Iran – Reise in ein belagertes Land

Trotz alledem!

Diesen Reisebericht über Wüsten und Safranfelder habe ich im Mai 2019 begonnen, obgleich die Reise erst Mitte Oktober beginnt. Sie findet unter dem Rubrum „Reise in die Zivilgesellschaft“ statt. Das ist nicht sensationell und sicher kein Grund, schon 5 Monate vor dem Reisebeginn mit einem Bericht zu beginnen.

Wenn die Reise nicht in die Zivilgesellschaft Irans führte.

Es ist meine zweite Reise nach Iran. Sie Führt durch Wüsten und Safranfelder.

Auf der ersten Reise 2014 habe ich ein Land erlebt, mit einer noch nie erlebten Gastfreundschaft, einer Kulturlandschaft, die sich zwischen Moderne und Geschichte schmiegt und Landschaften wie aus einer anderen Welt. Einige Eindrücke von unserer ersten Iranreise finden Sie hier. Im Text gibt es Links zu Bilderstrecken mit prächtigen und überraschenden Einblicken.

Iran-Koranschule und Moschee in Kashan Wüsten und Saftranfelder

Koranschule und Moschee in Kashan

Damals war das Atomabkommen zwischen Iran und einigen westlichen Ländern noch nicht einmal angedacht, die Sanktionen darum wirksam. Dessen ungeachtet begegnete uns niemand mit Feindseligkeit oder Vorwürfen. Unsere Reisegruppe durfte Stätten in Qom besuchen und besichtigen, die den Schiiten besonders heilig sind – und Ungläubigen wohl im Normalfall verwehrt werden.

Iran Zivilgesellschaft Rückblick

Reise in die Zivilgesellschaft bedeutet: Besuch in Privathaushalten, bei Nicht-Regierungsorganisationen. Auch die Deutsche Botschaft in Teheran haben wir besucht. Wir lernten das System der Wasserversorgung kennen, entdeckten, dass es in Iran Religionsfreiheit gibt, als wir christliche Kirchen und Synagogen besuchen durften. An einem Treffen im „Ladies Club“ durften auch die männlichen Teilnehmer unserer Reisegruppe teilnehmen. Im Normalfall ist der Club ein Rückzugsort für die Teheraner Frauen. Hier, in 1.800m Höhe, etwas abgeschieden vom lärmenden Moloch Teheran, sind sie unter sich und dürfen ungestraft das Kopftuch abnehmen.

Und natürlich gab es auch ein touristisches Programm. Museen in Teheran, Moscheen allerorten, Gärten von paradiesischer Schönheit, Pyramiden aus Lehm, Persepolis und und.

Reise in die Zivilgesellschaft Wüsten und Safranfelder

Reise in die Zivilgesellschaft

Die Reise war ein Traum, die Eindrücke wirkten auch Jahre später noch nach.

Dann begann die „Entspannungsphase“. Iran erklärte den Verzicht auf Nuklearwaffen und unterwarf sich weitreichender Kontrollen durch internationale Organisationen. Die Einschränkungen im Wirtschaftsleben, denen Iran während der Sanktionen unterworfen war, fielen Stück um Stück.

Da gab es kein Halten, als ich wieder eine „Reise in die Zivilgesellschaft“ entdeckte. Diese sollte abseits der Touristenrutschbahn „Teheran, Yast, Isfahan, Shiras, Persepolis“ in den Osten Irans führen.

Iran – Die 2. Reise 2019

Meine 2. Reise nach Iran, so sie denn stattfindet, führt in den Osten der Islamischen Republi, durch Wüsten und Safranfelder. Die Orte in der Übersicht:

    Mashhad
    Tabas
    Birjand
    Bam
    Jirofl
    Mahan
    Kerman

 

Zugegeben, die Nähe zur afghanischen Grenze und dem Dreieck zwischen den Städten Zabol, Bam und Chabahar lässt Urlaubsfreuden eher verhalten wach werden. Laut Reisewarnung des Auswärtigen Amtes ist in dem Dreieck ein hohes Risiko für Entführungen und Anschlägen zu beobachten. Und Afghanistan ist auch nicht der Ruhepol des Friedens.

Ich habe mich dennoch für die Reise entschieden. Der Reiseveranstalter ist seit vielen Jahren in der Gegend unterwegs und hat bisher alle seine Gäste sicher und unversehrt nach Hause gebracht. Die Reisebeschreibung las sich wie ein Traum aus 1000 und einer Nacht.

