Marrakesch

Der Flughafen von Marrakesch ist sehr modern, blitzblank und auch bei Nach sehenswert.

Marrakesch

Zwischenstation Casablanca

Casablanca, wer denkt da nicht an den Filmklassiker! Steht Ingrid Bergmann an der Gangway und umarmt mich mit der Verheißung einer wunderbaren Freundschaft? Oder trägt Humphrey Bogard meinen Koffer zum Bus und lädt mich auf einen Cocktail in „Rick’s Café“ ein?

Ich erwache in einem verregneten Casablanca, das uns unsentimental mit niedrigen einstelligen Temperaturen empfängt. Der Flughafen von Casablanca ist ein abgenutzer, liebloser Zweckbau ohne Flair und Ausstrahlung. Es wäre ein Akt der Nächstenliebe, ihn durch einen Neubau zu ersetzen.

Zum Weiterflug öffnet sich eine Tür zum Flugfeld, auf der zwei Maschinen mit unterschiedlichen Zielen auf Passagiere warten. Welche ist unsere? Die Linke oder die Rechte? Wir entscheiden uns für das linke Flugzeug.

Treffer: es trennen uns noch 50 Minuten Flug bis zu unserem Ziel Marrakesch.

Ankunft in Marrakesch

Marrakesch, Perle des Südens, Rote Stadt, magische Metropole vor den schneebedeckten Gipfeln des Hohen Atlas, orientalische Farbenpracht und Geschäftigkeit in der Medina! Ich bin neugierig, was davon PR-Folklore und Nachklang an vergangene Zeiten ist – und was ich davon erleben und fotografieren kann.

Der Flughafen von Marrakesch ist sehr modern, blitzblank und auch bei Nach sehenswert.

Der Flughafen von Marrakesch ist sehr modern, blitzblank und auch bei Nach sehenswert.

Der Flughafen Marrakesch lässt zwar  jegliche Nähe an nostalgisch verklärten Niedergang vermissen. Es ist ein Neubau, der selbst bei unserer nächtlichen Ankunft hell und freundlich wirkt. Das Gebäude ist aus selbsttragenden Stahlrohrelementen zusammengesetzt. Der Architekt hat diese Elemente in die Gestaltung des Innenraumes einbezogen. Freundliche Dekorationen, die landestypische Elemente aufgreifen und Grenzbeamte, die an offenen Schaltern zufrieden auf die wachsenden Warteschlangen blicken.

Wer die längsten hat, gewinnt.

Zuguterletzt sind aber alle Teilnehmer unserer Fotoexkursion durch die Kontrollen, und wir sind fertig für den letzten Teil unserer Anreise: die Fahrt zum Hotel.

Riad ist mehr als eine Hauptstadt,
Medina mehr als ein Wallfahrtsort

Wir werden die Fahrt über in Riads übernachten. Riad leitet sich vom arabischen Wort für Garten ab und beschreibt ein großen Haus oder einen Palast – vorzugsweise in der Altstadt – mit Innenhof oder innen liegenden Garten. Der Innenhof ist für südeuropäische, arabische und persische Häuser selbstverständlich. In Spanien sind sie unter dem Namen „Patio“ bekannt. Nach außen hin sind die Häuser mit einer fensterlosen Mauer abgeschottet. Wem aufgetan wird, der staunt über die Großzügigkeit des Innenbereichs. Die Zimmer sind um diesen Innenhof gebaut. Nicht selten schwirren auch Vögel in der Gartenanlage und wecken gegebenenfalls den Schläfer zu morgendlicher Stunde naturnahe. Riads sind landestypische Herbergen. Es gibt zwar auch auch moderne Riads, die sich in Komfort und Ausstattung mit europäischen Luxushotels messen können. Aber der Ursprung ist eben eine eher schlichte und zweckmäßige Ausstattung.

Viele Riads, so auch unseres, liegen in der Medina (Altstadt). Unseres bietet bei der Anreise spezifische Herausforderungen. Die Straßen und Wege in der Medina sind eng, unübersichtlich und zu jeder Tag- und Nachtzeit von Zweirädern aller Art frequentiert.

Wir steigen aus unserem Kleinbus aus. Nach deutscher Zeit ist es jetzt 22:00. Wir verfolgen gespannt die Verhandlungen unseres Reiseleiters mit den Gepäckträgern. Endlich wird man sich einig und der Gepäckträger stapelt die die Koffer kunstvoll auf dem Handkarren.

Riad Dar Sara in Marrakesch

Die Riads liegen oftmals in schmalen Gassen in der Medina. Ohne Guide wird man da unsicher, ob das wirklich der richtige Weg ist. marrakesch

Die Riads liegen oftmals in schmalen Gassen in der Medina. Ohne Guide wird man da unsicher, ob das wirklich der richtige Weg ist.

Der Weg führt zunächst durch eine ziemlich breite Einkaufsstraße. Die Läden haben des nachts geschlossen, die Straße entsprechend bis auf wenige Einwohner und uns Touristen menschenleer. Trotz der späten Stunde sind eine Menge Motorräder unterwegs, die fernab aller Regel ihren Weg suchen und beim Finden nicht eben rücksichtsvoll sind, weder gegenüber den anderen Fahrern noch gar gegenüber den Fußgängern.

Nach knappen hundert Metern wenden sich unsere Schritte nach links, Über der Straße hängen Hinweisschilder auf Riads, die auf diesem Wege zu erreichen sind. Es sind nicht wenige. Die Straße wird enger und dunkler, links und rechts gehen Gänge ab, die zum Teil überbaut sind. Es gibt hier nur noch wenige Motorräder. Nach weiteren hundert Metern eine weitere Wendung nach links und nach ein paar Schritten nach rechts.

Die Straße ist jetzt endgültig ein Gang, wenig mehr als zwei Meter breit, von hohen, fensterlosen Mauern begrenzt und ziemlich dunkel. Niemals hätte ich diesen Weg ohne vertrauenswürdige Begleitung gefunden oder gar betreten.

Unser Guide klingelt an einer niedrigen, unscheinbaren Tür. Sie öffnet sich, und wir werden warm und freundlich empfangen.

Hinter den Mauern öffnet sich – wie erhofft – ein kleiner Garten mit Baum und Wasserbecken. An den Seiten finden wir unter Arkaden gemütliche Sofas. Oben sieht der nächtliche Himmel hinein. Wir bekommen nicht nur die Zimmerschlüssel, sondern als Begrüßung ein Glas heißen, süßen Tee. Das ist gute Sitte in Marokko und arabischen Staaten.

Den späten Gast erwartet eine einladende Tafel.Marrakesch

Den späten Gast erwartet eine einladende Tafel.

Wir passieren einen langen schmalen Raum, in dem für uns eingedeckt ist. Es gibt trotz der späten Stunden – auch in Marrakesch geht es jetzt auf 23:00 Uhr – noch ein Nachtmal. Durch eine zweite Tür gelangen wir in einen weiteren Innenhof, auch wieder mit einem Wasserbecken mit der Anmutung eines kleinen Pools.

Eine Treppe, wie alle Treppen in Marokko ohne Handlauf, führt nach oben. Das Zimmer ist erstaunlich groß, die Fenster gehen zum Innenhof hinaus, so dass wir morgens von Vogelgezwitscher geweckt werden. Manchmal aber auch vom Muezzin. Andere Teilnehmer finden ihr Zimmer im Erdgeschoss oder im ersten Innenhof. Trotz der langen Anreise finden sich alle Teilnehmer zur Tafel ein, um sich zu stärken und zu erfahren, wie das weitere Programm aussieht. Wir lernen schnell, dass alle Programme und Pläne vorläufig sind und jederzeit revidiert werden können.

Medina von Marrakesch

Andere Länder, andere Sitten. Die praktische Auswirkungen dieser Lebensweisheit lernen wir beim Frühstück kennen. Die Auswahl ist begrenzt, zwischen süß und klebrig und sehr süß und backsig. Immerhin, der Kaffee hat gewohnte Trinkstärke mit der erhofften Wirkung auf müde Augen. Die Baguette-Scheiben werden mich von Zeit zu Zeit über den Tag retten. Wer Marokko als Gourmet-Tourist besucht, wird mutmaßlich enttäuscht. Ich habe keine Ahnung, was die Leute mit den vielen Gewürzen auf den Märkten machen: in den Küchen der Restaurants sucht man sie vergebens. Ich verzichte auf der Reise in vielen Fällen auf einen Restaurantbesuch: es gibt viel zu entdecken in Marokko. Gastronomische Highlights sind es nicht.

Gesehen in der Medina von Marrakesch: eine Frau kauft mit Unterstützung ihres Kindes an einem kleinen Stand Lebensmittel.

Gesehen in der Medina von Marrakesch: eine Frau kauft mit Unterstützung ihres Kindes an einem kleinen Stand Lebensmittel.

Bei Tag sieht die Medina schon etwas freundlicher aus und verheißt fotografische Herausforderungen. Die Reisegruppe trifft sich ausgeschlafen auf der Dachterrasse des Riads und lernt sich sich und den Plan für unsere Rundreise kennen.

Als erstes erkunden wir die Medina. Die Läden und Werkstätten haben geöffnet. Fußgänger, Motorradfahrer und Kleinlaster teilen sich die meist engen Verkehrsfläche. Dabei steht das schnelle Vorankommen im Vordergrund, nicht das Einhalten von Verkehrsregeln oder die Rücksichtnahme auf andere Verkehrsteilnehmer.

Links und rechts säumen Werkstätten und Verkaufsstände den Weg. Erstaunlich viele Werkstätten bieten Dienstleistungen für Fahrräder an. Tatsächlich sind viele Menschen mit einem Drahtesel unterwegs. Hier und da öffnen sich kleine Durchgänge zu respektablen Innenhöfen. Auch hier bieten Händler und Handwerker ihre Produkte an. Gewürze und Kräuter, Schmuck und farbenfrohe Kleidung: hier findet der Fotofreund die erhofften Motive.

Das klassische Bild beim Schlendern durch die Medina vom Marrakesch. An vielen Ständen werden Gewürze und Kräuter angeboten.

Das klassische Bild beim Schlendern durch die Medina vom Marrakesch. An vielen Ständen werden Gewürze und Kräuter angeboten.

Auch Tiere, wie dieses Chamäleon werden auf den Märkten in der Medina von Marrakesch feil geboten.

Auch Tiere, wie dieses Chamäleon werden auf den Märkten in der Medina von Marrakesch feil geboten.

Auch andere Erwartungen erfüllen sich: Bakschisch. Auf Schritt und Tritt springt jemand auf den Fotofreund zu und hält die Hand auf. Die Amateur-Models sind dabei nicht zimperlich im Eintreiben ihres Entgeltes.

Von den Häusern hängen in den oberen Stockwerken Teppiche herunter. Zum Lüften oder zum Verkaufen? Wer weiß das schon.

Neben Kunsthandwerk, Klamotten und Gewürzen findet der Besucher auch Tiere. Ein Chamäleon turnt auf seinem Käfig herum und lockt zahlende Fototouristen an.

Hier finden Sie ein paar Eindrücke, die ich beim Schlendern durch die Straßen, Gassen und Wege der Medina von Marrakesch festgehalten habe.

Am Straßenrand tauchen wir überraschend in die Geschichte der Werkzeugmaschinen ein. Kunsthandwerker bieten neben kleine Holzkästen mit Geheimfach auch Schachfiguren und kleine Anhänger an. Zum Drechseln verwenden sie Knochen und Holz.

Die Handwerker drechseln diese Figuren direkt vor Ort auf einer Schnurzugdrehbank. Sie schnurrt, von Hand mit einer Spindel betrieben, seit Pharaos Zeiten. Die erste bildliche Darstellung dieser Drehmaschine stammt aus dem Grab des Petrosiris (~300 v.u.Z), die ersten sicher als gedrechselten erkannten Werkstücke sind schon aus der frühen Bronzezeit bekannt. Sehen Sie hier ein Video von der Schnurzugdrehbank von der Herstellung des kleinen Anhängers.

