„Kap Horn“
Sightseeing überm Seemannsgrab

Kap Horn: Sturmfrei

Nur, um es mal klar  zustellen: Das Kap Horn ist ein Berg auf der Insel Hornos, der südlichsten Insel, die man noch zum südamerikanischen Kontinent zählt. Südlich davon sind nur noch ein paar versprengte Inseln ohne Bezug zum Festland und ein paar Forschungsstationen in der Antarktis.
Kap Horn war schon immer mein Traumziel. Weiter weg geht nicht. Wer fährt schon nach Kap Horn? Und jenseits der nüchternen geografischen Daten klingen bei „Kap Horn“ bei jedem Hunderte Geschichten von gescheiterten und dramatischen Umrundungen mit. Hier geht’s zu den Bildern.

Gedränge in Ushuaia

Ich war überrascht, dass das Schiff, die AIDAcara ziemlich ausgebucht war. Immerhin hatten sich somit rund 1000 Menschen für diese Tour entschieden. Sie hatten dafür einen elend langen Flug nach Buenos Aires oder eine ziemlich lange Anreise über See von Hamburg in Kauf genommen. Noch größer war meine Überraschung, als ich das Gedränge an der Pier von Ushuaia sah. Neben der AIDAcara machte die „Zaandam“ fest, auch ein Kreuzfahrtschiff, das um die 1.400 Passagiere aufnimmt: in größeren Kabinen 🙂

Vor der Zaandam lag ein Expeditionsschiff, das Wissenschaftler und sic! Touristen in die Antarktis schippert. Vor unserem Schiff lag gleichfalls ein Expeditionsschiff, dessen Schwesterschiff sich einige Wochen später im Eis der Antarktis festfahren sollte.

Dieser Berg ist wirkliche Kap Horn. Die Insel heißt Isla Hornos. Man muss schon ein bisschen Glück haben. Das Kap ist meistens sturmumtobt, im Nebel oder beides. Von den Hunderten Schiffen unterm Kiel ahnt man nichts. Die sind Geschichte und kaum mehr als eine Zahl.

Dieser Berg ist das wirkliche „Kap Horn“. Die Insel heißt Isla Hornos. Man muss schon ein bisschen Glück haben, um von Insel und Berg mehr zu sehen als einen wolkenumhüllten Berg und eine zerklüftete Steilküste, auf der ein zwei Häuser, ein Leuchttum und ein Sendemast stehen. Und das berühmte Albatros-Monument zur Erinnerung an die ertrunkenen Schiffsbesatzungen und Passagiere sieht man von See aus nur, wenn wirklich gute Sicht herrscht und die Optik von Kamera oder Fernglas von guter Qualität sind. Das Kap ist meistens sturmumtost, im Nebel oder beides. Von den Hunderten Schiffen unterm Kiel ahnt man nichts. Die sind Geschichte und kaum mehr als eine Zahl.

Die Isla Hornos gehört zu Chile. Ein Boot der chilenischen Küstenwache patrouilliert hier (wie auch im Beagle-Kanal) dicht unter der Küste. So ganz überzeugt sind die Staaten in Südamerika nicht von der Friedfertigkeit ihrer Nachbarn.

Treffpunkt der Meere

Hier am Kap Horn treffen Pazifik und Atlantik aufeinander. Die Wasserspiegel der beiden Ozeane sind unterschiedlich hoch, so dass starke Strömungen die Schiffe behindern. Dazu weht ständig ein heftiger Wind aus Westen, die Sicht ist meistens durch Nebel und Gischt gering. Kurzum: die Skipper vergangener Tage hatten allen Grund, Neptun zu opfern und zu beten, bevor sie sich an die Umsegelung machten. Und um Kap Horn mussten sie herum. Zwar war mit der Magellanstraße schon im 16. Jahrhundert eine Passage zur Westküste Amerikas gefunden worden. Aber Strömung und Sturm machten es den Seglern fast unmöglich, diesen Weg zu nutzen. Die Magellanstraße ist an einigen Stellen kaum 3km breit, und auch sonst sind die Räume zum Kreuzen begrenzt. Erst 1616 wurde der Weg um Kap Horn entdeckt und dokumentiert. Wie oft vorher schon ein Entdecker vorher gescheitert ist, weiß niemand. Für über 100 Jahre war die Ostküste des amerikanischen Kontinents praktisch nur über den Landweg erreichbar. Nach knapp 300 Jahren bot die Eröffnung des Panama-Kanals eine gefahrlose und schnelle Alternative.

