Costa NeoRomantica

Mit der Costa NeoRomantica unterwegs

Die Costa NeoRomantica fährt von Hamburg sommers regelmäßig nach Norwegen. Der Preis ist verlockend niedrig. An- und Abreisekosten liegen im Bereich der Fahrkarten für die U-Bahn, weder GdL noch VC können unsere Pläne torpedieren. Und nachdem wir 3 Monate vorher das Nordlicht auf der Midnatsol der Hurtigruten bewundern konnten, wollten wir jetzt die Mitternachtssonne sehen.

Die NeoRomantica ist ein älteres Schiff (Stapellauf 1992), das vor kurzem (2012) aufgebrezelt wurde: Mehr Kabinen, mehr Balkone, neue Teppiche und Fernseher. Das „Fassungsvermögen“ ist überschaubar. Die maximale Passagierzahl von knapp 1.700 wird nur erreicht, wenn alle Kabinen und die auch mit der maximalen Personenzahl belegt sind. Unsere Kabine ist für vier Personen geeignet, aber die beiden oberen Wandbetten sind eingeklappt, die Leitern in Schrank verstaut.

Es ist die erste „Norwegentour“ in diesem Jahr, und es sind augenscheinlich viele Kabinen nicht oder nicht maximal gebucht. Auf dem Achterkastell stehen jedenfalls rund 100 Liegen, die nicht für die Benutzung vorbereitet sind.

Die Begrüßung ist, wie alles was wir an Bord erleben, professionell, freundlich und entgegenkommend. Stirnrunzeln verursacht nur die Tatsache, dass unsere Costa-Cards in der offenen Kabine liegen, bis wir die Kabine betreten und sie an uns nehmen..

Kabinenausstattung

Wir haben eine Außenkabine mit Waschmaschinenfenster gebucht und befinden uns auf Deck 4, schön dicht über dem Wasser. Die Kabinengröße ist ausreichend, der größte Raum geht für das große Bett drauf, die Kabine ist nur wenig breiter als die Betten. Es gibt einen kleinen Tisch, einen Sessel und einen Hocker. Auf dem kleinen Schreibtisch befindet sich eine Espressomaschine. Die Wandfläche unter den dem Schrank mit den Rettungswesten und dem Tresor wird zur Gänze von einem Fernseher eingenommen. Nun ja, wer’s braucht, hat hier ein Heimkino. An der weiteren Ausstattung gibt es nichts auszusetzen. Der Teppichboden ist sauber und fleckenfrei, die Schränke haben eine zweckmäßige Größe und sind picobello sauber. Die Ablageflächen im Bad, das durch eine Schiebetür von der Kabine abgetrennt ist, sind ausreichend, in der Dusche finden wir eine Wäscheleine für die kleine Handwäsche zwischendurch.

60-10-30

Die Reisenden auf der NeoRomantica lassen sich wie auf vielen Kreuzfahrtschiffen mit dem Tripel 60-30-10 beschreiben: 60 Jahre und älter, mindestens 10 Kreuzfahrten und 30kg Übergewicht. Für diese Klientel sind die 25cm Abstand zwischen Bett und Wand möglicherweise etwas knapp bemessen.

Ein deutliches Minus gibt es für die Wasserqualität. Das Wasser im Badezimmer – und entsprechend im Ausschank im Buffet – ist vielleicht trinkbar, aber es schmeckt muffig, abgestanden und schlecht aufbereitet. Es ist meiner Meinung nach nicht verkehrsfähig.

Service

Die Mannschaft in den verschiedenen Bereichen des Schiffes ist überwiegend perfekt geschult: höflich, zuvorkommend und hilfsbereit. Im Restaurant hakt es manchmal, bis wir unsere Bestellung aufgeben können. Aber das beobachte ich auch auf anderen Schiffen und in edlen Restaurationen an Land. Und ich bin im Urlaub und nicht auf der Flucht. Das Personal ist sehr viel internationaler als auf anderen Kreuzfahrtschiffen: Mitarbeiter aus Peru oder China sieht man bei AIDA und MSC eher selten. Es ist gut, wenn man wenigstens ein paar Brocken Englisch spricht. Damit kommt man weiter als mit Deutsch oder Italienisch.