Und dann kam Donald …

Und dann übernahm Donald Trump das Amt des 45. Amerikanischen Präsidenten. „America first“ war sein Credo. Dafür legte er die Axt an jahrzehntelange Wirtschaftsbeziehungen und prügelte auf Freund und Feind.

Vor „America first“ stand aber unausgesprochen „Dump Obama“. Alles was sein Vorgänger Obama begonnen und eingeführt hatte, kündigte Trump. So wie seinerzeit Name und Erinnerung an den ägyptischen Pharao Echnaton von seinen Nachfolgern aus Reliefen und Tempeln getilgt wurde, schickte sich auch Donald Trump an, Obama aus den Geschichtsbüchern der Welt zu löschen.

Eines der wichtigsten Ergebnisse der Obama-Regierung war das Abkommen mit Iran über die De-Nuklearisierung der Islamischen Republik.

Internationaler Konsens ist, dass alle Staaten Atomwaffen besitzen dürfen, nur nicht Iran. Hintergrund dieser Überzeugung ist die politische Überzeugung Irans, dass der Staat Israel von der Landkarte getilgt werden solle. Diese rigide Ablegung ist um so verwunderlicher, als die Juden in Iran geachtet und in Frieden leben. Iran ist der einzige Staat im Nahen Osten und Arabien, in denen Juden keine Verfolgungen oder Pogrome erleiden mussten.

Israel besitzt international eine einflussreiche Lobby. Iran hingegen, besonders nachdem das Terror-Regime des Schah gestürzt wurde und die „Islamische Republik Iran“ ausgerufen wurde, steht international in der Paria-Rolle. Während der Schah von den Regierungen der Welt geschätzt und hofiert wurde, wurde Iran auf dem internationalen Parkett zusehends zum Schmuddelkind, das jeder nach Gutdünken sozialisieren durfte.

Hoffen und Bangen statt Vorfreude

Besonders beliebt war das Mittel der Strafen und Verbote. Die USA blendeten behende ihren Überfall des neutralen Irans im Jahre 1942 und die umfassende Unterstützung des Schahs beim Aufbau und Unterhalt seines autokratischen Terror-Regimes aus und kesselten Iran wirtschaftlich ein. Betroffen waren nicht nur Iran, sondern auch alle anderen Staaten und Unternehmen, die mit Iran Handelsbeziehungen unterhielten. Die USA bestraften Unternehmen, die mit Iran Handel trieben. Und da der Markt in den Vereinigten Staaten lukrativer war als der iranische, zogen sich fast alle Unternehmen aus Iran zurück.

In der Zeit vor meiner Reise habe ich intensiv und mit Sorge die Entwicklung auf CNN, New York Times und Washington Post verfolgt. Und natürlich habe ich mir die zum Teil grenzdebilen Tweets des Präsidentendarstellers auf Twitter angesehen.

Auch der Reiseveranstalter war unsicher: geht es oder geht es nicht? Die Vorgabe des Reiseveranstalters lautete: Wenn das Auswärtige Amt von Reisen nach Iran abrät, wird die Reise abgesagt.

Neben dem Trump‘schen Grundrauschen von Drohungen und Beschimpfungen trübten weitere Entwicklungen die Aussichten ein.

Krisengebiet oder Kriegsschauplatz

Die Britischen Behörden beschlagnahmten unter Missachtung völkerrechtlicher Regeln in internationalen Gewässern vor Gibraltar einen iranischen Tanker, weil er angeblich Öl nach Syrien liefern wollte. Die Britische Navy folgte einem Wunsch von Trump, dem das Völkerrecht bekanntlich herzlich egal ist.

Im Gegenzug beschlagnahmte Iran einen britischen Tanker, der Berichten zufolge als Aufklärer in der Straße von Hormus unterwegs war.

Die Spannungen nahmen zu, als einzelne Tanker in der Straße von Hormus von unbekannten Kräften mit unbekannten Waffen angegriffen wurden. Es gab Bilder mit kleinen Feuern und einem Loch in Bordwand. Iranische Schnellbooten waren in der Nähe. Angeblich wollten die Besatzungen Minen-Blindgänger von den Bordwänden entfernen. Die iranischen Behörden stellten die Anwesenheit der Boote als Hilfs- und Rettungsmaßnahme dar.