Auf dem Boden sitzen Kunsthandwerker und produzieren mit einer Schnurzugdrehbank Anhänger und schachfiguren. Marrakesch

Schnurzugdrehbank

Für diesen Anhänger hat der Kunsthandwerker in Marrakeschauf der Schnurzugdrehbank eine Minute gebraucht.

Herstellungsdauer: eine Minute .

Die eine Hand führt den Bogen der Spindel und sorgt für den Schnurzugantrieb (Fiedelbogenantrieb), ein Fuß bedient das Werkzeug. Es ist zwischen die Zehen geklemmt. Ein Handwerker stellt für uns einen Anhänger her. Werkzeug wie Arbeitshaltung mögen den Besucher Gefühle zwischen „armselig“ und „ungesund“ entlocken: das Ergebnis ist in weniger als einer Minute fertig, inklusive dem freischwingenden Ring. (Literatur: Mommertz, Karl- Heinz: Bohren, Drehen und Fräsen, Geschichte der Werkzeugmaschinen; Reinbek 1981)

Eine Alternative zu den Diesel-Stinkern? Eselskarren in Marrakesch

Eine Alternative zu den Diesel-Stinkern? Eselskarren in Marrakesch

Auch beim Transportwesen fühlt sich der Besucher einige Jahrzehnte zurückversetzt. Wenig Stickoxid, dafür reichlich Feinstaub und übelriechende Abgase. In den engen Straßen und Wegen der Medina bahnen sich Motorräder, Liefer-Dreiräder und auch Fahrräder unbeeindruckt von den Fußgängern ihren Weg. Die Vehikel sind zum Teil grotesk überladen.

Wer Alternativen zu Schummel-Dieseln sucht, findet hier Anregungen für die Bewältigung von Transportaufgaben.

Koranschule Medersa Ben Youssef

Wie so oft erleben wir, dass sich interessanten Momente hinter Türen, Toren und unscheinbaren Durchgängen verbergen. Das betrifft nicht nur Höfe mit Läden und Werkstätten, sondern auch die ehemalige Koranschule Medersa Ben Youssef. Das Ensemble ist heute ein Museum.

Die Wände im Innenhof der ehemaligen Koranschule in Marrakesch sind mit Fliesenmosaiken, Stuckornamenten und Kalligrafie im Stuck versehen

Die Wände im Innenhof der ehemaligen Koranschule

Ein Kalligraf bietet im Innenhof der ehemaligen Koranschule in Marrakesch seine Dienste an

Kalligraf im Innenhof der Koranschule

Die Koranschule wurde bereits im 14. Jahrhundert gegründet, das jetzige Gebäude stammt aus dem 16. Jahrhundert. Im Innenhof befindet sich das obligate Wasserbecken, das zum Zeitpunkt unseres Besuches allerdings leer ist. An den Wänden befinden sich Fliesenmosaiken und kalligrafische Koranverse in Form von Stuckornamente.

Der Eindruck ist weit von der Komplexität und Formenreichtum in Isfahan und anderen Moscheen in Iran entfernt, ist aber auf jeden Fall einen Besuch wert. Die Besucher dürfen auch die ehemaligen Schlafsäle der Koranschüler in der oberen Etage besuchen.

Die Moschee schließt sich hinteren Teil des Innenhofs an und bietet eine sehenswerte Gebetsnische (Mihrab). Die Gebetsnische in Moscheen zeigt immer nach Mekka.

Im Innenhof bietet ein junger Mann mit sehr blauem Turban seine Künstler als Kalligraph an. Flugs war für die Gruppe eine Aufgabe formuliert: „Porträtiert den jungen Mann mit dem dekorativen Turban und dem tief-sinnigen Blick!“

Gesagt – getan!

Museum Douriria de Mouassine

Wir besuchen das Museum Douriria de Mouassine. Es steht in den Reiseführern nicht an erster Stelle, lohnt aber auf jeden Fall des Besuch. Es widmet sich dem Erhalt marokkanischer Geschichte. Franzosen und andere Besatzer haben sich zielstrebig und ziemlich erfolgreich bemüht, die Geschichte Marokkos und der Berber vergessen zu machen. In dem Museum, das in Privatinitiative aus einem Riad entwickelt wurde, werden Fotos gesammelt und ausgestellt, mit denen marokkanische Identität vor de Vergessen bewahrt wird. Das selbst- und ungerechte Auftreten des europäischen Imperialismus hat nicht nur in Süd- und Nordamerika seine Spuren hinterlassen. Auch und gerade in Afrika muss sich der Besucher an jeder Ecke dem Erbe der europäischen Hegemonialpolitik stellen. Außerdem gibt es in dem Museum Ausstellungen zu traditioneller marokkanischer Kunst und Konzerte. Das Museum ist im Jahre 2015 nach vierjähriger Umbauzeit eröffnet worden.

Im Museum Douriria de Mouassine in Marrakesch werden Gesichter und Geschichten der Berber bewahrt.

Gesichter und Geschichte im Museum Douriria de Mouassine

Besuchergruppe im Museum Douriria de Mouassine in Marrakesch werden Gesichter und Geschichten der Berber bewahrt.

Besuchergruppe im Museum Douriria de Mouassine

Wir sind nicht nur lernende Besucher. Der Direktor des Museum, Patrick Manac’h,  führt uns mit ausführlichen Erläuterungen zu den ausgestellten Fotografien und der Geschichte des Hauses durch die Ausstellung.Er kauft auf Versteigerungen und im Antiquitätenhandel alte Fotografien mit Gesichtern und Geschichten des Marokkos vor oder während der Besetzung durch europäische Staaten und die USA auf.

An den Fotografien sollen wir uns abarbeiten. Die Aufgabe lautet, die großen Fotografien so abzulichten, dass keine Reflexionen oder Spiegelungen zu erkennen sind. Ich hätte mir ein paar eingrenzende Hinweise gewünscht, dass Fotografieren in Museen oft strengen Beschränkungen unterworfen ist und auf manchen Exponaten noch Urheberrechte liegen können.

Von der Dachterrasse haben wir einen ungetrübten Blick auf die Bergkette des Hohen Atlas. Wir trinken einen kleinen Becher Tee.

Exkurs: Marokkanischer Tee

Mit diesem Tee hat es seine Besonderheit. Kennen Sie auch dieses unwiderstehliche Aroma und den erfrischenden Geschmack von Tee aus frischer marokkanischer Minze?

Gut. Behalten Sie ihn in Erinnerung. Der Tee in Marokko ist stocksüß und wird augenscheinlich aus einer Art Granulat hergestellt. Zum Tee gehört eine Zeremonie, deren wesentlicher Teil darin besteht, mit einer Teekanne aus 60cm Höhe das Glas zu treffen. Das sieht akrobatisch aus.

Allerdings weiß ich nicht, was in der Flüssigkeit oxidiert werden muss.

Zurück zur Dachterrasse. Fern der Aufgeregtheit in den Gassen und Straßen legen wir eine kurze Pause ein, dutzende von Mauerseglern umschwirren die Häuser und fordern die Fotokünstler, sie auf den Chip zu bannen. Abends besuchen wir ein Konzert mit traditioneller Musik.

Der Platz der Gehenkten

Das muss ja wohl sein: Der „Platz der Gehenkten“ ([D]Jemlaa el Fna) steht in allen Reiseführern ganz weit oben auf der Liste mit den Sehenswürdigkeiten. Einst diente er den örtlichen Herrschern als Richtplatz, auf dem der Scharfrichter das Ergebnis seines Schaffens zur Abschreckung zu Schau stellte. Platz und Treiben wird gerne überhöht als „Herz von Marrakesch“ oder der „schönste Platz Afrikas“ dargestellt, Die Unesco hat dem Platz den Status eines immateriellen Weltkulturerbes zuerkannt.

Ebenso gut gälte das auch für das Bremer Sechstagerennen, das Alstervergnügen, den Hafengeburtstag oder das Münchner Oktoberfest.

Es ist eine lärmende, unübersichtliche Ansammlung von Gauklern, Tänzerinnen, Artisten, Taschendieben, Wegelagerern und einer Fressmeile. Die Kleinkriminellen machen sich oft nicht einmal die Mühe, ihr Vorhaben zu kaschieren. Sie marschieren zielstrebig auf ihr Opfer zu, sondieren ihre Chancen und können sich sicher sein, dass eine Verfolgung in der Menschenmenge aussichtslos ist. Verschraubte Rucksäcke und Stacheldraht in den Taschen sind Pflicht.

Fliegende Händler bieten Marken-Sonnenbrillen zu erstaunlich günstigen Preisen an. Ob man damit in Deutschland ungestraft durch den Zoll kommt, darf bezweifelt werden.

Der Platz der gehenkten in der Primetime: Viele Menschen, viel Rausch von Grills, viele Gaugler und Tänzer marrakesch

Der Platz der Gehenkten in der Primetime: Viele Menschen, viel Rauch von Grills, viele Gaugler und Tänzer

Fotografierende Touristen werden robust um Geld angegangen oder zum Löschen von Aufnahmen gezwungen, die verbotene Attraktionen wie Schlangen ablichten. Ähnlich rabiat werden Besucher zu den gastronomischen Angeboten gedrängt: wer noch mal erleben will, welches hohe Kulturgut der Hamburger Senat einst mit dem Verbot des handgreiflichen Ankobern auf dem Kiez beseitigt hat, kann das auf dem Platz der Gehängten noch in Reinkultur erleben.

Der Plan lautete: Abendessen auf dem Platz, dann Nachtaufnahmen mit Stativ vom Dach der Restaurants. Wie das so ist mit den Plänen … Unsere Gruppe beschloss, die Stative mitten im Gewühl der Touristen und Einheimischen aufzubauen. Auch die Lichtverhältnisse stellen eine große Herausforderung an unsere Fotofreunde dar. Auf jeden Fall entstehen dabei einige sehr hübsche fotografische Betrachtungen. Sie bleiben allerdings den Teilnehmern der Fotogruppe vorbehalten.

Bis zum Essen setze ich mich auf einen Treppenabsatz bei der großen Postfiliale am Rand des Platzes der Gehenkten. Der Ruf des Muezzin übertönt, elektrisch verstärkt, den Trubel auf dem Platz – und wird überraschend mit Pfiffen quittiert. Ein junger Mann wechselt abseits des Platzes im Halbdunkel in Frauenkleider und schließt sich einer Gruppe Frauen an.

Abseits des eigentlichen Trubel spüre ich dann doch ein bisschen von Magie des Ortes.

Ich komme mit einer Besucherin aus Frankreich ins – nun ja – Gespräch und lerne dabei: der Ursprung aller Sprachen und der Kommunikation ist nicht das Indo-Europäische, sondern das das Radebrechen mit begleitenden Hand- und Fußbewegungen.

Immerhin hatte unser Guide eine Restauration gefunden, die ansprechendes Essen bot. Wir knabbern an Spießen mit gegrillten Hähnchenfleisch und Gemüse. Über den Köpfen der Besucher erhob sich der Rauch diverser Grills, untermalt mit folkloristischen Gesangs- und Musikdarbietungen, für deren qualitative Einschätzung mir die Fachkenntnisse fehlen.

Nach dem Essen setzen wir den ursprünglichen Plan um. Die Gruppe trifft sich auf der Terrasse eines Restaurants, um sich in Nachtaufnahmen zu üben Ich verzichte auf die Übung und schließe mich der kleinen Gruppe an, die es in das schmuckes Restaurant Dar Donab in der Medina zieht. Es lockt mit einem kühlem, einladenden Innenhof mit viel Ruhe und einem funktionierenden Rotweinausschank.

Koutoubia-Moschee

Vor dem Platz der Gehenkten gibt es eine quirlige Straße, auf deren anderer Seite die Koutoubia-Moschee liegt.

