Karl Schmidt-Rottluff-expressiv-magisch-fremd

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah! Oder Es muss nicht immer Picasso sein.

Hier finden Sie einen reichbebilderten Rundgang durch die Ausstellung über Karl Schmidt Rottluff „expressiv – magisch -fremd“ im Bucerius Kunstforum.

Das Bucerius Kunstforum widmet sich in der ersten Ausstellung des Jahres 2018 dem deutschen Maler und Bildhauer Karl Schmidt-Rottluff. Der Zusatz Rottluff steht übrigens für seinen Geburtsort. Von Geburt an hieß Karl nur Schmidt.

Daten und Fakten zu Karl Schmidt-Rottluff

Als er 1884 in der Nähe von Chemnitz geboren wird, regiert Wilhelm I unter Bismarck. Beide sind nicht als Förderer oder Kenner von Kunst bekannt geworden. Die deutsche Wirklichkeit hatte kein Synapsen zur „Kunst“

Siehe auch den Bericht zur Ausstellung von Paula Modersohn-Becker.

Karl Schmidt-Rottluff studierte denn auch Architektur, statt Kunst. Noch während seines Architekturstudium gründet er zusammen mit anderen Kommilitonen (u.a. Ernst Heckel und Ernst Ludwig Kirchner) die Künstlergruppe „Die Brücke“. Zwar ist unklar, wie es zu der Namensfindung kam, gesichert ist aber, dass die Künstler der „KG Brücke“ den Expressionismus in Deutschland bekannt machten.

Karl Schmidt-Rottluff ist nie darüber hinausgekommen. Wenn unter seinen Werken nicht das Jahr ihrer Entstehung vermerkt wäre, fiele es dem Betrachter schwer, das Bild zeitlich einzuordnen.

Eine künstlerische Entwicklung von Karl Schmidt-Rottluff ist schwerlich auszumachen. Es bleibt bei fetten Konturen und satten Farben in groben Konturen. Nur die Bilder zum Lebensende verraten sich sich durch altersbedingt unsichere Pinselführung.

Als der Enkel von Wilhelm I, Wilhelm II, 1914 den Ersten Weltkrieg vom Zaun bricht, dient Karl Schmidt-Rottluff von 1914 bis 1918 als Soldat an der Ostfront. Es ist nicht überliefert, ob freiwillig (wie viele seiner Künstlergeneration) oder verpflichtet.

Die Erben des wilhelminischen Kriegstreibers belegten Karl Schmidt-Rottluff mit einem Malverbot, verbannten seine Werke aus den deutschen Museen, verbrannten einige und adelten sein Können, indem sie einige seiner Werke zusammen mit Werken anderer bekannter Künstler von Weltruf in der Ausstellung „Entartete Kunst“ an den vermeintlichen Pranger stellten.

Karl Schmidt-Rottluff Vorlage und Original

Karl Schmidt-Rottluff Vorlage und Original

Karl Schmidt-Rottluff und Kunst aus Übersee

In der Zeit (1910), als es dem Bürgertum gefiel, neben Tigern und Löwen auch Nubier oder Grönländer im Zoo von Hagenbeck zu besichtigen, kam Karl Schmidt-Rottluff nach Hamburg und mietete sich ein kleines Atelier in der Nähe des Hamburgischen Rathauses. Carl Hagenbeck importierte nicht nur wilde Tiere und Angehörige fremder Völker, sondern auch Artefakte aus den deutschen Kolonien und anderen Überseegebieten.

Völkerschau in Hagenbecks Tierpark

Völkerschau in Hagenbecks Tierpark (Zitat aus einer Ausstellung im Hanmburger Rathaus

Es ist nicht überliefert, wie Karl Schmidt-Rottluff auf die geschnitzten Köpfe, Schilde, Figuren und Gebrauchsgegenstände aufmerksam wurde. Er stellte sie aber für eine Weile in das Zentrum seines künstlerischen Schaffens. Jedenfalls erwarb er einige Figuren und arbeitete sich an ihnen ab.

Die Ausstellung „expressiv, magisch, fremd“ im Bucerius Kunstforum stellt diese Schaffensphase von Karl Schmidt-Rottluff in den Mittelpunkt.

Die Gegenüberstellung von Bildern und Vorlagen zählt zu den bewegendsten Stationen der Ausstellung. Daneben stellen die Kuratorinnen, Kathrin Baumstark, Magdalena Maria Moeller und Christiane Remm, auch Gemälde und Holzschnitte mit anderen Sujets und aus anderen Schaffenszeiten vor.

Die Ausstellung ist, wie eigentlich alle Ausstellungen im Bucerius-Kunstforum technisch perfekt: keine Spiegelungen und informative Wandtexte führen den Besucher durch die Ausstellung. Das ewige Ärgernis bleibt auch: die Texte zu den Bildern sind nur in gebückter Haltung und für manchen Besucher nur mit Lesehilfen lesbar. Diesem didaktischen Dilemma begegnet man zwar in (fast) allen Ausstellungen. Das macht die Sache aber nicht besser. Was hindert die Ausstellungsmacher eigentlich, die Texte neben den Bildern 30cm höher zu setzen und ein bisschen größer zu machen?

Wer den Weg zur Ausstellung scheut, nicht findet oder verpasst hat, dem sei der Katalog empfohlen. Die Reproduktion der Exponate ist vorbildlich. Und die Texte sind informativ und leicht zugänglich.

Schmidt-Rottluff Ausstellung im Bucerius Kunstforum

Karl Schmidt-Rottluff-Ausstellung im Bucerius Kunstforum Blick in die Ausstellung