Cost NeoRomantica Kabine im Nachtmodus

Costa NeoRomantica Kabine im Nachtmodus

Abends richtet der Steward das Bett, lässt die Rollos herunter und wechselt die Handtücher. Luxus bedeutet „Überfluss“, und überflüssig scheint mir der zweimalige Handtuchwechsel allemal zu sein. Die Sache mit den Rollos ist schon eher notwendig, weil die Mehrzahl der Passagiere die Schnüre kaum erreichen kann: man muss schon fast übers Bett krabbeln um die Schnüre zu erreichen, mit denen die Rollos bedient werden. Wer das noch schafft, gewinnt übrigens auf der Fläche vor dem Fenster einen wunderbaren Platz mit Seeblick 🙂

Saubere Sache

Auffällig ist die Sauberkeit überall an Bord. Wer von der Besatzung gerade nichts anderes zu tun hat, der putzt irgend was. Das Personal wirkt perfekt trainiert, manchmal etwas gedrillt.

Die Restaurants (Buffet und Bedienung) sind jeweils zweckmäßig ausgestattet: Tischdecken und (LED)-Kerzen hier und Bistro mit Bestecken auf Hängevorrichtungen auf dem Tisch dort. Die Sitz- und Liegemöbel an Deck sind gepflegt und sauber, wir haben aber nicht das Verlangen gespürt, länger darin zu liegen oder zu sitzen. Das Sitzangebot scheint mir ausreichend zu sein. Auf dem Achterkastell gab es noch Anzahl Liegen, die vermutlich in der Hauptsaison zur Benutzung bereitgestellt werden. Die Pools haben uns nicht gereizt. Ihre Größe ist für Schwimmzüge nicht geeignet. Whirlpools benutze ich aus hygienischen Gründen grundsätzlich nicht.

Bei Seegang werden die Pools leergepumpt oder mit Netzen gesperrt. Und Seegang verspürt man auf der NeoRomantica schon, wenn sich kaum ein Lüftchen rührt. Wer auf sanftes Rollen oder bockiges Holpern mit störrischem Magen reagiert, sollte das bei der Wahl seiner Kabine berücksichtigen.

Fürs Essen ist gesorgt.

Das Angebot bietet, vor allem, wenn man den Preis berücksichtigt, eine ausreichende Abwechselung. Gefallen hat mir, das Angebot an Trockenfrüchten und Ceralien beim Frühstück und der frische Salat am Buffet. Das Angebot von Käse und Wurst ist beachtlich und für den deutschen Gaumen liegt morgens sogar ein schmackhaftes Schwarzbrot bereit. Bei der Zubereitung der Eierspeisen kann man direkt zugucken.

Die optische Darbietung der Speisen im Buffet erinnert eher an eine Kantine. Aber wer will, kann sich im Bedienrestaurant von vorn bis hinten betütern lassen. Essen kann der Gast fast rund um die Uhr. In verschiedenen Restaurants finden Frühaufsteher und Langschläfer immer eine Möglichkeit zum Frühstücken. Kaffee und Tee gibt es nur zum Frühstück und natürlich zum nachmittäglichen Kaffee kostenlos.

Zusammengefasst: Niemand an Bord muss darben. Auf höherpreisigen Schiffen mag es noch einen Snack in der Nacht mehr geben und das Angebot reichhaltiger und optisch ansprechender sein. Aber die Costa NeoRomantica spielt nun mal in der Aldi-Liga: solide, verlässlich, aber schlicht.

Die Costa NeoRomantica wirkt in der kleinteiligen Landschaft der Fjorde überdimensioniert.