Das Minarett der Koutabia-Moschee in Marrakesch

Das Minarett der Koutabia-Moschee in Marrakesch

Sie ist von einem interessanten Ruinenfeld mit symmetrisch angeordneten Säulenbasen umgeben. Man sieht es der KoutoubiaMoschee (Moschee der Buchhändler) nicht an: sie ist schlanke 650 Jahre alt und die größte Moschee in Marrakesch. 25.000 Gläubiger finden in ihr Platz. Wie auch der gegenüber liegende Platz der Gehenkten befindet sich die Moschee der Buchhändler außerhalb der Medina. Wir umkreisen das Bauwerk, ohne es zu besichtigen und ohne uns eine bildgebende Aufgabe zu stellen. Leider habe ich auch im Nachgang nicht herausgefunden, welche Bedeutung die Ausgrabung hat.

Die Moschee ist aus Stampflehm errichtet, das Minarett aus Sandsteinblöcken.

Mit über 70m Höhe ist das Minarett ein weithin sichtbares Wahrzeichen  von Marrakesch – und steht bei den Reiseführern ganz weit oben auf der Empfehlungsliste. Wir sind um die Anlage herumgegangen. Ob man die Moschee besichtigen kann, weiß ist nicht.Ich habe schon beide Varianten erlebt: Ungäubige dürfen das oder eben auch nicht.

Jardin Majorelle

Auch der Jardin Majorelle, der botanischen Garten, den einst ein mittlerweile vergessener Maler namens Majorell anlegen ließ, ziehen die Reiseführer hohe Wertungskärtchen.

Wir erreichen den Garten von unserem Quartier aus mit mehreren Taxis. Die rituellen Verhandlungen um den besten Preis ertragen wir mittlerweile mit stoischer Gelassenheit.

Die Schlange der Wartenden vor der Kasse ist überschaubar. Die Vorsaison ist Dein Freund. Vor dem Garten verlegen ein Dutzend Arbeiter neues Kopfsteinpflaster. Ein Stand mit Leihfahrrädern unterstreicht die Bedeutung des Drahtesels für die Stadt.

Besucherin im Jardin Majorelle

Besucherin im Jardin Majorelle

Im Jardin Majorelle in Marrakesch gehen Grün und Kobaltblau eine sehenswerte Verbindung ein.

Kobaltblauer Säulengang im Jardin Majorelle

Touristen zahlen für den Eintritt fast das doppelte vom Preis für Anwohner. Es fehlt hier eindeutig ein Diskriminierungsverbot. Wir betreten den Garten mit dem naheliegenden Auftrag, den Zauber des Gartens mit seinen farbenprächtigen Pflanzen, aufwendigen Gestaltungsdetails und nicht zuletzt mit dem unbeschreiblichen Kobalt-Blau fotografisch einzufangen. Wer es nicht gesehen hat, glaubt es nicht: dieses Blau (Majorelle-Blau) ist wie ein Unfall, nicht schön, aber man muss hingucken. Wir haben eine Zeit angepasst, in der die Sonne das perfekte Licht für unser Vorhaben liefert.

Das besondere Blau, das sich einer bildlicher Wiedergabe entzieht, schlägt auf allen Sichtachsen durch. Die Mauer zur Straße ist von einem rauschenden Vorhang von prächtigen Bougainvillea verhüllt. Dass diese pompösen Pflanzen auch Drillingsblumen heißen, erfährt man erst durch Wikipedia. Ber dass sie zur Familie der Wunderblumengewächse gehören, glaube ich nach dem Eindruck in dem Garten vorbehaltlos.

Bis auf das Grabmal von Yves Saint Laurent gibt es allerdings in dem Garten nicht viel mehr zu sehen als in jedem gut sortierten botanischen Garten mit angeschlossenem Gewächshaus. Yves Saint Laurent hat den Garten einst gekauft und ihn so dovor bewahrt, mit einem Hotel überbaut zu werden. Dass er seine Asche im eigenen Rosenbeet hat verstreuen lassen, ist aber etwas übertrieben. Immerhin kann man der Besucher von sich sagen: „Ich steh‘ auf Yves Saint Laurent.“

Dieser Bericht wird mit Wort und Bild fortgesetzt. Kommen Sie gerne wieder vorbei.

Am Frankfurter Flughafen

Das geschwungene Glasdach vom Flughafenbahnhof in Frankfurt ist ein Augenschmaus.

Abenteuer Teil 2: Flughafen Frankfurt

Mein Abenteuer wartet in Marokko. Und davor hat die Reiseplanung den Flughafen Frankfurt gesetzt.

Das geschwungene Glasdach vom Flughafenbahnhof in Frankfurt ist ein Augenschmaus. Bahnanreise Flughafen Frankfurt

Das geschwungene Glasdach vom Flughafenbahnhof in Frankfurt ist ein Augenschmaus.

Der Weg vom Bahnsteig im Bahnhof des Flughafens zum Terminal ist von einigen Irrungen und Wirrungen gekennzeichnet. Der Wegweiser zum Ausgang wird diskret von einer Werbefläche verdeckt. Der Umweg gibt Gelegenheit zu einem halbwegs preiswerten Imbiss.

Wer’s nicht weiß, kommt nicht drauf: das Terminal 2 ist vom ICE-Bahnhof nur per Bus zu erreichen. Eine sehr lange Rolltreppe bringt mich zum vom Bahnhof zum Shuttle-Bus.

Der Hinweis: „Bus zum Terminal 2“ steht groß auf der Fahrbahn vor der Bushaltestelle. Allerdings sieht man den Hinweis nicht, wenn ein Bus darauf steht. Auch das übermannshohe Hinweisschild auf den Shuttle-Bus half nicht, weil es von dem Hinweis auf den Shuttle-Verkehr zu einer Messe verdeckt wird.

Aber ich habe genügend Zeitpolster, und so lerne ich die Hilfsbereitschaft der Frankfurter und ein paar öde Ecken des Frankfurter Flughafens kennen.

Die Sicherheitskontrolle

Kein Flug ohne die Rituale der Sicherheit.

Nein, ich möchte mich nicht von den ultrakurzen Strahlen abtasten lassen und bitte darum, dass ein Mitarbeiter meine mitgeführten Hieb- und Stichwaffen manuell findet. „Warum?“ will eine nette Dame wissen. „Weil Sonntag ist,“ versuche ich eine Erklärung. „Das gilt nicht;“ entscheidet die Dame, noch lächelnd. „Weil es Arbeitsplätze sichert!“ versuche ich es sozialverantworlich. „Das geht auch nicht“, lautet der Bescheid. „Weil ich die Strahlenbelastung nicht vertrage!“. Das funktioniert.

„100%-Kontrolle“ raunt ein Ober-Kontrolleur seinem Hiwi zu. Der Fluggast beginnt sich sorgenvolle Gedanken zu machen, wie viel Sicherheit denn wohl die automatisierten Kontrollen bieten.

„Oh, ja! Guut: da bin ich immer so verspannt,“ bitte ich den Kontrolleur um eine intensivere Suche im Bereich meiner Schulter. Er nimmt es mit Humor und wickelt das Programm routiniert und korrekt ab. Meinen Laptop muss ich nicht einschalten, aber die Flasche mit nominell 25cm³ Sonnenschutzmittel erregt den Mann an der Durchleuchtung. „Das muss man anmelden.“ behauptet er. Er hat recht, aber ich darf das Fläschchen behalten. Ich sichere meine Brieftasche mit den Reiseunterlagen, Ausweisen und Moneten. Dann suche ich einen freien Platz, an dem ich meine Wanderstiefel wieder anziehen kann.

Das dauert. Der Durchleuchter wird ungeduldig und lässt jegliches Verständnis für den Hinweis vermissen, dass es weder meine Idee war, die Schuhe auszuziehen, noch, die Zahl der Stühle so gering zu halten.

Ich packe den zerwühlten Inhalt meines Rucksacks zunächst mal ganz aus und dann wieder so ein, wie ich das vorgesehen hatte.

Sicherheitskontrollen sind immer wieder Labsal für die geschundene Fluggastseele. Wo erfährt man in diesen herzlos durchrationalisierten Zeiten noch so viel Zuwendung.

Und dann dieses unbeschreiblich leichte, zufriedene Gefühl von Sicherheit, das mich die nächsten Stunden umflort.

Fotoreise nach Marokko

Der Hauptbahnhof von Hamburg ist über 100 Jahre alt.

„Fotoamateure sind die Pest!“

Die Klage der Rundfahrt-Touristen ist allen Foto-Freunden ebenso bekannt wie die Klage der Fotografen über die Hektik, mit der Reiseleiter ihre Schäfchen von Besichtigung zu Besichtigung treiben und dabei schon mal einen Lichtbildner verlieren.

Fotografen unter sich Marokko

Fotografen unter sich

Wie entspannend ist es da, nur mit Fotofreunden unterwegs zu sein: Da ist die Suche nach der richtigen Perspektive und das Warten auf das richtige Licht wichtiger als ein weiterer Palast oder die dritte Moschee.

Man fachsimpelt über den Goldenen Schnitt, den Zusammenhang von Blende, Zeit und Schärfentiefe und vergleicht die Ergebnisse gemeinsamer Exkursionen. Und keine zappeligen Touristen, die die meditative Betrachtung der Welt stören.

Für Fotografen besteht die Welt vor allem aus Motiven und der Herausforderung, aus Motiven ansprechende, anrührende, spektakuläre und unvergessliche Bilder zu formen.

Gedacht, gesagt, gebucht: eine Reise mit Fotofreunden nach Marokko!

Marokko! Schon das Wort weckt Assoziationen! Landschaften zum Träumen, Farben, Menschen und Leben in den Medinas! Orient meets Atlantik!

Dass ich nicht schon eher auf die Idee gekommen bin.

Der gemeinsame Flug startet ab Frankfurt. Ich reise mit der Bahn an und notiere, was mir auf der Reise durch den grauen Sonntagmorgen auffällt.

Abenteuer Teil 1 Anreise mit der Bahn

Die gemeinsame Anreise der kleinen Gruppe beginnt am Flughafen von Frankfurt. Die Bahnanreise ist so schon das erste Abenteuer: Reisen mit der Deutschen Bahn!

Der Hauptbahnhof von Hamburg ist über 100 Jahre alt. Bahn

Der Hauptbahnhof von Hamburg ist über 100 Jahre alt.

Es ist Sonntag, früh am Morgen. Um die richtige Wagenreihung muss ich mir keine Sorgen machen: ich habe gar nicht reserviert. Der ICE ist nahezu menschenleer, und er verlässt den Hauptbahnhof in Hamburg pünktlich.

Die Fahrt durch die verregnete, nebelgraue und trostlose Landschaft ist nichts für depressive Mitmenschen. Je nach Geschwindigkeit des Zuges variiert der Winkel der Regenschnüre am Abteilfenster. Hier und da stehen Wiesen unter Wasser. Büsche und Bäume warten zerzaust und zerrupft darauf, mit frischem Grün in den Sommer zu starten. Ein Rudel Rehe knabbert am frischen Grün einer Aussaat. Sie heben nicht mal den Kopf, als der ICE lautstark an ihnen vorbeirast.

Die meisten Orten bleiben hinter Lärmschutzwänden unsichtbar. Der Fahrgast registriert die Vielzahl von unterschiedlichen Konstruktionen. Ob sie den Anwohnern dahinter wirklich mehr Ruhe vor dem Kreischen, Rattern und Scheppern der Züge bringt oder nur mehr Schatten? Das bleibt ungewiss angesichts der Energie, mit der ein ICE oder seine lärmende Verwandtschaft, die Güterzüge, durch Felder, Wälder und Städte scheppert.

Grau ist auch eine Farbe

In Hannover wartet der ICE auf einen verspäteten Zubringer. Ich liebe es, wenn Erwartungen erfüllt werden. Nach der Abfahrt lösen sich die Perlenschnüre des Regens auf und geben den Blick auf das Bahnhofstreiben frei. Ein Metronom zieht seiner Wege. Die Dächer über den Bahnsteigen sind grün. Algen und Moos sind hier schon lange nicht mehr entfernt worden. Aber Rost ist auch ein Bindemittel. Vielleicht gilt ähnliches auch für verrottete Dächer.

