Friedrichstadt-Palast One

Friedrichstadt-Palast The One

Es gibt zwei Gründe, zum Zwecke gediegener Unterhaltung nach Berlin zu kommen. Der eine ist der Friedrichstadt-Palast. Ich hatte letztens eine Aufführung besucht und war beeindruckt und bestens unterhalten von der Mischung aus Bühnenbild, Tanz, Kostüme, Akrobatik und Licht. Auch für einen Hamburger, der in Sachen Unterhaltung wahrlich nicht darben muss, blieb der Abend in guter Erinnerung. Allerdings ohne Fotos.

Da kam die Einladung zu einer Presseaufführung zu der ShowThe One“ gerade recht. Wir sahen zwar nur die Eröffnung und das Finale, aber das doppelt: einmal für die lärmenden Klack-Klack-Rattata-Fotografen und einmal für die sensiblen Bewegtfilmer.

Showtime in Berlin

Es ist nicht die schlechteste Idee, die Show zweimal zu sehen: jedes der Kostüme (Entwurf. Jean Paul Gaultier, Erfinder der Tütentitten) ist eine Augenweide, während der Show verquirrlen die Eindrücke, man versucht, einzelnen Akteuren zu folgen, wird gefangen genommen von einem anderen skurrilen Kostüm, das die Bahn des ersten quert, überraschende Lichteffekte verwandeln die Szene in Sekundenbruchteilen und immer wieder sucht man unter dem großen Hut einer Tänzerin ihr Gesicht: mit der Maske hätte das Phantom der Oper noch ein paar Jahre länger laufen können 🙂

Friedrichstadt-Palast One: Gut behütet

Friedrichstadt-Palast The One: Gut behütet

Die Besucher der Presseaufführung haben nur Anfang und Ende der Show gesehen. Was an Show dazwischen geboten wird, bleibt einstweilen offen. Es wird eine „Luftnummer“ am Trapez geben. Und auch das große Wasserbecken wird wieder eine atemberaubende Rolle spielen.

Wolf unter Wölfen

Die Kostüme liefern vielleicht einen ersten Hinweis: es wird schrill, es wird deftig, es treten Charaktere auf, die man auf dem Kiez vorwiegend in abseitigen Etablissements findet. Kennen Sie den Roman von Hans Fallada: „Wolf unter Wölfen“? Im ersten Teil wird das Tollhaus des Berliner Nachtlebens in den „Wilden Zwanzigern“ beschrieben. In den Varietees und Bordellen trafen sich die Verzweifelten aus allen Richtungen: die einen suchten verzweifelt nach dem ultimativen Kick, die anderen verzweifelten in ihrem Überlebenskampf im Großstadtdschungel und boten dem Publikum die geforderten Monströsitäten: Schwangere und Schwuchteln im Pas de Deux, Männer in Netzstrümpfen tanzen mit Uniformfetischsten und Latexfans, Federboas bezirzen die Unschuld vom Trapez.

Friedrichstadt-Palast The One: Kostüm mit Federn an den Händen

Friedrichstadt-Palast The One: Kostüm mit Federn an den Händen

Heute ist es – auch wenn das Berlin der 20er mit dem Stadtschloss gerade eine beklemmende Auferstehung feiert – Spaß. Die Kostüme spielen mit Symbolen und Zitaten. Die kecken Männermoden erinnern an den CsD. Ob alle Besucher wissen, was seinerzeit in der Christopher Street passiert ist? Im Berlin von heute sind die Symbole des CsD unterhaltsames Grundrauschen.

Der Friedrichstadt-Palast hat vor einiger Zeit beschlossen, die Botschafter von Ländern nicht mehr zu ihren Shows einzuladen, in denen Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolgt werden. Abgesehen davon, dass man sich dieses Standing von allen Kulturaschaffenden wünscht, würden die genannten Botschafter in ihre Entsendungsländer melden können: es ist alles gar nicht so schlimm.

Kostümzauber

Besucher mit minderjährigen Kindern müssen sich auf bohrende Fragen einrichten: „Warum ist die Frau mit ihrem Babybauch noch nicht im Mutterschutz?“ „Warum hat der Mann keine Hose an?“ Und wenn die Eltern keine Erklärung für die monströs verschnürten Brüste einer Tänzerin finden, können ihnen die minderjährigen Kinder vielleicht weiterhelfen 😉

Friedrichstadt-Palast The One: Mädels in die erste Reihe!

Friedrichstadt-Palast The One: Mädels in die erste Reihe!

Ja, die Show enthält das Bekenntnis zu Toleranz. Und vor allem – sie ist nicht von Disney: sie ist dreckig, sie ist eckig, sie provoziert, ist politisch nicht korrekt – aber sie unterhält wunderbar mit unglaublich bunten, bizarren und märchenhaften Kostümen, einer immer wieder überraschenden Lightshow und Tänzerinnen und Tänzern, die in welcher Weise auch immer, wohl jedem Besucher ein wohlwollendes Lächeln aufs Gesicht zaubern. Das Steuerpult für Licht und Sound erinnert an das Cockpit vom Raumschiff Enterprise. Die Leute an den Reglern und Schaltern müssen auch genau wissen, was und wann sie wie tun.

Federn und Fetisch, Leder und Leben! Licht und Lärm, Trapez und Wasserkunst, bunte Trikots, eigenwillige, phantasievolle, merkwürdige und ausgefallene Kostüme. Die Tänzerinnen wirbeln auf Schuhwerk über die riesige Bühne, das geradewegs in die Orthopädie zu führen scheint.

Welche Effekte die Bühnenbildner aus ihrer Wunderkiste auf die „größte Theaterbühne“ der Welt bringen, kann ich noch nicht sagen, außer: es wird eine geile Show!

Friedrichstadt-Palast One: Cocktail

Friedrichstadt-Palast The One: Cocktail