Diabas-Steinbruch in Altenkirchen

Diese Geschichte handelt von der Begegnung mit Vergangenheit: netten mittelalterlichen Fachwerkhäusern und einer Landschaft, über die sich das Leichentuch eines Diabas-Steinbruchs gelegt hat – einer (wetterbedingten) Umweltzerstörung wie im letzten Jahrtausend.

Wetzlar

Reisen bildet, sagt man. Und manchmal ist es auch Labsal für die Augen: Wetzlar bietet mit seinen vielen perfekt restaurierten und aufgehübschten Fachwerkhäusern, die an engen Straßen stehen, einen sehenswerten Kontrast zu den öden Neubaugebieten in Wohn- und Geschäftsgebieten der Republik.

Mittelalter entschleunigt.

Man sitzt vor dem Restaurant „Adria“ in der Silhöfer Straße bei einem gepflegten Essen mit einem ebenso gepflegten Wein und entspannt sich beim Blick auf die flanierenden Passanten.

Mittelalter ist schön!

Während wir auf das Dessert warten, blättern wir in einem kleinen Prospekt der Tourist-Information. Als ein sehenswerter Aussichtspunkt wird dort der „Guck ins Loch“ ausgeworfen, Das ist eine Aussichts- und Informationsplattform am Rande eines Diabas-Steinbruchs.

Der Weg von Wetzlar nach Altenkirchen ist nicht weit. Er führt über eine Bundesstraße und die Kreisstraße K372, die dort auch Lange Straße heißt, erst zu einem Parkplatz bei einem Sportplatz und dann über einen kurzen Wanderweg durch einen jungen Buchenwald zum Rand des Steinbruchs. Die Tür zum Steinbruch steht offen, sie hat auch gar kein Schloss.

Guck ins Loch
Diabas-Steinbruch

Die Firma Jost, ein Familienunternehmen aus der Region, betreibt dort einen Steinbruch und hat ihr Gelände dem interessierten Bürger geöffnet. Und wer immer schon mal sehen wollte, wie ein Steinbruch abgebaut wird, hat hier einen perfekten Aussichtspunkt gefunden. Die Tagebaue für den Braunkohleabbau sehen sehr ähnlich aus, sind aber in Tiefe und Ausdehnung sehr viel größer.

Gleich rechts stehen einige Informationstafeln.

Infotafeln und Aussichtsturm

Hier findet der Besucher einen kurzen Abriss über die Entstehung des Diabas-Steinbruchs und seine Verwendung. Dieser Steinbruch z.B. verschwindet nach und nach im Straßenbau. Aber auch die Verwendung als Schmuckstein ist erwähnt.

Der Bagger verdeutlicht die Höhe der Terrassen im Diabas-Steinbruch

Der Bagger verdeutlicht die Höhe der Terrassen

Unsere Vorfahren hatten mit Straßenbau nichts am Hut. Sie beuteten den Diabas-Steinbruch aus, wenn es Eisenerz enthielt. Eine Tafel zu diesem Thema erklärt, wie’s funktioniert hat.

Links führen ein paar Stufen zu einem Aussichtsturm, der aus ungeklärten Gründen in Tarnfarben bemalt ist.

Hier öffnet sich der Blick auf die Terrassen, auf denen die LKW die großen Diabas-Trümmer, die nach der Sprengung entstehen, nach oben in den Steinbrecher schaffen. Dort kommen dann zerkleinerte Brocken heraus, die schlussendlich zu den unterschiedlichen Materialien zermahlen werden.

Terrassen im Diabas-Steinbruch in Altenkirchen. Man beachte den Bagger.

Terrassen im Diabas-Steinbruch in Altenkirchen. Man beachte den Bagger.

Grau ist hier nicht Theorie
sondern traurige Realität

Dieser Vorgang ist mit Dreck und Staub verbunden.

Auf der Anfahrt über die K372 kommen wir durch eine Landschaft, über die sich der Staub aus den Mahlwerken wie ein Leichentuch gelegt hat. Der Iserbach kümmert traurig durch eine Wiese, deren Grün unter einer dicken Staubschicht verschwindet. Das Laub der Eichen sieht aus wie Grabgesteck. Rechts erkennt man durch die grauen Büsche die Siloanlagen und Mahlwerke für die Produktion.

Produktionsstätte der Fa Jost am Diabas-Steinbruch bei Wetzlar-Altenkirchen Staub Diabas Altenkirchen

Produktionsstätte der Fa Jost am Diabas-Steinbruch bei Wetzlar-Altenkirchen

Das ist ein Anblick, wie er vor 50 oder 60 Jahren normal war, als man Dreck als einen Wohlstandsbeweis betrachtete. Die Anwohner in Altenkirchen und Umgebung können über die Diskussion zum Thema „Feinstaub“ wohl nur gequält lächeln.

Auf Nachfrage bei der Firma Jost erfahre ich, dass bei der Produktion durchaus Berieselungen durchgeführt werden, um den Staub zu binden. Nur die anhaltende Trockenheit habe dem Umweltschutz einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Nun ja, Danke für die Erklärung. Es bleibt aber ein schaler Nachgeschmack, wenn das Wohlergehen von Land und Leuten nur bei regnerischem Wetter gesichert ist.

An der Langen Straße (K372) lähmt dichter, grauer Staub aus der Verarbeitung des Diabas-Steinbruchs die Umwelt.

An der Langen Straße (K372) lähmt dichter, grauer Staub aus der Verarbeitung des Diabas-Steinbruchs die Umwelt.

Der Staub aus der Produktion der Fa. Jost legt sich wie ein Leichentuch auf die Umwelt

Der Staub aus der Produktion der Fa. Jost legt sich wie ein Leichentuch auf die Umwelt

Update 23. Oktober

Weder die örtliche Presse noch das Hessische Ministerium für Umweltschutz haben meine Fragen zu den Gegebenheiten am Diabas-Steinbruch beantwortet. Der Dreck scheint normal und den zuständigen stellen bekannt zu sein.
Aber um 10µg/m³ Dieselfeinstaub wachen die Beteiligten einen Riesenaufriss …