Zahlreiche Wände mit Graffitis ziehen die Aufmerksamkeit auf sich. Wir trist wäre doch die Stadt ohne diese Farbsprengel. Das UFO der Landesbank zeugt von dem Versuch der Stadtväter, Hannover architektonisch ins 20. Jahrhundert zu katapultieren. Die gläsernen Tunnel am Messebahnhof setzen diesen Versuch fort. Bald verschwinden Architektur und Natur hinter Tunnelwänden.

Zwischen den Tunnelstrecken fällt der Blick auf weite, menschenleere Landschaften, hier und da ein Gehöft. Da und dort zeugen Tanks und Lagerflächen von alternativer Energieerzeugung. Surrealistisch steht ein PKW einsam und verlassen auf freier Fläche auf einem Feldweg. Gassigeher? Jogger? Und warum da und nicht an der Teerstraße? Bahnfahrer genießen das Privileg, Gedanken und Aufmerksamkeit gefahrlos schweifen zu lassen. Und noch ein Genuss steckt in Form eines Bahnmitarbeiters den Kopf ins Abteil: ob es wohl ein Kaffee sein dürfte? Kaffee am Platz?! Hallo! Ich sitze in der 2. Klasse! Aber er meint es ernst und recht mir gegen kleine Münze einen anständigen Pott Kaffee. Pluspunkt Bahn.

In Göttingen drängt sich Architektur auf, die sichtlich in der Lego Krabbelgruppe einer konservativen Elternschaft entstanden ist. Als Kontrapunkt steht auf einem Abstellgleis ein uralter Güterwagen. Vielleicht entsteht hier ein Eisenbahnmuseum. Neben der sonntäglich leeren Autobahn steht ein uringelber Klinkerbau: eine Haftanstalt – aber ohne Autobahnanschluss.

Auf einem Bahnhof wirbt Duderstadt für „StartUp Cluster Landlust meets Future Technologies“. Was man so alles auf einer Bahnfahrt durch Deutschland lernen kann: StartUp Cluster in Duderstadt!

Die Fulda mäandert sich archaisch durch die Äcker. An ihren Ufern erweisen Trauerweiden ihrem Namen alle Ehren. Nebel und Regenschauer verhüllen den Blick gnädig oder stanzen die Konturen aus dem düsteren Hintergrund heraus. Der Blick auf die Fulda ist die Ausnahme. Der ICE kachelt über eine Strecke, die extra für ihn gebaut wurde: immer gerade aus: Brücken überspannen Täler, Tunnel verdeutlichen dem Berg: nichts hält die Bahn auf ihrem geraden Weg auf. Wo es weder Tunnel noch Brücken gibt, rast der Zug in Wannen aus Erde oder Beton. Ob sie dem Lärmschutz dienen oder der Streckenführung geschuldet sind, ist ungewiss. Jedenfalls ist nichts zu sehen. Es ist wie mit den Tunneln: sie sind keine Sinnenfreuden, sondern zweckmäßig. Man besteigt die Bahn ja nicht mit der Hoffnung auf abwechslungsreiche Landschaften, sondern um ein Ziel möglichst störungsfrei und pünktlich zu erreichen.

Die Fahrt durch die Städte lässt vielerorts auch beim Bahnreisenden den Wunsch nach mehr Lärmschutz wach werden: zu trist ist der Anblick von verblassten Graffitis, schummrigen Eingängen zu Spielsalons und leblosen Innenstädten. Nur der Zug, der 60 Container nach Bremerhaven oder Hamburg zieht, lupft einen Zipfel vom grauen Mehltau der Provinz hoch und zeigt: es gibt außerhalb des Kleinstadtmiefs, der Klärwerke, Haftanstalten, veralgten Wohnsilos, Schrebergärten und Arbeitsagenturen noch eine Welt der Farben und Abenteuer.

Mein Abenteuer beginnt in Marrakesch. Auf dem Weg dahin muss ich aber noch das Abenteuer „Flughafen“ bestehen.

Klassik-Disko im Hamburger Untergrund

Farbe und Intensität der Leuchtkörper werden in Abhängigkeit zur (klassischen) Musik gesteuert. Klassik-Disko mit Lightshow

Durch Zufall entdeckte ich im Hamburger Untergrund eine Klassik-Disko mit Lightshow.

Die Bahnhöfe der Hamburger U-Bahn sind schon sehr individuell. Jeder Bahnhof sieht anders aus, hat andere Fliesen oder andere Leuchten oder Treppen.

Das ist im Zeitalter der praktizierten Nüchternheit schon mal etwas Besonderes. Die U-Bahn-Station „Hafencity Universität“ der U4 ist die jüngste Haltestelle im Hamburger U-Bahn-Netz.

Haltestelle Hafencity Universität

Man kann schnöde Fahrstuhl oder Fahrtreppen benutzen oder schreitet die über 100 Stufen zum Bahnsteig hinab. Die Treppen sind sehr schön symmetrisch angeordnet und führen zu einem Bahnsteig, dessen Wände in stählernden Blautönen changieren. Über dem Bahnsteig ist bemerkenswert viel Luft – die Haltestelle wurde im offenen „Tagebau“ gebaut.

Der Bahnsteig wird durch eine lange Reihe, mittig angeordneter Leuchtkästen ausgeleuchtet. Sie haben einen quadratischen Querschnitt mit ca. 1,80 Seitenlänge und eine Länge von vielleicht 3m.

Sie spenden angenehmes Licht. Soweit normal, soweit gut.

Aber es kommt besser.

Wer auch immer – die Hamburger Hochbahn als Betreiber der Linie U4 oder die naheliegende Hafenuniversität – hat sich ein besonderes Spektakel ausgedacht.

Klassik-Disko mit Lightshow

Immer am Wochenende und Feiertagen zwischen 9:00 und 18:00 verwandelt sich die Haltestelle in eine Klassik-Disko mit Lightshow. Das Video zeigt zwar die Lichtinstallation, aber nicht das Zusammenwirken mit der Musik.

Zuschauer beobachten die Lightshow in der U-Bahn-Station Hafencity Universität Lightshow Hamburg U-Bahn

Zuschauer beobachten die Lightshow in der U-Bahn-Station Hafencity Universität

Die verwendeten Stücke sind urheberrechtlich geschützt und werden von Youtube vermeckert. Sehenswert ist das Video allemal: wer hätte gedacht, dass die nüchternen hanseatischen Pfeffersäcke so viel Sinn für Licht-Klang-Installationen, für Kunstinstallationen im öffentlichen Raum haben? Der Eintritt ist frei: ein gülter Fahrausweis reicht.

Die Haltestelle liegt in fußläufiger Entfernung zur Elbphilharmonie und ist ein perfekter Ausgangspunkt für einen Abstecher in die Hamburger City: Ausstieg Jungfernstieg.

Aber machen Sie sich keine falschen Hoffnungen: Am Pferdemarkt gibtt’s keine Pferde, am Gänsemarkt keine Gänse und am Jungfernstieg keine …

Dazu passt ein anderer Einfall, der musikalisch den Großstadtlärm bricht: der singende Kanaldeckel von Hannover.

Farbe und Intensität der Leuchtkörper werden in Abhängigkeit zur (klassischen) Musik gesteuert. Lightshow Hamngur U-Bahn

Farbe und Intensität der Leuchtkörper werden in Abhängigkeit zur (klassischen) Musik gesteuert

Hüllenlos Walken am Strand von SPO

Nackter Walker vor dem Brandenburger Tor

Neulich am Strand von SPO St. Peter Ording. Ein Badegast stakst zwar nackt und hüllenlos über den Strand durch Standburgen. Er verzichtet dabei natürlich nicht auf seine Stöcker. Sie geben ihm in diesen unruhigen Zeiten Sicherheit und Orientierung.

Nackt Walking in SPO

St. Peter Ording ist das perfekte Reiseziel, wenn man hüllenlos über den Strand laufen will, ob mit oder ohne Stock: Kilometerlanger textilfreier Sandstrand. Einmal hin und zurück, dann ist man vorne wie hinter gleichmäßig gegrillt und kann sich eine kühle Blondine zur Belohnung gönnen.

In jedem Fall ist ein wirksamer Sonnenschutz für den Kopf wichtig, weil andernfalls die Gefahr besteht, die Orientierung zu verlieren.

Findige Anbieter von Sportgeräten halten darum jetzt auch schon Nordic Walking Stöcker mit Navigationsgerät vor.

Unbeobachtet Nachrichten austauschen

In diesem Bild befindet sich eine Botschaft!

Nackt-Walker am Strand von St. Peter Ording mit Botschaft

Nackt-Walker am Strand von St. Peter Ording mit Botschaft

„Schluß mit Lustig!“, sagen unsere Schnüffler und geheimen Staatssicherheitsschützer. „Wir wollen wissen, was Du an wen schreibst. Und darum müssen wir dringend Deine eMails lesen und Deine Wege durchs Web kennen.“

Was tun? Tarnen und Täuschen! So geht’s

Mit einem simplen Hilfsprogramm – kostenlos!- verstecken Sie eine (Text-)Botschaft in einem Bild und veröffentlichen es. Irgend jemand weiß, welches Programm verwendet wurde  und wie das Passwort lautet: Zum Beispiel „anti“. Und schon kann er die völlig sinnfreie Einladung zu einem Picknick lesen.

Klicken Sie dazu auf das Bild und laden die Originaldatei herunter.

Das Stichwort heißt Steganographie. Sie verstecken Ihre Botschaft in einem unverdächtigen Bild. Das Prinzip ist uralt, aber noch mmer wirkungsvoll. Der Beobachter erkennt nicht, ob es sich bei dem Bild um einen „Geheimnisträger“ handelt oder nur einfach ein Bild ist.

Die Schwachstelle ist der Austausch des Passwortes. Es empfiehlt sich hier der Austausch verschlüsselter e-Mails. Natürlich sind auch andere Wege denkbar: seien Sie kreativ!

Das Bild ohne Botschaft sehen Sie hier.

Nackt-Walker am Strand von St. Peter Ording

Nackt-Walker am Strand von St. Peter Ording ohne Botschaft

Norwegian Jade – A new Ship in Port

Abends bilden die Treppen auf der Norwegian Jade ansprechende Motive

Gruß aus Amerika: Norwegian Jade

Sie kennen die AIDA-Flotte, sind mit „Mein Schiff“ auf Kreuzfahrt gegangen und haben auch schon mal einen Kurztripp mit der „Queen Mary 2“ gemacht? Und nun wollen Sie wissen, was auf der „Norwegian Jade“ anders ist. Lohnt sich das? Kann man das mal ausprobieren? Wie sind die Kabinen und der Service?

Am 6. Juni 2017 lief die „Norwegian Jade“ als erstes Schiff der Norwegian Cruise Line (NCL) den Hamburger Hafen an. Die Hamburg Port Authority überreichte wie bei jedem Erstanlauf eines Schiffes dem Kapitän eine Plakette. Das ist gute Sitte in der Branche. Und jeder Hafen, den das Schiff anlelaufen ist, ist mit einer Plakette oder einem Wappen auf der Brücke dokumentiert.

Der Kapitän, Kim Karlsson, der Norwegian Jade nimmt von der Port Authority die Begrüßungsplakette für den Erstanlauf in Hamburg entgegen.

Der Kapitän, Kim Karlsson, der Norwegian Jade nimmt von der Port Authority die Begrüßungsplakette für den Erstanlauf in Hamburg entgegen.

Die Begeisterung des Europäers im allgemeinen und der Deutschen im Besonderen für Kreuzfahrten blieb in den USA nicht unbemerkt. So hat die Norwegian Cruise Line (NCL) eines ihrer Schiffe nach Europa entsandt, um von dem Kreuzfahrtkuchen ein Stück abzubekommen: Me too!

