Freitagsmoschee in Isfahan

Die Freitagsmoschee in Isfahan, auch Große Moschee oder Versammlungsmoschee genannt, ist zwar ein Museum der islamischen Architektur. Gläubige können das 2ha große Gelände auch zum Gebet nutzen: die Teppiche werden dann ausgerollt. Besucher sind  gehalten, die Bereiche mit den zusammengerollten Teppichen nicht mit Schuhen zu betreten. Fotografieren ist erlaubt. Eine Vielzahl auch englisch-sprachiger Tafeln bringen dem Besucher die Besonderheiten der Freitagsmoschee in Isfahan näher.

1.400 Jahre islamische Architektur sind hier konzentriert in ihrer Entwicklung und Kombination zu sehen und zu bewundern.

Freitagsmoschee in Isfahan

Über dem Eingangsportal hängt eine Kette. Sie ist eine symbolische Waage für Gerechtigkeit. Die senkrechte Kette steht für die Beziehung zwischen Himmen und Erde, „ein Zeichen für die Beziehungen zwischen zwei Ewigkeiten“ (Ghasemi, 2010, S. 45).

In der islamischen Welt sind figürliche Darstellungen in Form und Schmuck untersagt. Statt dessen werden andere Gestaltungsformen und abstrakte, geometrische Formen als ornamentale Ausschmückung verwendet.

Sehen Sie auch Videos: Liwan, Säulen im älteren Teil der Moschee, Gebetsnische,

Schrift aus Lehmziegeln

Schrift aus Lehmziegeln

Und wie so oft findet die Kunst auf Verbote spannende und faszinierende Antworten. Nicht ohne Grund ist die Freitagsmoschee in Isfahan Weltkulturerbe. In der Freitagsmoschee in Isfahan wurden viele Flächen und Räume mit unterschiedlichen ornamentalen Methoden gestaltet. Technik und Inhalt von Schmuck und Verzierung haben geschichtlich unterschiedliche Entwicklungsstufen erreicht.

Die Lehmziegelwände der ersten, somit ältesten Räume der Freitagsmoschee wurden im 9. Jh. mit Mörtel aus Lehm und Stroh bestrichen. Die runden Säulen entstanden aus trapezförmigen Lehmziegeln mit einer Putzoberfläche errichtet. Die Verzierung bestand aus Stempeln, die in den feuchten Lehm gepresst wurden.

Das Bemühen um Variationen, um eine Vermeidung von Wiederholungen gleichförmiger Schmuckelementen, ist charakteristisch für die persische Architektur schlechthin … Der riesige Bau [aus der Seldschukenzeit] zählt über 400 gleichgroße Gewölbe, von denen jedoch keines einem zweiten völlig gleichen dürfte. *

*Henri Stierlin, Isfahan Spiegel des Paradieses, Freiburg i.Br. o.J (1976)

Es ist dieser Widerstreit von Symmetrie und Gleichheit auf der einen und Variationen auf der anderen Seite, der den Besucher unmittelbar gefangen nimmt.  Staunend und bewundernd hält er inne, betrachtet die wuchtigen Säulen aus Lehmziegeln, die die Moschee wie einen Kreuzgang wirken lässt. Und unwillkürlich tasten die Blick die Kuppeln ab, ob sich nicht ein Pärchen findet.

Architekturgeschichte

Alterer Teil der Freitagsmoschee in Isfahan mit Säulen und Kuppeln aus Lehm.

Älterer Teil der Freitagsmoschee in Isfahan mit Säulen und Kuppeln aus Lehm.

Im der Zeit zwischen 930 und 1050 herum errang die schiitische Dynastie der Buyiden die Herrschaft auch in Isfahan. Das hatte Auswirkungen auf den weiteren Ausbau der Freitagsmoschee. Die zwei- und dreifach unterteilten Säulen wurden auf der Schauseite nun mit Schmuckziegeln verkleidet, auf denen erhabene Reliefs zu sehen waren.

