Juden in Iran

„Juden in Iran?“ „Finde den Fehler!“

Das war in etwa meine Erwartungshaltung zu den Programmpunkten, die uns zu Synagogen in Isfahan führen sollten. Auf der Anreise hatte ich angefangen, im Koran zu lesen und dabei gelernt, dass Juden und Moslems an den selben Gott glauben: so rühmt eine der ersten Suren Allah dafür, dass er die Juden aus ägyptischer Gefangenschaft geführt hätte.

Religionsfreiheit in Iran

Auf diesem Hintergrund war ich schon mal nicht verwundert, in Teheran eine lebendige deutsche, christliche Kirche zu besuchen.

In der Christuskirche in Teheran

In der Christuskirche in Teheran

Im Gespräch wurde deutlich, dass Christen nicht angefeindet oder angegriffen werden. Allerdings ist ihnen jegliches Missionieren (Dazu gehört auch das Läuten der Glocken zum Gottesdienst) streng verboten ist. Man pflege, so erklärte uns der Pastor, eine Politik der „halb offenen Tür.“ Keiner wird eingeladen, aber auch keiner weggeschickt.

Im Hinblick auf die jüdische Gemeinde erfuhren wir, dass es in Teheran mehr Juden gäbe als in Berlin – und keine einzige Synagoge vor Übergriffen geschützt werden müsse. Juden hätten eigene Schulen und Krankenhäuser, regelten Erbschaftsfragen nach ihren Regeln und unterlägen keinen Einschränkungen im Erwerbsleben. Die Aufstiegsmöglichkeiten im öffentlichen Dienst, seien allerdings eingeschränkt. Iranische Juden sind im Parlament mit eigenen Abgeordneten vertreten.

Juden in Iran

Auf den Busfahrten informierte uns der örtliche Reiseleiter über das religiöse Leben in Iran. Iraner und Juden haben eine über 3000 jährige gemeinsame Geschichte. Von Pogromen europäischen Ausmaßes  ist in Iran nichts berichtet. Anders als in anderen arabischen Ländern gab es keine Vertreibungen. Nach der Machtübernahme des Ajatollah 1979 flüchteten gleichwohl viele Juden aus Iran.

Nach der Reise befragte ich den Jüdischen Weltkongress, ob denn die Informationen im wesentlichen zuträfen: Hier die Antwort:

Was wir wissen, ist, dass im Iran noch ca. 10 000 bis 20 000 Juden leben, die meisten davon in Teheran. Aber das in nur ein Bruchteil der großen Gemeinde, die vor 1979 dort lebte. Das aktuelle Regime bemüht sich, der Welt zu zeigen, dass es die iranischen Juden respektiert, was sicher auch in einem gewissen Umfang zutrifft, insbesondere im Vergleich mit den Nachbarländern, wo es gar keine jüdischen Gemeinden mehr gibt. Dennoch: Die ständige Hetze gegen Israel, die von höchster Stelle betrieben wird, hat natürlich auch Auswirkungen auf die Juden im Iran. Um sich zu schützen, ist die iranische jüdische Gemeinde sehr vorsichtig, was politische Aussagen angeht. Man könnte es wohl als eine Art „innere Emigration“ bezeichnen.

Diese Aussage wird bestätigt durch einen Bereich in der Jweekly:

Der Zugang zu einer Synagoge in Isfahan

Der Zugang zu einer Synagoge in Isfahan

Although some Jews originally supported the revolution as an agent of democracy, some 70 to 90 percent of Iran’s Jewish population — estimated at anywhere between 70,000 and 120,000 — has since left the country, driven by fear of persecution under the sometimes violently anti-capitalist, anti-Zionist regime.

Der Sprecher des Jüdischen Weltkongresses schickte mir auch einen Link, den ich Ihnen nicht vorenthalten will. Der Artikel zeigt, dass die neue iranische Regierung darum bemüht ist, das Verhältnis zu den iranischen Juden zu verbessern.

Update 6. Januar 2015: „Unsere Juden sind von den gottlosen Zionisten völlig verschieden.“ Dies sagte kein geringerer als Ajatollah Khomeini. Ich verdanke den Hinweis dem Jüdischen Weltkongress. Dort erfuhr ich allerdings auch, dass die jüdische Gemeinden nicht Mitglied im Jüdischen Weltkongress sein dürfen. Der Kongress gilt in Iran als „zionistische Organisation“, in der man nicht Mitglied werden kann.