Was erwartet den Gast auf der „Norwegian Jade“? Was ist anders als bei anderen Schiffen? Wo liegen Stärken und wo die Schwächen der „Norwegian Jade“?

Im Rahmen einer ausführlichen Besichtigung und einer kurzen Mitfahrt von Southampton nach Hamburg kann ich folgendes berichten:

Hier meine Zusammenfassung:

Man macht nichts verkehrt, wenn man eine Reise auf der Norwegian Jade bucht. Die öffentlichen Bereiche sind großzügig, es gibt veritable Sonnendecks, der Service, auch der in der Kabine, ist vorbildlich. Der Gast wird vielfältig unterhalten: im Theater mit ansprechendem Show-Programm, in den Bars und Sonnendecks mit Life-Musik, das gastronomische Angebot ist abwechslungsreich.

Hier die Punkte im einzelnen:

1. Die „Norwegian Jade“ ist ein amerikanisches Schiff.

Die Innenausstattung ist für den hiesigen Geschmack „zu fett“ Dunkle Holzpaneelen auch im Fahrstuhl und dem Sanitärbereich, aufwendige Spiegel und protzige Decken- und Wandleuchten.

Das ist die eine Seite.

Auf der anderen Seite nerven die schier unzähligen Hinweise zur Sicherheit:

„Prüfe beim Duschen, ob das Wasser richtig temperiert ist!“

„Benutze den Handlauf beim Treppensteigen!“

„Springe nicht in den Pool“!

„Achtung, die Speisen können Allergene enthalten!“

„Setz dich nicht auf die Reling!“

„Gehe mit deinen Kindern regelmäßig aufs Klo, wenn du mit ihnen im Pool spielst.“

Sogar vor der ebenerdigen Dehnungsfuge im Sonnendeck wird mit gelben Leuchtstreifen und Hinweisen gewarnt.

Man fragt sich, wie die Gäste auf deutschen Schiffen jemals ihr Ziel lebend erreichen konnten.

Gut, das Zauberwort heißt „Produkthaftung“ und kann den Anbieter in den USA viel Geld kosten, wenn er nicht auf mögliche Gefahren hinweist. Fehlt eigentlich nur noch der Hinweis:

„Achtung: Schild!“

Die „Norwegian Jade“ weist eine schier unglaubliche Servicedichte auf. Noch nie habe ich an Bord eines Kreuzfahrtschiffes so viele Leute gesehen, die sich um die Gäste bemühen. Und sei es auch nur, um einen „Guten Tag“ zu wünschen. Auch das ist Amerika. Kein Warten, dass der Tisch abgeräumt wird oder neues Besteck gereicht wird. Vielleicht tragen die Mitarbeiter auch ein unsichtbare Schildchen mit sich herum:

„Zeige dein schönsten Lachen, oder es wird dir vergehen …“

Die Innenarchitektur zeigt auch moderne und helle Entwürfe.

Die Innenarchitektur zeigt auch moderne und helle Entwürfe.

Erkennbar ist die Innenausstattung der „Norwegian Jade“ an vielen Stellen auf den aktuellen Stand gebracht worden. So wird der Gang durch das Schiff auch zu einer innenarchitektonischen Zeitreise: von protziger, autoritätsheischender Chefzimmerarchiektur zu minimalistischer, heller Willkommens- und Wohlfühlarchitektur.

Neue Gäste finden einen unterhaltsamen Zeitvertreib, herauszufinden, welcher Fahrstuhl zu welchen Decks führt und zu welchem Treppenhaus man von welchem Deck gelangt. Als kleine Hilfestellung zeigen die Fische im Muster des Teppichbodens alle zum Bug – bis auf den Roten, aber das war klar, der schwimmt zurück. Und an vielen Stellen gibt es Schaubilder: „Sie sind hier,“ auf erkennen kann, in welche Richtung man seine Schritten lenken soll.

2. Die „Norwegian Jade“ ist ein internationales Schiff

Bordsprache ist englisch, zwar gibt es deutschsprachige Mitarbeiterin in der Rezeption und wichtige Durchsagen werden auf deutsch wiederholt. Aber zum täglichen Bordleben sind grundlegende Englischkenntnisse unentbehrlich. Auch das Publikum ist international. Klar, es kommen viel Gäste aus den USA und Großbritannien, aber ich habe auch Gäste aus vielen anderen EU-Staaten getroffen. Das wirkt sich nicht nur auf die Anzahl der Sprachen aus, sondern auch auf das Benehmen. Wer nach AIDA-Gewohnheit das Buffet unter Einsatz seiner Ellenbogen stürmt und sich wahllos den Teller mit den verschiedensten Speisen vollschaufelt, wird sich auf der „Norwegian Jade“ sehr einsam fühlen.

3. Die „Norwegian Jade“ ist ein Zwei-Klassen-Schiff.

Es gibt auf Deck 14 einen „Haven“ (deutsch: Oase), für Bewohner einiger umliegender Suiten mit einem eigenen kleinen Pool, separatem Sonnendeck und einer exklusiven Sauna.

Die Idee, zahlungswillige Gäste zu einem kleinen Refugium inmitten der vielen anderen Gäste zu verhelfen, ist so neu nicht. Von der „Queen Mary 2“ erwartet man nichts anderes, auf der AIDAprima war die Einführung eines exklusiven Bereichs schon überraschend. Die Gäste im „Haven“ haben auch im Theater exklusive Plätze im Rang.

4. Die „Norwegian Jade“ viel Raum im öffentlichen Bereich.

Es gibt einen großen Außenbereich auf mehreren Sonnendecks. Nicht alle sind barrierefrei zu erreichen. Besonders das schönste auf Deck 15 ist nur über viele Stufen zu erreichen. Und mancher Gast wird es gar nicht finden. Schade, dass auch der Kollege den Weg nicht gefunden hat, der die Sonnenliegen aufstellen sollte. Die Außengastronomie am Heck von Deck 12 ist schnell zu meinem Lieblingsplatz geworden. Auch unter Deck findet der Gast viele Sitz- und Ruhemöglichkeiten.

Ein Promenadendeck führt um das ganze Schiff herum. der Bug ist zwar getunnelt, aber man kann einmal ums Schiff herumlaufen. Den Blick auf den Bug kann man übrigens von Deck 15 genießen. Das Promenadendeck ist breit, so breit, dass dort auch Liegen aufgestellt werden.

Norwegian Jade - Wer bei dieser Aussicht ein Buch liest, muss ein besonders spannendes Exemplar erwischt haben.

Wer bei dieser Aussicht ein Buch liest, muss ein besonders spannendes Exemplar erwischt haben.

In den Restaurants sind insgesamt mehr Plätze als Passagiere an Bord sind. Es gibt ein Zimmer, in dem sich der Gast mit Karten oder bereitliegenden Spielen die Zeit vertreiben kann. Die Bibliothek bietet zwar sehr wenig deutschsprachige Bücher, aber ein paar traumhafte Leseplätze mit Blick aufs Wasser. Dort kann man dann auch seine eigenen Bücher in Ruhe lesen.

Ein nettes Schmankerl ist der Raum, von dem der Gast jederzeit und ohne Anmeldung einen Blick auf die Brücke werfen kann.

Am Pool fällt eine Art Galgen aus. Mit ihm können auch gehbehinderte Gäste ins Wasser gehoben werden.

Das Unterhaltungsprogramm findet natürlich auch im Theater statt. Dessen sehr bunte und schwermütige Farbgebung ist nicht jedermanns Sache. Auf vielen Bühnen spielen Solisten und Combos easy-listing. Das hat mir gefallen. Life-Musik ist immer schöner als Fahrstuhlmusik vom Band.

5. Kabinen

Die Kabinen der „Norwegian Jade“ sind eher klein. Während der Besichtigung konnten wir viele Kabinenkategorien besichtigen. Und fast immer verließ ich die Kabine mit dem Gefühl, dass hier nur eine Schlafstelle, aber kein Rückzugsort geschaffen wurde. Einzig die großen Suiten bieten Raum zum Luftholen und entspanntem Sitzen. Auch hier gilt: es herrschen dunkle Farbtöne vor, die mit den üppig verwendeten dunklen Holzpaneelen gut zusammenpassen. Man muss das möge, sonst wird man unglücklich.

Die Brot- und Butterkabinen auf Deck 9 sind deutlich sparsamer. Es gibt zwar ausreichend Ablage- und Schrankraum auch für längere Fahrten. Aber zwischen Bett und Wand hat der Innenarchitekt nur sehr knappe 28cm Platz vorgesehen. Immerhin ist dort ein kleiner Nachtschrank eingepasst. Das andere Bett hat keinen Nachtschrank, weil daneben ein Schlafsofa steht – und wenn das kleine Sofa seiner Bestimmung als 3. Schlafmöglichkeit zugeführt wird, müssen die Gäste über das Fußende ins Bett krabbeln.

Der Sanitärbereich ist in drei Bereiche aufgeteilt: Waschbecken, Dusche, Klo. Alles schön in dunkler Holzoptik. Diese Aufteilung ist im Prinzip sehr praktisch, zumal es Schiebetüren gibt, mit denen man die Bereiche voneinander trennen kann. Allerdings ist der Bereich „Klo“ so knapp bemessen, dass ich beim Verrichten der ortsüblichen Geschäfte mit den Knien an die Wand stieß – die den Gast in dunkler Holzoptik umschmeichelt. Es ist mir schleierhaft, wie umfangreiche oder Gäste mit eingeschränkter Mobilität den Sanitärbereich nutzen können. Eine Alarmklingel wäre da bestimmt hilfreich, mit der man Hilfe holen kann, wenn man sich zwischen Becken, Wand und Schiebetür eingeklemmt hat.

In jeder Kabine gibt es mindestens eine Steckdose, die Geräte mit den gewohnten Steckern aufnehmen. Auch eine Kaffeemaschine ist vorhanden. Der Gebrauch war etwas rätselhaft. Aber dann hatte ich den Trick raus: man öffnet den Folienbeutel und entnimmt den Stoffbeutel mit dem Kaffeemehl. Den Beutel legt man in den Filter – und dann Wasser marsch! Die amerikanische Antwort auf die europäischen Kaffeekapseln.  in den Suiten stehen übrigens Kaffeemaschinen für die Kapseln eines bekannten Herstellers aus der Schweiz.

Wie auf allen Kreuzfahrtschiffen sind auch auf der „Norwegian Jade“ die Kabinen klimatisiert. Man kann die Temperatur sehr einfach einstellen, aber die Klimaanlage nicht ausschalten. Ich empfehle die Mitnahme von Malerkrepp, mit dem man den Kampf: zu kalt, zu warm für sich entscheidet – und einfach die Balkontür öffnet.

6. Kommunikation

Auf der „Norwegian Jade“ gibt es keinen Empfang für Mobiltelefone. Ich habe niemanden getroffen, dessen Provider mit einem möglichen eigenen Netz von NCL ein Roaming abgeschlossen hat. Wer also auch unterwegs per Telefon erreichbar sein will oder muss, sollte diese Tatsache in Erwägung ziehen. Auf der „Norwegian Jade“ ist man abseits der Häfen und Küsten mal weg!

Internet gibt es auch. Das WLAN deckt das Schiff gut ab. „Norwegian Jade“ bietet ausschließlich Zeit-Tarife an. Gemessen wird die Zeit, die Ihr Mobiltelefon oder Laptop braucht, um die gewünschten Daten zu empfangen oder zu versenden. Fairer ist ein Volumentarif. Gerade Satellitenverbindungen sind sehr langsam. Das Abrufen von Nachrichten nimmt entsprechend viel Zeit in Anspruch. Beim Volumentarif ist es egal, wie lange die Nachrichten brauchen, es ist wichtig, wie groß sie sind. Die Preisgestaltung für die Internet-Nutzung entstammt augenscheinlich noch der Zeit, als Internet ein kaum genutztes Medium mit Luxus-Charakter war. Hat es den Verantwortlichen noch niemand gesagt:

Internet ist wichtiger als Freibier!

