Husky Hundeschlitten

Husky Hundeschlitten

In zwei Stunden legt die Midnatsol in Tromsö an. Von hier aus haben wir einen Ausflug mit einem Husky Hundeschlitten gebucht. Warm anziehen müssen wir uns. Aber einen Helm oder Chappi brauchen wir nicht. Es reicht, wenn wir gelegentlich einen Eisbären erwürgen und ihn dann an die Meute verfüttern.

Wir sind gespannt und neugierig, weil wir noch nie in einem Hundeschlitten gesessen haben. Lesen Sie hier den Bericht über den Ausflug „Hundeschlitten in Tromsö“ der Hurtigruten.

Lange Anreise

Als erstes lernen wir: je weiter man nach Norden kommt, desto entspannter sehen die Menschen die Gefahren durch Schnee und Eis. Wir setzen unsere Schritte mit Vorsicht und finden unseren Bus mühelos. Er ist rund herum mit Huskys beklebt. Die Reifen sind mit Spikes gespickt und so kachelt der Fahrer unbeschwert über spiegelglatte vereiste Waschbretter, die hier als Straßen durchgehen.

Eine längere Strecke führt unterirdisch durch den Berg. Dort ist aber nicht nur ein einzelner langweiligen Tunnel mit unbehauenen Felswänden. Nein, wir durchqueren zwei Kreisel, in denen eine Reihe anderer Straßen gleichfalls unterirdisch herangeführt werden. Es ist das erste Mal, dass ich in Norwegen eine Geschwindigkeitsbegrenzung von sage und schreibe 70km/h sehe. Weiter draußen weicht die vereiste Buckelpiste einer soliden festgefahrenen Schneedecke. Der übrige Schnee wurde am Straßenrand zusammengeschoben.

Die Bushaltestellen sind exakt freigefräst worden. Wie die Fahrgäste den Bus durch 2,5m hohe Schneewälle erreichen, erschließt sich mir nicht.

Kurz vor dem Nirwana biegt der Husky-Bus scharf rechts ab. Wir erreichen unser Ziel: die Husky-Farm.

Die Huskyfarm

Lautes Gebell aus 300 kräftigen Hundekehlen umgibt uns. Wir beginnen zu verstehen, warum die Hundefarm so weit von der Zivilisation gebaut worden ist. Einige Hunde sind schon angeschirrt, andere toben noch um ihre Schlafboxen.

Schlittenhund vor seiner Hütte auf einer Hundefarm

Husky vor seiner Hütte auf einer Huskyfarm

Jeder Hund hat einen Namen, der an der Öffnung zu der Box steht. Zwei Hunde teilen sich jeweils eine Box mit den Maßen1,5×1,5×0,5. Die Hunde sind angekettet und zerren wie doof an ihren Ketten. Sie sind mit Schultergurten daran befestigt. Das verringert vielleicht den Druck, aber für den Betrachter wirken die Tiere verhaltensgestört, wie sie unter Kläffen und Jaulen ohne Unterlass in die Kette springen. Der Lärm ist ohrenbetäubend, der Gestank durchdringend.

Hundeschlitten, auf der Seite liegend

Husky Hundeschlitten, auf der Seite liegend

Uns wird ein Schlitten zugewiesen. 8 Hunde zerren schon lautstark an ihrem Geschirr. Ein kleiner Anker im Eis verhindert, dass der Schlitten ohne uns losprescht. Leider ist niemand da, der uns erklärt, wie man artgerecht in den Schlitten klettert. Einer richtet sich irgend wie vorne ein, ich versuche mich hinter meinem Vordermann zu verteilen. Auch die Decke müssen wir ohne Hilfe in dem Gefährt verteilen. Es stellt sich beim Start heraus, dass der Vordermann auf einem Stück Pappe sitzt, das direkt auf dem Schnee rutscht. Nicht schön!

Die Fahrt geht über 6km. Für die Hunde ist das eher ein Gassie-Gehen – mit allem was dazu gehört, wenn Ihr wisst, was ich meine. Nach der Hälfte macht die Karawane eine 10 minütige Rast. Warum, weiß man nicht. Es gibt leichte Steigungen bei denen uns die Nachdenklichkeit überkommt, ob wir die Unternehmung wirklich als Unterhaltung mit Spaßfaktor werten sollen.

Blick vom Hundeschlitten auf die Zugtiere

Blick vom Husky Hundeschlitten auf die Zugtiere

Zwei unserer Hunde zanken sich während der Fahrt, der linke versucht, möglichst weit von seinem Kollegen auszuweichen. Wie naturgemäß bei zusammen eingespannten Paaren zu Schwierigkeiten führt. Der rechte Husky blafft die ganze Zeit seinem Kollegen in die Ohren. Der wirkt unfroh.

Leben an der Kette

Wir fühlen uns nicht gut und sind froh, als wir unsere Rundreise beenden. Am Ziel hören wir dann einen kurzen Vortrag über Huskys, die guten aus Alaska und die bösen, aber gut aussehenden aus Sibirien. Tatsächlich sind die Hunde von ihrem 1. Lebensjahr bis zu ihrem Ausscheiden aus den Schleppdienst mit ca. 10 bis 11 ständig angekettet. Entweder vor ihrer Schlafkoje oder vor einem Schlitten.

Huskies ziehen einen Schlitten Husky Hundeschlitten

Huskys ziehen einen Husky Hundeschlitten

Wer einerseits Wert darauf legt, Eier von freilaufenden Hühnern zu kaufen, kann auf der anderen Seite die beschriebene Tierhaltung nicht ohne Beklemmung zur Kenntnis nehmen.

Als ob der Guide unsere fragenden Gesichter richtig gedeutet hätte, führt er uns zur Aufzuchtstation. 9 Welpen, 1 Monat alt, buhlen darum, die geschundenen Seelen der Gäste zu streicheln. Natürlich haben auch wir so ein Wollknäuel im Arm. Klar, sie sehen süß aus, das tun Ferkel aber auch.

Der Aufenthalt in der Hundefarm endet mit Kaffee und Kuchen in einer Art Jurte aus Holz. In der Mitte flackert ein wärmendes Holzfeuer, innerlich wärmt uns Tee und Kaffee. Die Rückfahrt genießen wir wieder. Sie führt durch eine kuschelige Schneelandschaft. Der Bus liefert uns pünktlich bei der Midnatsol ab.

Wir pellen uns aus den warmen Plünnen und schreiten zum Dinner: Lecker Eismeersaibling. Freischwimmend, selbstredend.

Lecker!