Humboldtstrom

Es ist interessant, einen Blick auf einen Globus zu werfen: Auf den ebenen Karten übersieht man sehr leicht, wie weit „Kap Horn“ tatsächlich im Süden liegt. Das Kap der Guten Hoffnung in Südafrika liegt dagegen sehr viel weiter nördlich. Aber noch etwas fällt auf. Kap Horn ist bekannt für lebensfeindliches Klima: Sturm, Schnee, Kälte. Auch im Sommer wird es kaum wärmer als 10 Grad. Und dennoch liegt zum Beispiel Hamburg ebenso weit vom Nordpol entfernt wie Kap Horn vom Südpol. Und in Hamburg lässt es sich auch ohne Arktisausrüstung gut leben. Ich bedanke mich ausdrücklich bei Gevatter Golfstrom, der so unermüdlich die Warmwasserheizung in Gang hält 🙂

Auf der „anderen“ Seite von Südamerika (vor der chilenischen Küste) transportiert der Humboldt-Strom das kalte Wasser aus der Antarktis nach Norden und prägt dort Klima und Landschaften.
Touristisch bedient der Ausflug eher der Krippeln im Bauch, ganz weit weg zu sein. Es ist ähnlich spektakulär wie das Nordkap. Die Farbe Grau überwiegt. Wer weniger Glück hatte als wir, wird vom Kap Horn nicht viel mehr sehen als das, was die Wolken davon freigeben. Wenn Sie weniger Glück hatten, oder sich schon mal ansehen möchten, was Sie am Kap Horn optisch erwartet, besuchen Sie unsere Bilderstrecke.

„Kap Hoorn“ oder „Kap Horn“?

Ich verwende hier durchgängig die Schreibweise „Kap Horn“. In anderen Teilen der Welt gibt es auch die Schreibweise „Kap Hoorn“, in Erinnerung an den Heimatort des niederländischen Skippers, der Insel und Kap 1616 entdeckt und umrundet hat. Auf den meisten Karten (Auf den Karten von Google wird sie Isla Herschel genannt.) heißt die Insel „Isla Hornos“, wobei Hornos“ ein „falscher Freund“ ist. Das Wort ist spanisch und hat mit Hörnern nichts zu tun, sondern mit „Backofen“ und steht in der logischen Reihe mit „Feuerland“.

Abenteuer mit Kreuzfahrtluxus

Die AIDAcara traf am Kap Horn auf die „Zaandam“ und umrundete die Insel gegen den Uhrzeigersinn. Unser Schiff erreichte die Insel, nachdem die Sonne aufgegangen war, so dass wir gute Sicht hatten und spannende Eindrücke sammeln konnten. Wir hatten Glück: am Ende der Umrundung verzogen sich die Wolken, und wir sahen das Kap klar und deutlich.

Der Schnacker (Lektor) erwähnt die große Anzahl von Schiffen, die am „Kap Horn“ gescheitert sind, und die vielen dabei verstorbenen Seeleuten. Es wäre aus meiner Sicht angemessen gewesen, einen kurzen Halt einzulegen und mit dem Typhon einen Gruß zu senden. Immerhin schwammen wir über einen veritablen (Schiffs-)Friedhof. Da wäre ein bisschen Pietät und Nachdenklichkeit angebracht. Zweifel sind geboten, wenn bei Kap Horn von dem größten Schiffsfriedhof der Meere gesprochen wird. Die Seeleute hatten gerade mal 300 Jahre Zeit, ihre Schiffe und Leben zu verlieren. Seeschlachten mit Hunderten beteiligter Schiffe sind für diese Zeit auch nicht berichtet. Da ist die Situation im Mittelmeer sehr viel ergiebiger. Seit 6.000 Jahren (mindestens) wird es von Schiffen aller Größen befahren, sei es um Handel zu treiben, Entdeckungen zu machen oder Krieg zu führen.

Sei es, wie es ist. Die AIDAcara hat die Insel problemlos umfahren. Und die Passagiere hatten Gelegenheit, die Küste der Isla Horos mit dem Kap Horn und die ihrer Nachbarinseln in Ruhe zu studieren oder auch den Spielen der Pinguine und Seelöwen zu folgen. Die hatten augenscheinlich ihren Spaß, das Schiff zu begleiten.