7. Speisen und Getränke

Das Gartencafé auf Deck 12 hat einen sehr großen, angenehm beschatteten Außenbereich. Während der Fahrt war das Wetter zu schön, als dass ich es mir von drinnen hätte ansehen wollen. Es handelt sich um ein Buffet-Restaurant mit einem bemerkenswert großem Platzangebot.

Viele Gerichte gibt es mehreren Stationen und die Tresen stehen weit genug auseinander, um Zusammenstöße zu vermeiden.

Das Angebot ist größer als meine Möglichkeiten, es alles auszuprobieren. Es gab ein gelungenes Angebot indischer Küche, auch typisch deutsche Gerichte wie „Rheinischer Sauerbraten“ warteten auf entsprechende Frohnaturen.

Ich musste allerdings eine Hemmschwelle überwinden: es gibt nur quietsch-buntes Plastikgeschirr, wie es vorsichtige Eltern für den Kindergeburtstag einkaufen. Aber schlimmer geht immer: auch der Wein wird in dickwandigen Plastikgläsern ausgeschenkt. Ob dieses „Dining Erlebnis“ leger oder nur peinlich ist, muss jeder für sich entscheiden.

Das Angebot zum Mittag- und Abendessen wechselt täglich. Ich bin kein Restaurant-Tester und kann nur sagen, dass es mir von Konsistenz und Geschmack gefallen hat.

Die „Norwegian Jade“ ist, ich sagte das schon, ein amerikanisches Schiff. Vielleicht ist das der Grund, dass Bier und Cola in Flaschen und Dosen ausgegeben werden. Für Flaschen und Dosen werden überall an Bord Sammeltonnen für die Mülltrennung angeboten. Auch liebgewordene Frühstücksgewohnheiten fallen dem amerikanischen Ansatz zum Opfer: es gibt viele warme Speisen und vor allem sehr viel fette, und sehr viel süße Speisen. Ceralien sind vielleicht im Angebot, ich habe allerdings trotz Ablaufens aller Tresen keine gefunden. Und wenn die Mitnahme eigener Nahrung nicht streng verboten wäre, würde ich dem Liebhaber von Schwarzbrot die Mitnahme eines Notvorrates empfehlen.

8. Preispolitik

NCL bietet auf der „Norwegian Jade“ „All inclusive“-Pakete. Also dass, was der deutsche Konsument erwartet. Er handelt nicht, und gibt kein Trinkgeld, weil er für inkludiert hält. Die Entscheidung, „All inclusive“ Angebote einzuführen war für den amerikanischen Markt neu. In Deutschland folgen diesem Trend immer mehr Reedereien.

Es gibt Restaurants und Getränke, die auch bei „All inclusive“ nicht inkludiert sind. Aber das finde ich OK, auch eine Art von zwei Klassen-Gastronomie: wer mehr Geld ausgeben will oder besondere Wünsche hat, soll das ausleben, die anderen finden in dem Standard-Angebot alles, was man braucht, um auf der Kreuzfahrt Hunger und Durst gepflegt zu stillen.

Norwegian Jade Die Liegen am Pool haben etwas Soldatisches

Norwegian Jade Die Liegen am Pool haben etwas Soldatisches

9. Backstage

Die NCL (Norwegian Cruise Line) wurde tatsächlich von einem Norweger gegründet, und zwar von Knut Kloster im Jahre 1966. Es ist also ein vergleichbar junges Unternehmen, das aber höchst erfolgrich arbeitet und viel Mitbewerber übernehmen konnte. Die „Norwegian Jade“ entstand 2006 auf der Meyer-Werft als Pride of Hawaii. Es ist mit 11 Jahren ein ziemlich junges Schiff und im Vergleich zu ihren großen Schwestern mit maximal 2.500 (bei 1.000 Besatzung) fast intim. Es fährt unter der Flagge der Bahamas. Im Herbst 2017 verlässt die „Norwegian Jade“ die europäischen Gewässer und fährt wieder in der Karibik.

Mein Schiff 6

Mein Schiff 6 Treppenlandschaft

Mein Schiff 6

Die „Mein Schiff 6“ ist fertig geworden, drei Tage früher als geplant, und liegt jetzt am Kreuzfahrtterminal Hamburg Altona. Vor der Taufe durch die Titularorganistin* der Hamburger Elbphilharmonie, Iveta Apkalna, haben wir Gelegenheit, das neueste Schiff der TUI Cruises zu besichtigen. Es ist der vierte Neubau der TUI Cruises GmbH.

Dem Anlass angemessen reise ich mit einem Kreuzfahrtschiff an: Eine Fähre der Linie 62 bringt mich in 10 Minuten von den Landungsbrücken zum Kreuzfahrt-Terminal in Altona. Ein mitreisender Tourist sinniert beim Betrachten des Kolosses, dass der Name nicht stimmt: „Also, mein Schiff ist das nicht!“ Das hindert weder ihn noch andere Passagiere, das neue Kreuzfahrtschiff ehrfurchtsvoll zu fotografieren.

Fundamental Neues gegenüber den Schwesterschiffen gibt es nicht. Es gilt der Grundsatz „Kennste eine, kennste alle“.Neu ist die Hologramm-Show (Punkt 8).

Nun, ich kenne von der „Mein Schiff“-Serie nur die „Mein Schiff 3“ und das auch nur von außen. Ich bin neugierig, wie das Schiff von innen aussieht, wie es auf mich wirkt, und ich bin offen für neue Erfahrungen.

Hier sind sie in 10 Punkten und einem Bonus zur Taufgesellschaft mit Bildern:

1. „Mein Schiff 6“ ist noch ein Schiff

Moderne Kreuzfahrtschiffe haben oft kein Promenaden-Deck. Das ist das Deck, auf dem der Gast rund ums Schiff promenieren kann. Auf der „Mein Schiff 6“ ist das noch möglich. Der Weg ähnelt wegen der Rettungsboote zwar eher einer Tunnelstrecke mit Treppenschikane, aber der freie Blick vom Bug und Heck entschädigt für alles.

Mein Schiff 6: Blick hinauf zur Brücke

Mein Schiff 6: Blick hinauf zur Brücke

Außerdem gibt es Einkehrmöglichkeiten in die Außenbereiche zweier Restaurants. Fest montiert sind auf dem Promenaden-Deck auf beiden Seiten jeweils drei Aschenbecher. Da muss man dann durch.

2. „Mein Schiff 6“ hat ein Sonnendeck

Der Trend im Kreuzschiffbau geht zum Aquarium. Die Konstrukteure mühen sich nach Kräften, den Gast von den Unbillen der See wie Wind und Wetter fernzuhalten, indem sie möglichst viel Fläche überdachen. So ist der Bereich, in dem der Gast das spezielle Kreuzfahr-Feeling genießen kann, oft sehr begrenzt.

Die „Mein Schiff 6“ macht da eine lobenswerte Ausnahme. Man findet wohl Sonnensegel, die Schatten spenden. Aber der Wind streicht ungehindert über das Deck. Es gibt eine große Zahl von unterschiedlichen Liegestätten: von klassischen Liegen über Matratzen auf Podesten bis hin zu Lümmelwiesen.

Die Reling ist zwar verglast, aber nicht übermannshoch. So kann man noch die Nase in den Wind halten, ohne sie sich zu stoßen. Der Aufenthalt auf dem Sonnendeck bietet Ausblick auf das Treiben am Pool, das wohl eher ein Schwimmbad genannt werden muss: 25m Länge ist mal eine Ansage! Ein weiterer Pool, Lagune, ist kleiner, aber im Vergleich mit Pools anderer Schiffe immer noch respektabel. Eine Bar gibt es nur an dem 25m-Pool, Whirl-Pools neben beiden Badestellen.

3. Es gibt viel Platz auf „Mein Schiff 6“

Angenehm überrascht bin ich von dem Raumangebot auf „Mein Schiff 6“ in den öffentlichen Bereichen. Das beginnt auf dem Sonnendeck, das den Gästen Luft zum Atmen lässt, setzt sich fort auf den unteren Decks mit vielen Sitzmöglichkeiten und Ruhezonen und zeigt sich -last, but not least – in den Buffet-Restaurants. Der Raum zwischen Speisen und Tischen ist hinreichend breit, um Kollisionen und Rempeleien zu verhindern.

Mein Schiff 6 Leseecke

Mein Schiff 6 Leseecke

Es gibt genügend Sitzplätze in den Restaurants, so dass alle Passagiere gleichzeitig essen können. Darum gibt es auch keine „Schichten“. Viel Platz und die damit verbundene Ruhe genießt der Gast in der Bibliothek. Hier kann er Bücher oder auch eBook-Reader ausleihen – und wenn das Buch langweilig ist, einen Espresso trinken.

Für mich ist das Raumangebot in den öffentlichen Bereichen wichtiger als der inkludierte Schnaps.

Das Raumangebot in den Kabinen ist naturgemäß zurückhaltender. Auf unsere Rundgang sahen wir eine Junior-Suite und eine Standard-Balkonkabine. Sehen sie hier die Bilder der Kabinen. Immerhin kann man auf dem Balkon tatsächlich bequem sitzen.

4. Alles inklusive

Bis auf ganz wenige Ausnahmen ist mit dem Reisepreis jeglicher Verzehr abgegolten. Während sich der Gast bei anderen Anbietern mit einer Matrix über die inkludierten Leistungen orientieren muss, setzt man sich auf „Mein Schiff 6“ irgendwo hin, verzehrt, was beliebt und gut ist. Auch Sauna und Fitness-Geräte stehen ohne Zuzahlung zur Verfügung. Wie sich das betriebswirtschaftlich rechnet, muss den Gast nicht kümmern. „Mein Schiff 6“ ist klassenloses Schiff: alle Bereiche stehen jedem Gast offen. Auf jedem Deck gibt es zudem einen Wasserspender, an dem sich die Gäste ihre Karaffen auffüllen können.

5. Das zahlenmäßige Verhältnis von Personal zu Gästen ist befriedigend

Um die max. 2.534 Passagiere kümmern sich ca. 1.000 Besatzungsmitglieder. Das bedeutet zwar fürs Personal noch immer Stress, aber verglichen mit anderen Schiffen, bleibt schon mal Zeit für ein freundliches Lächeln. Je nach Auslastung kann die Besatzungsstärke schwanken: wenn 500 Kinder angemeldet sind, sind mehr Betreuer an Bord, als wenn nur 60 Kids bespielt werden wollen. Der Kapitän der „Mein Schiff 6“, Kjell Holm, legt Wert auf die Feststellung, dass die Besatzungsmitglieder aus über 50 Nationen kommen. An Bord selber wird deutsch gesprochen: ich habe so gut wie keine Hinweise in anderer Sprache gefunden. „Das Angebot der TUI-Cruises richtet sich an das deutschsprachige Publikum.“

6. Das Entertainment ist zurückhaltend

Manchmal fällt angenehm auf, wenn etwas fehlt. Auf „Mein Schiff 6“ gibt es keine Zwangsbeschallung an Deck. Es gibt Reedereien, die beim Gast den horror vacui unterstellen: die Angst vor der Leere, der Stille. Die Gegenmaßnahmen reichen von stumpfer Fahrstuhlmusik bis hin zu infernalischer Beschallung mit Musik. Während der Besichtigung, die während des normalen Betriebes stattfand, fiel mir die angenehme Abwesenheit von Musik auf. Auf Nachfrage erhielt ich die Auskunft, dass auf „Mein Schiff 6“ kein Geräuschteppich über das Naturerlebnis gelegt wird. Woll’n hoffen, dass diese Aussage stimmt.

