Ehemalige US-Botschaft in Teheran

Ehemalige US-Botschaft in Teheran

Nibelungentreue gibt es auch in den USA. Einflussreiche Freunde von Mohammad Reza Pahlavi, darunter die diplomatische Allzweckwaffe Henry Kissinger, erreichten nach intensiver Öffentlichkeitsarbeit, dass der Schah 1979 in die USA einreisen durfte. Für die Beschäftigten in der ehemaligen US-Botschaft in Teheran sollte das fatale Folgen haben.

Der krebskranke Herrscher war von seinen Untertanen vertrieben worden und suchte jetzt eine ruhige Ecke zum Sterben. Das Angebot aus Iran auf freies Geleit, nahm Mohammad Reza Pahlavi nicht zur Kenntnis.

Sturm auf die Botschaft und Geiselnahme

Die Volksseele in Teheran kochte, der Schah sollte sich gefälligst zu seinen Untaten und Helfershelfern bekennen! Als bekannt wurde, dass die USA ihrem Verbündeten bis zum Schluss die Treue hielten, stürmten am 4. November 1979 erboste Iraner, sie werden in allen Berichten als Studenten bezeichnet, die amerikanische Botschaft in der Taleqani-Strasse in Teheran.

Seinetwegen und seiner Beziehungen zu den USA begann der Sturm auf die US-Botschaft in Teheran.

Seinetwegen und seiner Beziehungen zu den USA begann der Sturm auf die US-Botschaft in Teheran.

52 Mitarbeiter der Botschaft wurden als Geiseln entführt, die Gebäude gründlich durchsucht und die Räumlichkeiten später umgestaltet. Die Geiseln wurden nach einer dilettantisch durchgeführten und entsprechend krachend gescheiterten Befreiungsaktion auf mehrere Orte verteilt. Nach 444 Tagen und vielen geheimen Verhandlungen und Absprachen in Hinterzimmern und hinter vorgehaltener Diplomatenhand wurden alle Gefangenen unversehrt freigelassen – und in ihrer Heimat natürlich als Helden gefeiert.

US-Botschaft Eroberung

Künstler stellen die Eroberung der ehemaligen US-Botschaft 1979 in Teheran nah

All das ist lange her, die USA und Iran haben wieder diplomatische Beziehungen aufgenommen, die Sanktionen gegen Iran sind gefallen, von einem Krieg, den der Berater des damaligen US-Präsidenten Jimmy Carter, Hamilton Jordan, in Erwägung gezogen hatte (Der Spiegel 24/1981 S.128), reden nur Gewaltphantasten wie Israels Ministerpräsident Netanjahu. Die USA haben ihre Botschaft in Teheran in einem neuen Gebäude errichtet und wurden mutmaßlich von Iran für die erlittenen Verluste entschädigt.

 

Museum in der ehemaligen US-Botschaft in Teheran

Die ehemalige US-Botschaft in Teheran ist heute ein Museum und Zeitkapsel. Die Mauer, die das Botschaftsgelände gegen den Verkehrslärm abschirmt, ist ebenso da wie das Hubschrauberwrack, das von einer eiligen und missglückten Flucht der US-Diplomaten und Geheimdienstler zeugt.

Dieses Ausstellungsstück in der ehemaligen US-Botschaft zeigt Teile von Spionage-Geräten.

Dieses Ausstellungsstück in der ehemaligen US-Botschaft zeigt Teile von Spionage-Geräten.

Iraner und ausländische Besucher können die Räume besichtigen und einen Blick auf die Verhörräume und die technische Ausstattung werfen. In gewisser Weise wird es, wenn auch auf höherem technischen Niveau, in allen Botschaften, nicht nur denen der USA, auch heute ähnlich aussehen: 19 Zoll Schränke mit Abhörelektronik, Elektronikbauteile aus unbestimmten Geräten mit unbestimmter Funktion, die Leitungen, auf denen Telefongespräche – auch die des Schahs abgehört wurden.

Der Mantel der Geschichte umweht hier den Besucher. Mit dem Sturm auf die US-Botschaft endete die Karriere des Präsidenten Jimmy Carter krachend- Und Ronald Reagan gewann die Wahl mit dem Versprechen, Amerika nicht nur von der Schmach der Geiselnahme zu tilgen, sondern die USA zu alter Größe und Bedeutung zurückzuführen. Was daraus geworden ist? Fragen Sie Ihren Geschichtslehrer.

Sehenswerte Revolutions-Gaffitti

Graffiti im Treppenhaus der ehemaligen US-Botschaft in Teheran.

Graffiti im Treppenhaus der ehemaligen US-Botschaft in Teheran.

In ihrer Not haben die Angestellten der Botschaft damals versucht, die ganz schlimmen Beweise der Kumpanei mit dem grausamen Unterdrückungs-Regimes des Schahs zu schreddern. Das Schreddergut ist noch zu sehen und lässt erahnen, wie erdrückend und peinlich den US-Diplomaten die volle Wahrheit über die Zusammenarbeit mit dem Schah-Regime wahr. Die Dokumente wurde buchstäblich in Staub verwandelt. Eine Wiederherstellung dürften ausgeschlossen sein. So bleibt de Staub als stiller Zeuge über die Verquickung der USA mit dem Schah-Terror in Iran.

Heute erinnern martialische bis entspannte Graffiti an die Besetzung und die Geiselnahme. Revolutionsfolklore wird auch an der Mauer in Berlin gepflegt. Deren Reste werden sorgfältig gepflegt, die Graffiti regelmäßig nachgezeichnet und gegen Vandalismus geschützt.

Die nachgestellten Szenen im Verhörraum wirken auch mit Puppen bedrohlich und bedrückend.

Die nachgestellten Szenen im Verhörraum wirken auch mit Puppen bedrohlich und bedrückend.