İstiklal Strasse

Bummel durch die Istiklal Strasse

Das bemerkenswerteste an der Istiklal Strasse ist die Tatsache, dass es sich um eine Fußgängerzone handelt. Die Jugendstilfassaden, die uns der Guide versprochen hat, machen sich nur sehr zurückhaltend bemerkbar. Anders die Straßenbahn, die sich dort eingleisig ihren Weg durch die Menschenmassen bahnt. Ansonsten gibt es neben sehenswerten, aufwendig renovierten Fassaden auch solche, die noch dringend nach Glaser und Maler verlangen. Manchmal scheint das Warten vergeblich. So habe ich 2013 ein Haus fotografiert, vor dem ein Gerüst den Beginn einer Renovierung versprach. Sehen Sie hier die ausführliche Bilderstrecke.

Google Streetview fuhr zwei Jahre nach mir durch die Istiklal-Strasse und zeigte das gleiche Haus mit verrammelten Fenstern, reif zum Abriss. Andere Fassaden zeigen, dass weder Architekten noch Stadtplaner auf die umgebenden alten Fassaden Rücksicht nehmen.

Wir besuchen die Istiklal Strasse im März. Touristen sind zu dieser Zeit noch in der Minderheit. Und so deuten wir den Trubel, der dort am frühen Nachmittag herrscht, als Ausdruck urbaner, unverstellter Lebendigkeit. Neben den Läden, die es in jeder europäischen Stadt mit mehr als 10.000 Einwohnern gibt, finden wir auch ein paar Spezialitäten. Ich bleibe an Schaufenstern hängen, die jede Menge süßer Sünden anbieten. Wohlgemerkt, Läden nur mit leckerstem türkischen Honig und anderen Versuchungen.

Basar und Trödel

In einem Trödelladen sehe ich neben den Dingen, die es in jedem Trödelladen gibt, auch einen Karton mit abgelaufenen Personaldokumenten aus verschiedensten Ländern. Wer einen Führerschein aus Israel braucht, kann da mit Erfolg stöbern. Ich habe in dieser Hinsicht keinen Bedarf und wühle mich durch alte Postkarten, die vergangene Ansichten aus Istanbul und anderen Teilen der Welt. In den Nachlässen, die der Trödler vertickt, gibt es auch viele Familienfotos. Da halte ich ein bisschen länger auf.

Wir sehen Läden, deren Auslage einen Hauch von Basar verströmt. Hinter vergleichsweise schmalen Türen öffnen sich aber auch weite, moderne Einkaufszentren. Sie sind allerdings nicht zu vergleichen mit den sterotypen Ansammlungen von Ladengeschäften, wie wir sie von Deutschland kennen. Sehr sehenswert, sehr einladend.

Beim Schlendern durch die Istiklal Strasse überholt mich ein Jogger, die langen Beine enden in Shorts aus einem Union-Jack. Ob das als Protest oder Bekenntnis gemeint ist, bleibt offen. Dass es an der Istiklal-Strasse Gotteshäuser gibt, überrascht mich nicht, die katholische Basilika St. Antonius von Padua hingegen schon.

In der İstiklal Strasse in Istanbul gibt es eine katholische Kirche namens Antonius von Padua. Der Papst hat hier schon gepredigt.

In der Istiklal Straße in Istanbul gibt es eine katholische Kirche namens Antonius von Padua. Der Papst hat hier schon gepredigt.

Ich werfe einen kurzen Blick in den neu-gotischen Bau und schlendere an der Statue vorbei, die Papst Paul IV darstellt und daran erinnert, dass er 1967 die erste katholische Messe eines Papstes auf türkischem Boden hielt. Ob das richtig ist, mag man bezweifeln. Immerhin wurde der Katholizismus auf türkischem Boden erfunden. Und wenigsten Paulus wird hier die eine oder andere Messe gelesen haben. Sei’s drum, Die Kirche steht da, mitten in muslemischer Umgebung.

Ein bisschen weiter schlendert man an einem schiedeeisernen Tor vorbei. Es ist der Zugang zum https://de.wikipedia.org/wiki/Galatasaray-Gymnasium. Hier ist die Wiege des gleichnamigen Fußballclubs.

Traurig aber wahr, auch in dieser unbeschwerten Lebenslust und zwanglosen Lebensfreude der Istiklal-Strasse zündeten Mörder im März 2016 eine Bombe. Ich verhehle nicht, dass ich wieder einmal zusammenzuckte bei dem Gedanken, dass es mich auch hätte treffen können.