Henkelsachen

Henkelsachen

Werbung erzählt Geschichte!. Am Ballindamm 4 an der Binnenalster klafft eine sorgfältig heraus präparierte Lücke in der Häuserzeile. Ein altes Haus weicht einem Neubau. An der Hauswand rechts, dem Kontorhaus Propfe, fällt der Blick auf die in Sütterlin geschriebene Werbeaussage:

Zum Saubermachen mit Henkelsachen!

Darunter die Silhouette des Henkelwerkes in Düsseldorf.

„Henkelsachen?“ als Reim auf „Saubermachen“? Gab es wirklich jemals diesen Slogan?

Ja, es gab ihn nicht nur, sondern er schaffte es sogar in Deutsche Historische Museum und auf viele (vielfach nachgemachte) Werbeträger.

Der Slogan wurde bis zum Ende der 40er Jahre des vergangenen Jahrhundert genutzt. Plakate mit dieser Werbeaussage zeigen die ganze damalige Produktpalette der Henkelwerke. Neben Persil auch Perwoll und IMI. IMI war in beiden Teilen Deutschlands bekannt. Die Produktion wurde 1989 eingestellt. Der wirksame Bestandteil Natriumphosphat machte zwar die Wäsche und vieles andere sauber, versaute aber die Flüsse. 1932 wurden das Denkmal von Schiller und Goethe in Weimar mit IMI gereinigt.

Henkelsachen Saubermachen Wandreklame um 1949 Ballindamm 4

Henkelsachen Saubermachen Wandreklame um 1949 Ballindamm 4

Auf der Hauswand im Ballindamm fehlen die einzelnen Produkte, nur der Hinweis „Persilwerke Düsseldorf“ weist auf das wichtigste Produkt des Herstellers hin. Persil wurde anfangs auch in der DDR hergestellt, und zwar von den „Persilwerken Genthin“.

Wann wurde die Werbung an die Hauswand gemalt?

Der Slogan wurde nach dem Krieg bis in die 50er Jahre verwendet. In dieser Zeit gab es kein „Persil“. Ein wichtiger Bestandteil dieses Produktes waren Fettsäuren. 1936 wurde der Anteil dieses Rohstoffes drastisch reduziert. Mit Beginn des Krieges wurde die Produktion ganz eingestellt. Anfang der 50er Jahre begann Henkel wieder mit der Produktion von Persil und drückte es mit einer bis dahin nicht bekannten Werbekampagne in den Markt und in das Bewusstsein der der Konsumenten.

Das Haus mit der Werbung wurde zusammen mit vielen anderen Häusern nach dem großen Hamburger Brand 1842 errichtet. Das abgerissene Haus sieht nach einem Nachkriegsbau aus.

Ballindamm 4 1945 (Trolley Mission)

Ballindamm 4 1945 (Trolley Mission)

Anderseits zeigen alte Ansichten in dem Bereich keine Kriegsschäden. Das Bild entstand während der Trolley-Mission. Unter dieser Bezeichnung flogen britische und amerikanische Bomberpiloten nach dem Krieg engmaschige Aufklärungsflüge über Deutschland. Dabei entstanden eine Vielzahl von Fotos. Viele davon sind online einsehbar.

Die Einschätzung, dass dieses Grundstück tatsächlich über 100 Jahre nicht bebaut wurde, bestätigt sich. Auf einem Luftbild aus den 30ern ist die Baulücke augenscheinlich schon vorhanden (Hans-Jürgen Hansen: So sah die Welt von oben aus Historische Aufnahmen aus dem Zeppelin, Hamburg, Berlin, Bonn 2005, S42f).

Ballindamm 4 Baulücke 2015

Ballindamm 4 Baulücke 2015

Auch die vermauerten Fensteröffnungen in dem Kontorhaus Propfe deuten daraufhin, dass die Lücke schon länger bestand.

Ballindamm 4 2009 (Google Streetview)

Ballindamm 4 2009 (Google Streetview)

Ich freue mich, wenn jemand mehr aus der Bebauungsgeschichte des Ballindamms weiß und sein Wissen per Kommentarfunktion teilt.

Der Ballindamm ist nach einem Generaldirektor von Hapag Lloyd benannt. Ballin war war übrigens der Erfinder der Kreuzfahrten, einem Wirtschaftszweig, dr noch heute eine große Bedeutung für Hamburg hat. Vorher hieß die Straße Alsterdamm. Die Breite verdankt die Straße Schutt und Trümmern. Die erste Verbreiterung erfuhr der Ballindamm mit dem Schutt des großen Hamburger Brandes von 1842, die zweite Verbreiterung auf das heutige Maß resultiert aus den Trümmern des Bombenkrieges 1943ff.

Wann immer die Werbung dort hin kam, sie wurde schon beim Neubau des jetzt abgerissenen Hauses sorgfältig erhalten und jetzt auch beim Abriss. Mutmaßlich werden in ein paar Jahrzehnten wieder Leute vor einer Baulücke stehen und sich erstens fragen, ob diese Zeichen wohl Schrift sind und schmunzeln, wie einfach man einst für ein Produkt oder einen Hersteller reimte.

Das stilisierte Bild des „Persilwerkes“ in Düsseldorf führt auf die Spur einer kleinen historischen Randnotiz. Im Kinosaal des Werkes tagte zwischen 12. November 1946 bis zum 11. Februar 1949 der Landtag von Nordrhein-Westfalen, insgesamt 90 Mal.