Eckersberg Faszination Wirklichkeit

Christoffer Wilhelm Eckersberg

War es Zufall, war es Absicht? Das Hubertus-Wald-Forum zeigt mit „Eckersberg Faszination Wirklichkeit“ ein Kontrastprogramm zu der Ausstellung im Bucerius-Kunstforum „Picasso Fenster zur Welt“. Das Hubertus-Wald-Forum gehört zur Hamburger Kunsthalle.

Eckersberg Fotorealistische Gemälde und Zeichnungen

Eckersberg Fotorealistische Gemälde und Zeichnungen

Einst beherbergte es eine Theaterbühne, das mit mutigen und unterhaltsamen Inszenierungen in der Kulturlandschaft fest verankert war. Nach dem Umbau -der Hauptmäzen ist Namensgeber- des „Theater in der Kunsthalle (TiK) in Ausstellungsräume, hat das Hubertus-Wald-Forum einen ebenso festen Platz in der Hamburger Kulturlandschaft, und zwar als Ort für sehenswerte und informative Ausstellungen. Anders als in der Kunsthalle werden im Hubertus-Wald-Forum zeitlich begrenzte Sonderausstellungen gezeigt.

Eckersberg Kunsthalle Hamburg hat auch während des Umbaus geöffnet

Eckersberg Kunsthalle Hamburg hat auch während des Umbaus geöffnet

Im Februar 2016 kann der Besucher einen Blick auf die goldene Zeit der dänischen Malerei werfen. Gezeigt werden Bilder, Zeichnungen und Entwürfe von Christoffer Wilhelm Eckersberg. Er ist grob 100 Jahre älter als Picasso, und der Titel der Ausstellung „Eckersberg – Faszination Wirklichkeit“ ist Programm. Die Kunsthalle und die Galerie der Gegenwart werden zur Zeit renoviert. Aber das Hubertus-Wald-Forum bleibt auch während des Umbaus geöffnet.

Fotorealistisch

Eckersbergs Werke zeichnen sich durch eine bestechende Realitätsnähe aus. „Fotorealistisch“ ist vielleicht der treffendste Ausdruck. Gezeigt werden Bilder aus allen Schaffensphasen und aus allen Sujet. Portraits, Akt, Genre, Seestücke, Gemälde, Zeichnungen und Drucke.

Eckersberg Faszination Wirklichkeit Zeichnung

Eckersberg Faszination Wirklichkeit Zeichnung

Die von Markus Bertsch kuratierte Ausstellung umfasst rund 130 Exponate und wurde vorher in Kopenhagen gezeigt.

Die Abteilungen sind mit einleitenden Texten an der Wand versehen – so wird denn auch das Bild der 11-Jährigen verständlich. Kunst ist historisch – und was heute politisch nicht korrekt ist, hat früher niemanden stutzig gemacht. Auch ein Zeitgenosse von Eckersberg, Edgar Degas, hat ähnliche Werke geschaffen. Zu sehen waren auch sie im Hubertus-Wald-Forum 2006.

Eckersberg Faszination Wirklichkeit

Eckersberg Zeichnung Faszination Wirklichkeit heute vielleicht politisch nicht mehr ganz korrekt

Eckersberg Faszination Wirklichkeit Zeichnung heute vielleicht politisch nicht mehr ganz korrekt

In der Ausstellung finden sich übrigens auch Fensterbilder, die Eckersberg auf seinen Studienfahrten in Paris gezeichnet hat. Von seiner Reise nach Rom – das Mekka der Maler seinerzeit, brachte Eckersberg Zeichnungen, Entwürfe und Gemälde zurück, die den Betrachter stutzen lassen. Sie zeigen bekannte Motive, aber aus ungewohnter Perspektive. Der Blick auf das Abwassersystem des alten Roms ist mit hoher Präzision gemalt – aber der Betrachter muss schon auf den Titel blicken, um zu erkennen, worum es geht. Wer bei dem Thema „Kolosseum“ die bekannten Ansichten mit dem aufstrebenden Oval erwartet, wird wieder stutzen. Sein Blick fällt auf eine weite Landschaft mit ein paar Häusern – Rom war damals noch kleiner. Der Blick wird von Ziegelbögen eingerahmt – Bögen im Dritten Rang des Kolosseum.

Eckersberg war ein Freiluftmaler. Die Ausstellung gibt einen Einblick in die Arbeitsweise des Malers. Hier und da stehen Entwürfe den fertigen Gemälden gegenüber. Und mal staunt, dass manchmal 20 und mehr Jahre zwischen Entwurf und fertigem Werk liegen. Ein Entwurf zeigt, wie Eckersberg die Perspektive erarbeitet und im Gemälde umgesetzt hat.

Das Spielen mit Licht und Schatten findet sich in mehreren Zeichnungen und Gemälden wieder. Spannend sind Bewegungsstudien: rennende Gestalten im Mondschein oder Zusammentreffen von drei Leuten bei Sturm und Regen. Da zollt man als Besucher stillen Respekt.

Eckersberg Faszination Wirklichkeit Blick in die Akt-Ausstellung

Eckersberg Faszination Wirklichkeit Blick in die Akt-Ausstellung

Besonderen Reiz haben die Zeichnungen. Sie befinden sich abseits der großen Flächen in kleinen Räumen. In den Zeichnungen zeigt Eckersberg, dass auch mit Bleistift und Tusche die Wirklichkeit nichts von ihrer Faszination verliert. Und nebenbei kann man noch einen Blick vom Altonaer Balkon werfen, wie er sich von über 100 Jahren geboten hat.

Die Exponate sind perfekt ausgeleuchtet, in manchen Fällen verzichtet der Leihgeber auf störende Glasabdeckungen. Die Beschriftung der Bilder huldigt der Unsitte, die den interessierten Besucher zur Demutshaltung zwing. Gibt es eigentlich ein Gesetz, das das Lesen der Erklärungen im Stehen verbietet?

Dessen ungeachtet ist die Ausstellung einen Besuch wert. Auch und gerade, wer den Besuch der Picasso-Ausstellung im Bucerius-Kunstforum plant, wird die Retrospektive vom Eckersberg im Hubertus-Wald-Forum mit Gewinn besuchen.