichtet. Sie durften aber alle Arten von Spenden und Schenkungen annehmen, Besonders Gebietsschenkungen wurden gerne genommen. Und in der Besten Zeit geboten die Mönchen des Kloster Eberbach am Anfang des 16. Jh. über eine Wirtschaftsfläche von über 600 ha.

Kloster Eberbach Filmaufnahmen im Dormitorium

Kloster Eberbach Filmaufnahmen im Dormitorium

Der wirtschaftliche Erfolg war nicht nur der eigenen Tüchtigkeit geschuldet, sondern auch großzügig gewährter Zollfreiheit beim Transport von Wein und anderen Gütern. Auch das nicht eben bibeltreue aber wohl lukrative Geldverleihergeschäft fügte dem Besitz des Kloster eberbach manches Stück Land zu. Wer sich Geld vom Kloster borgte musste etwas Verwertbares als Pfand hinterlegen, vorzugsweise Land.

Auf den Ländereien arbeiteten Pächter. Die Pacht war nicht eben gering. Zwischen 30% und 50% der Produktion mussten die Pächter abliefern.

Über das Kloster Eberbach ist die Zeit mit Kriegen, Verheerungen, Plünderungen und Wechselfällen mit allen Varianten hinweg gezogen. Es wurde allerdings nie vollständig zerstört. Das Kloster nach der Säkularisierung im Jahre 1803 auf ein Kloster zu sein. Aber die Gebäude bestanden weiter. Sie wurden zwar zu allem möglichen verwendet: Schule, Anstalt, Vorratshaltung, Armeelager, Gefängnis.

Kloster Eberbach RTL DSDS

Kloster Eberbach Filmaufnahmen in der Basilka

Kloster Eberbach Filmaufnahmen in der Basilka

Erhalten geblieben ist die touristische Nutzung und mit ihr einhergehend die Vermietung für Film- und Fernsehaufnahmen. In jüngster Zeit gibt es kritische Fragen, ob denn nun jede Möglichkeit des Geldverdienens genutzt werden soll. Der Freundeskreis des Klosters ist sehr ungehalten, dass die Verwaltung der Klosters Eberbach dem Unterschichtenfernsehen RTL für die Trash-Serie „Deutschland sucht den SuperstarDSDS eine Drehgenehmigung erteilen will.

Legendär ist das Kloster Eberbach als Drehort für einige Szenen des Film „Der Name der Rose“. Allerdings ist der riesige Raum leer, völlig leer. Es gibt nicht mal Bilder vom Set.

Ein Besuch lohnt sich dennoch, und nicht nur für Filmfreunde. Die Gebäude sind vorbildlich restauriert, das Museum ist auskunftsfroh und im Museums-Shop finden sich informative Bücher zur Geschichte im allgemeinen und der des Klosters Eberbach im besonderen. Das angeschlossene Restaurant ist eher hochpreisig, aber der Besucher sollte die Gediegenheit der Räume wenigstens bei Kaffee und Kuchen auf sich wirken lassen. Und natürlich wird die Tradition des Weinan- und ausbaus nach wie vor gepflegt. Wer will kann sich auf Kloster Eberbach auch trauen lassen. Bei der Besichtigung fiel mir eine Tür mit dem Schild „Standesamt“ auf.

Die Bilder entstanden im Herbst 2008.