Mit den Seldschuken, einer Dynastie aus der heutigen Türkei, begann im 11. Jh. eine neue Phase der Schauseiten, die bis heute das Erscheinungsbild der Moscheen prägt. Aus Ziegeln wurden geometrische Formen, kalligrafische Texte und Ornamente gemauert.

Während der Mongolenherrschaft im 14. Jh waren aufwendige und komplizierte Stuckarbeiten die die vorherrschende Dekorationsform. Es entstanden beeindruckende Stuckverzierungen, die Motive aus der Natur und auch Schriften zeigten.

Zur Zeit der Timuriden entstanden im 15. Jahrhundert die ersten Fassaden mit Fliesenmosaiken. Insbesondere rund um den Hof der Moschee.

Muqarnas in dder Freitagsmoschee in Isfahan

Muqarnas in dder Freitagsmoschee in Isfahan

Gleichzeitig mit den Regeln der Timuriden wurden in der Zeit der Salafiden vom 16.- 18.Jh die oberen Abschlüsse der Eingangsnischen (Iwan, Liwan, Aywan) als Muqarnas gestaltet. Das sind die vielfach übereinander geschichten Spitzbögen, die architektonisch den eleganten Übergang von den senkrechten Wänden zu den waagerechten Decken und Kuppeln ermöglichen.

Die Freitagsmoschee in Isfahan repräsentiert eine Sammlung dekorativer Kunst durch den Lauf der Geschichte der Stadt als auch der Moscheen. Einige dieser dekorativen Elemente werden in späteren Moscheen aufgegriffen und weiter entwickelt. Einige andere sind einzigartig. Dazu zählen die farbigen Fliesen aus der Timuriden-Zeit.

Einzigartig wird die Freitagsmoschee in Isfahan durch die Verschmelzung der unterschiedlichen Baustile und Architekturelemente. Besonders gilt das für die beispiellose Kombination von Ziegel- und Fliesenornamenten. Dieses Zusammentreffen macht die Freitagsmoschee in Isfahan einer außergewöhnlichen Einheit.

Die südliche Moschee ist auch als Nezam al-Molk-Moschee bekannt. die Inschriften dort reichen auf das Jahr 1080 zurück und sind in Kufic-Schrift geschrieben.
Im südlichen Iwan finden Inschriften aus den Jahren 1475, 1512,1531 und 1659.
Der Begriff Iwan (in anderer Schreibweise auch Liwan) ist aus dem persischen Aywan abgeleitet und beschreibt einen Raum, der nach einer Seite offen ist.

Gebetsnische Freitagsmoschee Isfahan

Das Bild zeigt den auf das Jahr 1310 zu datierenden Mihrab Oljaitus, der mit seiner kunstvollen Stuckverzierung und der reichen Schriftornamentik zu den schönsten Irans gehört. Freitagsmoschee Isfahan

Das Bild zeigt den auf das Jahr 1310 zu datierenden Mihrab Oljaitus, der mit seiner kunstvollen Stuckverzierung und der reichen Schriftornamentik zu den schönsten Irans gehört.

Die einmalige Oljaito-Mihrab in der Freitagsmoschee von Isfahan ist etwas ganz Besonderes, und man betrachtet diese Gebetsnische sie als eine der wertvollsten Arten von Stuckwerk in der Architektur der Islamischen Welt. Die Oljatio-Mihrab wurde 1310 nach Christus erbaut. Sie ist mit Versen aus dem Koran und Überlieferungen des Propheten verziert. Die Inschriften sind von wunderschönen Pflanzenmotiven umrahmt. Diese Gebetsnische ist ein Werk von Meister Heydar Gatschbor Isfahani. Auch die Kuppeldecke des Gebetsraums ist atemberaubend streng und schön gestaltet.

Quellen:

Links:
Uni-Kiel
Iranischer Rundfunk
Englische Texttafeln in der Freitagsmoschee
Ghasemi, Mansour: Wie Isfahan einst war und heute noch ist Isfahan 1. Auflage 2010
Wikipedia