7. „Mein Schiff 6“ ist kinderfreundlich

An Bord können sich Eltern und Großeltern auf ein stabiles und fachkundiges Betreuungskonzept verlassen. Die Kinder werden in drei Altersstufen zusammengefasst und nicht nur verwahrt. Es gibt Schnitzeljagd übers Schiff, Themen wie „Pirat“ oder „Drachen“, bei denen Verkleidungen angesagt sind. Eine kleine Bühne bietet Raum, einstudierte Kunststücke aufzuführen. Auch die Arena wird für die älteren Kinder für Spiel und Spaß genutzt. Jugendliche finden einen altersgerechten Aufenthalt in der Teenie-Bar „Sturmfrei“. Auch hier ist der Nachwuchs nicht sich selbst überlassen.

Die Antwort auf meine Frage, ob ich denn mit Straßenschuhen auf die Matte treten dürfe, machte mich fassungslos: „Ja, klar, hier wird alle halbe Stunde feucht gewischt.“ das nenne ich mal einen anständigen Reinigungszyklus!

Die Betreuung geht bis abends 22:30, für das gemeinsame Essen mit den Eltern schließt das Angebot mittags und abends für eine kurze Pause.

Ach ja, zu den Kosten. Alles inklusive.

8. Neuigkeit auf „Mein Schiff 6“

Es gibt auf „Mein Schiff 6“ wenig Schnickschnack, von dem Glasboden in 35m Höhe mal abgesehen: kein Riesenrad, keine Klettergärten, kein Spielsalon oder sonstigen Blingbling. Die Farbgebung von Fußböden und Einrichtung ist zurückhaltend, aber markant. Es gibt natürlich ein Theater, es bietet Platz für die Hälfte der Passagiere: 1.050 Plätze. Und dann gibt es auf „Mein Schiff 6“ ein Studio mit vielleicht 100 Plätzen. Hier präsentiert das Bespaßungsteam eine verblüffende Hologramm-Show.

Mein Schiff 6 Hologramm Illusion

Mein Schiff 6 Hologramm Illusion

Ich kam während der Vorstellung dazu (Fotografen hängen immer hinterher) und hatte anfangs das Außergewöhnliche der Show gar nicht wahrgenommen: da gab es einen singenden Entertainer auf der Bühne.

Na gut – und wann fängt die Show an?

Die Show ist der Entertainer: es gibt ihn nämlich gar nicht. Alles, was auf der Bühne zu sehen und zu hören ist, ist virtuell. Diese Show ist sensationell, sehen Sie selbst.

9. „Mein Schiff 6“ ist fertig

Ich bin bei Besichtigungen schon über Farbeimer hinweg gestiegen, sah Handwerkern zu, wie sie Teppiche verlegten, Fittness-Geräte einrichteten, Leimflecken aus dem Teppichboden schrubbten oder Folien von Glasfächen abzogen. Das ist bei Neubauten nicht ungewöhnlich und führt nicht zur Abwertung.

Anders bei der „Mein Schiff 6“: Keine Handwerker, keine Löcher in Decken oder Kabel, die aus der Wand hängen; per Augenschein ist das Schiff beim Start zur Jungfernreise fertig. Chapeau!

Ob es Probleme beim Bau gegeben habe, frage ich den Kapitän. Der schmunzelt still, als er antwortet: „Nein, keine Probleme, nur Lösungen“

10. Mein Lieblingsplatz und rätselhafte Kuschel-Container

Ganz oben, nur über viele Stufen ist eine kleine Plattform zu erreichen, auf der ein Fernglas installiert ist. Hier ist der Ausguck, mutmaßlich ist es hier auf See windig und wohl auch feucht, aber die Aussicht ist grandios!

Auf Deck 15 fallen mir kleine Container auf. Die Tür ist verschlossen und öffnet sich nur stundenweise: 9,00 Euro/Stunde Es handelt sich um „Entspannungsinseln und Sonnenmassagen“. Sind das Behandlungsräume, wie man sie man auch in einem gut geführten Bordell buchen kann? Spielwiese für die großen Jungs? Die Stundentaktung erinnert jedenfalls fatal an eine Stundenhotel 😉

11. Taufe

Es ist gute Sitte und alter Brauch, dass ein Schiff dieser Größe nicht einfach so getauft wird: Flasche an’n Bug, Taufspruch und fertig. Nein, da wird ein Fass aufgemacht mit Feuerwerk, A- und B-Promis, Musik und Lightshow.

Das war bei der Taufe der „Mein Schiff 6“ nicht anders. Als Gag hatten sich Eventmanager ausgedacht, dass man die Elbphilharmonie nicht nur als Hintergrund wählt, sondern als gleichsam handelndes Objekt die Taufe durchführen lässt. Elbphilharmonie tauft „Mein Schiff 6“ lautete die Idee.

Als personifizierte Elbphilharmonie trat die Titularorganistin Iveta Apkalna auf. Beim Kapitänsempfang vor dem Ablegen trafen sich die Promis, die sich immer irgendwo treffen, zu einem maritimen Smalltalk. Etwas unglücklich war das Fehlen des Intendanten der Elbphilharmonie Christoph Lieben-Seutter. Statt seiner stand der Pressesprecher neben Wybcke Meier, Chefin der TUI-Cruises GmbH vor den Gästen. Protokollarisch ein Fauxpas. Einen buchstäblich großen und farbenprächtigen Eindruck hinterließ Oliver Knöbel, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Olivia Jones, Travestie-Künstler(in) und Drag Queen mit (auch Einkürzung) Gardemaß.

Mein Schiff 6 Kjell Holms und Olivia Jones

Mein Schiff 6 Kjell Holms und Olivia Jones

Back Stage

Die TUI Cruises ist ein Gemeinschaftsunternehmen TUI AG mit Sitz in Hannover und der Royal Caribbean Cruises Ltd. Mit Sitz in Nigeria. Die „Mein Schiff“-Kreuzfahrtschiffe fahren alle unter maltesischer Flagge. Auf Malta, der EU-Entsprechung für Panama, gibt es auch einen Briefkasten mit der Aufschrift: „TUI Cruises MS Mein Schiff Ltd.“ Möglicherweise ist dieser Briefkasten mit dafür verantwortlich, dass die TUI Cruises GmbH so gut wie keine Steuern zahlt:

Laut Jahresabschluss musste TUI Cruises an den deutschen Fiskus auf 126,5 Millionen Euro Profit lediglich 63.787,75 Euro Steuern vom Einkommen und vom Ertrag abführen. Das entspricht einem Satz von 0,05 Prozent; auch 2014 waren es nur 0,06 Prozent. (Spiegel Online, aufgerufen am 2. Juni 2017;15:33)

* Titularpianist wird man, wenn man besonders virtuos die Manuale einer herausragenden Orgel bedient

Ausflug in Ushuaia: Feuerland-Nationalpark

Ushuaia Der südlichste Leuchtturm der Welt

Ausflug Feuerland-Nationalpark Tierra del Fuego

Im Hafen von Ushuaia haben wir uns für den Ausflug Feuerland-Nationalpark entschieden. Klar, wer mit einem Kreuzfahrtschiff ferne Häfen in fernen Ländern in phantastischen Landschaften ansteuert, muss auch das Innere per Ausflug erkunden.

Er beginnt sehr früh, vielleicht um trotz der Länge des Ausfluges das Mittagessen nicht zu verpassen. Per Bus geht es ein paar Kilometer ins Landesinnere. Wir lassen die krakenartigen Siedlungswulste Ushuaias hinter uns. Die Häuser werden weniger und einsamer. Das Wetter zeigt sich von seiner besten Seite. Die Luft ist glasklar, die chilenischen Anden stehen wie gemeißelt am Horizont. Die Einfahrt zum Feuerland-Nationalpark ist mit einer Schranke gesperrt. Unser Bus darf passieren. Die Straße ist jetzt unbefestigt. Hinter uns verschwinden die anderen Busse in einer undurchdringlichen Staubwolke.

Es sind vier Busse, die heute Gäste in den Feuerland-Nationalpark bringen.

Ushuaia Ausflug zum Nationalpark

Ushuaia Ausflug zum Nationalpark

Die beeindruckende Sicht auf die schneebedeckten chilenischen Anden überwältigt uns. Über den Himmel ziehen schnell weiße, graue und auch mal schwarze Dekowolken, die sich im Beagle-Kanal spiegeln Wir werfen einen Stein in das spiegelglatten Wasser. So gewinnt die Aussicht etwas mehr Tiefe.

Über eine kleine Seebrücke ist das südlichste Postamt der Welt (Postal fin del Mondo) zu erreichen. Wir werfen ein paar analoge Grüße in den Kasten. Natürlich, nachdem die Marken mit dem einzigartigen Stempel versehen sind. Tatsächlich erreichen die Postkarten ihre Empfänger schneller als wir zurück sind. Die Landschaft erinnert entfernt an die sanften Hügel des Schwarzwaldes. Entfernt natürlich nur, aber der murmelnde Bach unterstreicht die Anmutung.

Spaziergang durch den Feuerland-Nationalpark

Der Spaziergang führt uns zum weiter zum Rio Lapataia, über dem majestätisch der Cerro Condor (Berg des Kondors) thront.

Die Zeitplanung ist großzügig bemessen. Die Teilnehmer haben Gelegenheit, die Schönheit der Natur auf sich wirken zu lassen. Auf dem Weg zum Schiffsanleger kommen wir an einem Campingplatz vorbei. Ein Info-Häuschen bieten Souvenirs, Kaffee und Toiletten. Wir spazieren weiter auf dem stressfreien Weg. Links und rechts des Pfades entdecken wir einige besondere Pflanzen, die es bei uns nicht oder in anderer Form gibt.

Darwin-Pilz und Guano

Besonders der Darwin-Pilz ist uns aufgefallen. Er lebt als Halb-Schmarotzer auf Bäumen und trägt kleine orangefarbene Kügelchen als Früchte. Sie sind essbar und wurden und werden von den Eingeborenen für Marmelade verwendet. Die Eroberer nannten die Kügelchen darum auch „Indianerbrot“ oder Pan de Indio.

Im Feuerland-Nationalpark sehen wir den Darwinpilz trägt. Er trägt auffällige Früchte. sie sind essbar und werden noch heute gerne zu Marmelade verarbeitet.

Der Darwin-Pilz

Der letzte Teil des Ausfluges führt uns mit einem Boot zurück nach Ushuaia. Wir fahren auf dem Beagle-Kanal und passieren ein paar Felsen, die von Kormorane, Möwen, Seelöwen und Robben besiedelt sind. Die Tiere stören sich nicht im geringsten an dem Katamaran, auf dem ein paar Dutzend Kameras rattern. Die Gäste auf dem Schiff sind allerdings von dem Gestank unangenehm berührt, der von den Felsen ausgeht. Guano ist zwar ein wertvoller Dünger, aber Gewinnung und Transport sind wegen des Gestanks eine Sträflingsarbeit.

Flora und Fauna im Feuerland-Nationalpark

Familienleben bei den Seelöwen

Familienleben bei den Seelöwen

Das Kreuzfahrtschiff „Zaandam“ begleitet uns auf der Fahrt nach Ushuaia. Sie ist sehr viel größer als die AIDAcara und kreiselt regelmäßig zwischen Valparaiso und Buenos Aires.

Kurz bevor in den Hafen einlaufen, passieren wir noch den südlichsten Leuchtturm der Welt (In Argentinien hat man eine Vorliebe für Superlative)

Hier alle Bildergalerien des Ausflugs „Feuerland-Nationalpark“ im Überblick

Im Feuerland-Nationalpark

Bootsfahrt vom Nationalpark nach Ushuaia

Pflanzenwelt im Feuerland-Nationalpark

Vögel und Robben

Ushuaia Der südlichste Leuchtturm der Welt

Ushuaia Der südlichste Leuchtturm der Welt

Ushuaia

Am Kai von Ushuaia legen Kreuzfahrt- und Containerschiffe an. Die Kreuzfahrtschiffe fahren um Südamerika herum oder zu den Falklandinseln.

Die Fahrt durch den Beagle-Kanal endet abends an einem Kai in Ushuaia.