Der große Knall war schon so gut wie zu hören, als eine amerikanische Aufklärungsdrohne abgeschossen wurde. Die Trump-Truppe warf Iran vor, die Drohne über internationalen Gewässern abgeschossen zu haben, Iran präsentierte Bilder eines Flugkörpers, den man auf iranischen Territorium gefunden hatte.

Wie‘s wirklich war, weiß man nicht. Jedenfalls hielten sich die Amerikaner rhetorisch auffällig zurück. Trump stoppte sogar eine bereits angelaufene Vergeltungsaktion: Raketen und Marschflugkörper blieben in ihren Startgestellen auf den Schiffen und die Bomber machten auf dem Hacken kehrt.

War das schon eine Entspannung? Würde unsere Reise stattfinden?

Drohnen zum Trotz: Die Reise geht wohl los

Meine Hoffnung zerstob 4 Wochen vor dem geplanten Start: Saudi-Arabien meldete einen schweren Angriff auf seine Erdölindustrie – Trump, die Mordbuben in Riad und die transatlantischen Hurra-Patrioten in Brüssel, Paris und Berlin sahen Iran als verantwortlich für den Angriff.

Es sind große Zweifel angebracht, dass die Darstellung der Saudis hinsichtlich der Drohnen über Saudi-Arabien wahr ist.

Bei aller Einigkeit in der Schuldzuweisung in Richtung Teheran, blieb es merkwürdig still um diesen Vorfall: keine Wutreden, keine Gewaltphantasien auf Twitter, keine Militäraktionen. Die Saudis wirken sehr isoliert, irgendwie glaubt ihnen niemand den Angriff und die Schäden.

Also: Schock, aber der Start begann, Konturen anzunehmen.

Wie zur Bestätigung kamen Pass und Visum zurück. Das Visum ist ein simples DIN A 4 Blatt, zum Preis von 50,00 Euro. Man muss das Visum während der Reise während der Reise immer mit sich führen, kann es aber nach der Reise rückstandsfrei entsorgen. Wer nach der Iran-Reise in die USA oder nach Israel einreisen will, begegnet so im ersten Ansatz weniger Misstrauen, weil der Pass ja „sauber“ ist.

Pass und Visum werte ich als ein erstes, sicheres Zeihen, dass die Reise tatsächlich stattfinden würde.

Ich packe in meinen Koffer …

Also begann ich mit den Vorbereitungen:

Als wichtigstes wurden Laptop und Mobiltelefon gehärtet und Vorbereitungen für eine sichere Verbindung nach Deutschland getroffen. Ein altes Mobiltelefon kam als Backup in den Koffer. Natürlich habe ich Kameras und Batterien geprüft und die obligate Meldung bei der deutschen Botschaft in Teheran über den geplanten Reiseverlauf losgeschickt, Telefonnummer und Fax der Botschaft wurden gespeichert, Pass, Visum und Zusicherung Krankenversicherung kopiert. Und außerdem habe ich die allfälligen gesundheitlichen Vorsorgemaßnahmen wie Mückenspray, Vorkehrungen gegen die Folgen von trockener Luft in der Wüste und Darmalarm getroffen.

Je näher der Termin der Abreise rückte, desto länger wurde die Liste mit Dingen die einzupacken oder zu regeln waren.

Ziemlich genau zwei Wochen vor dem geplanten Start fielen dann die Tickets für die Flüge in mein Postfach. Turkish Airline gewährt üppige 30kg Freigepäck und bietet mit dem Erhalt des Tickets die Möglichkeit der Platzreservierung. Auch das im Flugpreis inkludiert. Wir fliegen mit Maschinen von Airbus, und zwar von Hamburg zum Hub von Turkish Airways, dem neuen Flughafen von Istanbul.

Mal sehen, wie ein neuer Flughafen aussieht, in Deutschland sind Neubauten dieser Kategorie ja eher die Ausnahme.

Jetzt kann uns eigentlich nichts mehr aufhalten.

Eigentlich … US-Präsident Trump hat die Kurden in Syrien für seinen Bruder im Geiste Erdogan zum Abschlachten freigegeben. Ob das Auswirkungen auf die Flugsicherheit hat?

Keiner weiß das.

Fortsetzung folgt