Synagoge in Isfahan

Der Zugang zur Moschee führt über einen niedrigen Torbogen in einen Gang, der unter dem Straßenniveau liegt. Abgestellte Mopeds künden davon, dass es noch andere Zugänge geben muss. Ich kenne Synagogen bisher nur aus Museen und bin neugierig, wie dort ein Gottesdienst abläuft. Allerdings schaue ich Gläubigen nicht gerne bei der Verrichtung ihrer religiösen Pflichten zu.

Die Neugier siegt.

Gebetsraum einer Synagoge in Isfahan Juden in Iran

Gebetsraum einer Synagoge in Isfahan

Wir ziehen unsere Schuhe aus und betreten den Gebetsraum. Das ist in Moscheen nicht anders. Dank an die jüdische Gemeinde, dass sie uns an ihren Gebeten teilhaben lässt. Die Gemeinde ist klein. Wir sehen nur Männer, von denen einige auf einem Podest stehen oder vor einem Gebetsschrein und aus einem Buch zitieren. Ich beschließe, meine Rolle als Zaungast zu beenden. Es ist ein sehr intensives Erlebnis. Und für einen Moment regt sich die gleiche intellektuelle Unbehagen wie beim Besuch einer Moschee oder christlichen Kirche: Sind wir wirklich noch nicht weiter als die Ilias, in der Zeus und seine Mischpoke auf dem Olymp sitzen und die Anzahl der Tier- und Trankopfer zählt?

Die Toleranz gegenüber Juden in Iran ist zwar überraschend, steht aber für eine gelebte Religionsfreiheit in Iran. Zum Abschluss will ich darum einen Überblick über andere Religionen und ihr Verhältnis zum Islam geben.

Von Zaratustra und christlichen Göttern

Auch mit anderen Religionen gibt es Iran ein friedliches Nebeneinander. Der Zoroastrismus bzw. Zarathustrismus  hat zum Beispiel in Yasd einen Feuertempel.

Feuertempel des Zoroastrismus in Yasd (Iran)

Feuertempel des Zoroastrismus in Yasd

Das Feuer wurde 400 Jahren aus Indien herangebracht und brennt seit dem ununterbrochen – sagt man. In Indien wurde das heilige Feuer im 5. Jh. entzündet.  Wir besuchten den Feuertempel in Yasd. Als Religionsstifter des Zoroastrismus gilt Zaratustra. Mit dem gleichnamigen Titelfigur bei Nietzsche hat das aber nichts zu tun. Nietzsche suchte nur nach einem exotischen Namen.

Der Zoroastrismus ist ein bisschen schwierig zu erklären. er kennt keinen einzelnen Gott, sondern einen Dualismus von – vereinfacht gesagt – Gut und Böse. Diese beiden sind in Ahura Mazda vereint, einem Schöpfergott, den schon der persische König Darius verehrt hat. Eine Inschrift in Persepolis huldigt Ahura Mazda als Auftraggeber für den Bau der Palastanlage. Ahura Mazda brachte den Persern aber kein (Kriegs-)Glück sondern stattete Darius im Kampf gegen die Horden von Alexander dem Großen mit strategischem Unvermögen und Feigheit aus.

Die Armenische Bethlehemkirche in Isfahan

Kuppel der Bethlehemkirche in Isfahan

Kuppel der Bethlehemkirche in Isfahan

Den Armeniern ist es gestattet, unabhängig von dem strengen Alkoholverbot in Iran Hochprozentiges an ihre Mitglieder auszuschenken, aber auch nur an sie. Die armenisch-apostolische Bethlehem-Kirche in Isfahan zählt zu den bedeutendsten Sakralbauten in Isfahan. Die Gemeinde ist gleichfalls sehr klein, keine Glocken rufen zum Gebet: man kennt sich und verabredet sich informell zum Gottesdienst.

Die Ausstattung ist reich bebildert. Die Bilder erzählen zum Teil drastische Geschichten mit üblen Folterszenen. Aber was wäre das Christentum ohne  anständige Martern? Die Kirche wurde im 17. Jh. von dem Kaufmann Chadsche Petros auf eigene Rechnung gebaut. Und wer es gerne üppig, bunt und brutal braucht, der sollte sie sich ansehen.

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