Wir schlendern gleich nach dem Anlegen durch die Stadt. Sie ist alles andere als schön, kann aber von unserem Schiff ohne Shuttle erreicht werden. Am Kai gegenüber liegt ein -Überraschung- Containerschiff. Es wird sehr altbacken beladen und gelöscht: LKW bringen die Kisten längsseits, und ein bordeigener Kran hüsert die Boxen dann nach oben.

Ushuaia – Tor zur Antarktis

Hinter dem Containerschiff in Richtung Stadt liegt ein Expeditionsschiff. Zwei junge Leute lassen sich gerade vor der Gangway fotografieren. Wir fragen sie über ihr Woher und Wohin: es geht noch verrückter als eine Ditscher-Tour mit der AIDAcara nach Südamerika: sie kommen aus Ungarn und haben mal eben 10 Tage Urlaub in der Antarktis gemacht.

Eine Ecke weiter treffen wir zwei Rucksacktouristen, jeder mit zwei Rucksäcken und dem vollen Besteck. Woher, Wohin? Sie kommen aus Israel und wollen ein bisschen in dem hiesigen Nationalpark wandern. Temperatur derzeit knapp über 5 Grad, tagsüber, ob das mitgeschleppte Zelt für diese Witterung reicht? . Immerhin die Sonne zeigt sich manchmal.
Aber ich kann die beiden verstehen: die Natur ist hier unvergleichlich eindrucksvoll: sSonnenbeschienene Berge, lebendige Wolken. Das Land ist von See aus betrachtet eher Mars mit Wasser. Aber schööön mit mehreren Ös.

Von Beagle, Kanälen und Arten

Morgen unternehmen wir einen Ausflug in den Feuerland Nationalpark mit einer Bootsfahrt auf dem Beagle-Kanal, der kein Kanal und kein Beagle ist, sondern eine natürliche Wasserstraße, die von Robert FitzRoy 1831 entdeckt wurde, dessen Schiff „Beagle“ hieß. An Bord der „Beagle“ war übrigens Charles Darwin, der auf der Reise mit der „Beagle“ auch die Galapagos-Inseln besuchte und dabei von verschiedenen Finken-Schnäbeln auf den „Ursprung der Arten“ geschlossen hatte.

Bewachte Grenzen

Die Gegend ist hier unten militärisch angespannt. In Punta Arenas waren ein halbes Dutzend Kriegsschiffe versammelt, und hier in Ushuaia ist unser Schiff von zwei argentinischen Kriegsschiffen umzingelt. Und natürlich haben britische Schiffe hier Hafenverbot.
So langsam senkt sich die Nacht über Stadt, Bucht, Hafen und Schiff. Wir blicken auf die Stadt und hinter uns verklingen die letzten Töne der Barmusik. Life und sehr gefällig.

Nach dem Ausflug unternehmen wir noch einen kleinen Spaziergang in Ushuaia und trinken einen leckeren Kaffee in einer urigen Kneipe direkt am Wasser.
Auf den Straßen herrscht ein buntes Durcheinander von Einheimischen und Touristen.
Die Straßen sind  zum Teil vielspurig, aber 30cm hohe Schwellen vor den Fußgängerübergängen bremsen auch lautstarke Raser und bringen sie zum Rüberschleichen.
Container und Touristen leben hier friedlich zusammen. Auf der Promenade entdecken wir einige Skulpturen, Der Himmel ist leuchtend-blau, die Temperaturen erreichen kuschelige 19°C. Die Luft ist so klar, dass die die chilenischen Anden wie gemeißelt vor uns stehen. Es gibt nur rund zwanzig Tage im Jahr, an denen es nicht nebelig, regnerisch oder stürmisch ist. Gut, dass wir heute hier waren.

Schlepper St. Christopher

Vor dem Strand liegt der alte Schlepper St. Christopher. Er fuhr schon bei der bei der Invasion in der Normandie mit, damals noch unter britischer Flagge unter dem Namen „HMS Justice„. Danach verrichtetete er noch eine Zeitlang seine Dienste in den Gewässern um Ushuaia. 1957 war die Dampfmaschine hin und der Schlepper wurde als Denkmal für die vielen untergegangenen Schiffe in den Gewässern um Ushuaia auf Grund gesetzt. Gebaut wurde die St. Christopher übrigens 1943 in den USA als Rettungsschlepper USS ATR-20. Allerdings trat der Schlepper nie in den amerikanischen Marine-Dienst ein, sondern wurde an die Briten verliehen. Schon 4 Wochen nach Fertigstellung arbeitete er vor der Normandie.

Die Aussicht, mit so einem kleinen Schiff (Länge knapp über 50m) über den Atlantik zu schippern, ist nicht reizvoll.

Neben dem Schlepper verrät ein Möwenschwarm, wo die Abwässer der Stadt in den Beagle-Kanal fließen. Bevor man sich darüber aufregt, sei daran erinnert, dass auch Lissabon seine Abwässer ungeklärt in den Tejo leitet. Und da wäre man dichter an der Zivilisation – und den Fördertöpfen der EU.

Die Promenade führt an einer kleinen Kirche vorbei und am futuristischen Bau des Ushuaia Kasinos. Es ist abends aufwendig beleuchtet und war uns schon bei unserer Ankunft am vergangenen Abend aufgefallen.

Sehen Sie hier die Bilderstrecke mit den interessantesten Bildern vom Hafen und der Promenade von Ushuaia.

Am Kai von Ushuaia legen Kreuzfahrt- und Containerschiffe an. Die Kreuzfahrtschiffe fahren um Südamerika herum oder zu den Falklandinseln.

Am Kai von Ushuaia legen Kreuzfahrt- und Containerschiffe an. Die Kreuzfahrtschiffe fahren um Südamerika herum oder zu den Falklandinseln.

Arcona Hotel am Havelufer in Potsdam

Stahlkubus im Badezimmer vom arcona Hotel am Havelufer

Das arcona Hotel am Havelufer in Potsdam ist gut ausgeschildert und liegt hinter einem uringelben, zinnenbewehrten Klinkerbau direkt an der Havel. Der Parkplatz ist geräumig, wenn auch im hinteren Bereich für tiefergelegte Autos nicht geeignet. Es ist ein Zweckbau, ohne architektonische Auffälligkeiten oder Besonderheiten. Gut, die Balkone sehen aus, als hätten die Gerüstbauer ihre Bohlen liegen lassen. Die metallenen Gitterroste sind knappe 70cm breit und bieten gerade mal Platz genug, um einen Blick auf die Havel zu erhaschen. In der Ecke steht die leere Flasche eines Sekt-Mix-Getränkes. Sie diente einem der vorherigen Gäste sichtlich als Aschenbecher.

Wer zu früh kommt …

Unser Zimmer ist im 3. Stock, der Raum von ansprechender Größe, der Boden mit unterschiedlich gefärbten, ca. 2 – 3 m² großen Teppichfliesen ausgelegt. Die Schreibtischlampe ist mittig in einer Höhe von 25cm über dem Schreibtisch fest montiert und lässt sich weder in Höhe oder Richtung verändern.

Die Wände sind gekalkt, Streifen von Absätzen und Koffern zieren die Flächen. Der Teppichboden zeugt davon, dass das Hotel gut ausgebucht ist. Er ist an vielen Stellen abgelaufen.

All das stört mich nicht, das habe ich schon schäbiger erlebt. Meine fragenden Blicke beantwortet eine Mitarbeiterin mit dem Hinweis, dass im Oktober eine Renovierung anstehe. Also ein halbes Jahr zu früh …

Aber dann öffne ich die Tür zum Badezimmer und erstarre: Das Waschbecken ist ein emotionsloser Edelstahlkubus, wie man ihn von Autobahnraststätten oder Kotzkübeln bei Lehmitz kennt. Das ist wirklich zu viel des Guten!

Stahlkubus im Badezimmer vom arcona Hotel am Havelufer

Stahlkubus im Badezimmer vom arcona Hotel am Havelufer

Immerhin findet der Gast eine Badewanne vor. Gerne hätte man eine rutschfeste Wanne oder wenigstens einen Haltegriff genutzt und sich bei Ausstieg nicht den Kopf an der Vorhangstange gestoßen.

Gegenüber vom Badezimmer sind drei Haken befestigt, an denen man seine Jacken oder Mäntel aufhängen könnte, wenn die Haken nicht mit tennisballgroßen Kugeln gegen die angedachte Funktion gewappnet wären.

Ja, es wirkt alles etwas gedankenlos und renovierungsbedürftig.

Restaurant Weinwirtschaft im arcona Hotel am Havelufer

In Erdgeschoss gibt es mit der Weinwirtschaft ein Restaurant. Morgens findet man dort ein Frühstücksbuffet. Der Boden harrt einer Grundreinigung. Aber wir essen ja nicht vom Fußboden. Die Auswahl ist für den aufgerufenen Preis von 16,00 € knapp ausreichend, auch wenn es Tageszeitungen in ausreichender Zahl gibt.

Bei Kaffee und Tee sieht das schon anders aus. Auf jedem Tisch steht eine Thermoskanne, die irgendwann mal mit Kaffee gefüllt war. Unsere Bitte, die Kanne aufzufüllen, verhallt ungehört. Wir entscheiden uns darum für Tee. Leider ist das Heißwasser aus. Als es aufgefüllt wird, fehlen die Teekannen.

Nein, wir waren nicht zum Ende der Frühstückszeit nach unten gegangen!

Abends verwandelt sich die Weinstube in ein Restaurant. Die Speisekarte sah verlockend aus, und Italienisch hatten wir gestern in der Trattoria auf dem gleichen Gelände. Darum kehren wir am zweiten Abend in die Weinwirtschaft vom arcona Hotel am Havelufer ein.

In Berlin soll ja die Currywurst erfunden worden sein, die Trebbiner Currywurst muss also ganz lecker schmecken. Der Havelzander liest sich auch ganz ansprechend. Entsprechend geben wir unsere Bestellung auf.

Nach erstaunlichen 40 Minuten werden unsere Gerichte serviert, und wir schreiten zur Tat.

Jedenfalls versuchen wir es. Das Messer scheitert bei dem Versuch, den noch immer tiefgefrorenen Havelzander zu zerteilen.

Ja, man sehe ein, dass da noch ein paar Minuten am richtigen Garpunkt fehlten und werde für Ersatz sorgen.

Entschuldigung? Einen Schnaps, um guten Willen zu zeigen? Fehlanzeige. Ebenso mürrisch, wie uns die Teller vom Gang rübergereicht wurden, verschwindet der Frostzander, indem ihn die Bedienung im Vorbeigehen auf dem Gang mitgehen ließ.

Alles hat einmal ein Ende – sogar die Wurst

Ich kümmere mich derweil um die Currywurst, und finde, dass auf dem langen Weg von Berlin zu meinem Lieblingsimbiss an der Ecke, die Currywurst als solche geschmacklich gewonnen hat.

Die Pommes sind zwar grobschlächtig, aber weder besonders fettig noch versalzen. Die Currywurst ist mit einem vorsichtigen Klecks Ketchup verdeckt. Ich komme zu dem Punkt, an dem die Currywurst unter den Pommes verschwindet und hebe vorsichtig ein paar Pommes an.

Nein, keine Fortsetzung.

Das Hotel hat die weltweit einzige Wurst mit nur einem Ende erfunden – oder den Gast beschissen, weil man ihm nur eine halbe Currywurst gönnt.

Eine Viertelstunde nach dieser Entdeckung reicht die Bedienung wortlos einen aufgetauten und gegarten Havelzander rüber. Mein Hinweis auf die fehlende Hälfte der Currywurst findet keine Erwiderung, Erklärung oder Entschuldigung.

Tatsächlich macht sich die Bedienung ans Abkassieren, als sei nichts gewesen. Nein, dafür werde ich nicht den vollen Preis zahlen!

Das sieht wohl auch der Chef ein, und wir müssen nur die Getränke bezahlen.

Allerdings hatten wir keine Getränke bestellt und so reicht uns die Bedienung als Ersatz einfach eine Rechnung vom Nachbartisch.

So macht man das in Potsdam.

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