Die Costa NeoRomantica wirkt in der kleinteiligen Landschaft der Fjorde überdimensioniert.

Sport- und Fitness-Angebote haben wir nicht genutzt. Wie ein Hamster auf dem Laufband oder dem Standfahrrad strampeln, ist schon im Alltag nicht mein Ding, und schon gar nicht auf einem Kreuzfahrtschiff. Dort bevorzuge ich es, rund ums Schiff zu laufen und See, Landschaft, Städte oder Häfen zu betrachten.

Auf der Costa NeoRomantica geht das nur begrenzt. Auf dem obersten Deck, kann man rund ums Schiff laufen. Allerdings ist die Strecke durch Treppen und Aufbauten sehr begrenzt: mehr als 150m am Stück sind es nicht. Zum Bug gelangt man über eine Treppentour von Deck 8, die Aussichtsplattform vorne ist auf Deck 6. Hier kann man dann den Gästen zusehen, wie sie sich auf Fahrrad-Trainern abstrampeln oder auf dem Laufband gegen den Absturz kämpfen. Selbstverständlich gibt es eine Einkaufsstraße, einen Rauchersalon und einen Saal mit einarmigen Banditen und Roulette-Tischen.

Publikum

Der Hinweis auf den Fußpilz kommt nicht von ungefähr: das Hygieneverhalten der Mitreisenden ist insgesamt auf einem sehr niedrigen Niveau. Kaum jemand benutzte die Desinfektionseinrichtungen beim Betreten der Restaurants. Das Personal ist lax bei der Kontrolle und lässt jeden durch. Und über die Hygiene nach den Toilettengängen will ich mich hier nicht weiter auslassen. Toiletten sind übrigens ausreichend auf den Decks vorhanden. Menschen mit schwacher Blase oder mit Mobilitätseinschränkungen mögen das anders sehen. Aber die können ja in den Pool gehen 😮

Es ist in vielen Fällen keine besondere Freude, den Gesprächen der Mitreisenden zu folgen. Es gibt viele Klagen über das Essensangebot, die hohen Preise bei den Getränken und Ausflügen und Wartezeiten an der Rezeption. Ich kann da nur den Kopf schütteln: für knapp 100 Euro pro Tag kann man an Land kaum ein anständiges Hotelzimmer buchen. Ohne Frühstück und ohne Vollpension und Totalbespaßung. „Du bekommst, was du bezahlst!“ Auf der „Europa 2“ mögen Service und Restaurantangebot anders aussehen (Auf der „Queen Mary 2“ übrigens eher nicht).

Ausflüge

Costa kauft die Ausflüge, wie alle anderen Kreuzfahrtunternehmen bei lokalen Anbietern ein. Wir haben mehrere Ausflüge gebucht und waren mit der Durchführung zufrieden. Alles hat reibungslos geklappt, die Erklärungen des örtlichen Reiseleiters waren durchweg auf deutsch, nur während einer Führung an einem Ort zweisprachig. Auf den Ausflügen erfährt der Gast vieles, was ihm wegen der spärlichen Informationen an Bord der NeoRomantica unbekannt war. Hier sehen Sie ein Video, das unseren Besuch im Trollfjord zeigt. Auch der Ausflug zum „whale watching“ (Walsafari) war perfekt und hielt, was die Beschreibung versprochen hatte. Ich empfand die Preise nicht als überzogen. Auf der Hurtigruten kostet die Walsafari das Doppelte.

Was uns nicht gefallen hat

Eine Enttäuschung ist eher an die spezielle Fahrt gebunden. Sie führte von Hamburg nach Norwegen und zurück. Ein Mitreisender berichtete, er sei schon oft in Norwegen gewesen und wolle sich jetzt endlich ein mal das Land von See betrachten. Diese Hoffnung wurde enttäuscht: der Kurs der NeoRomantica ist um die 50km von der Küste entfernt. Nur bei den Lofoten und Vesteralen, sowie beim Einlaufen nach Olden lernt der Reisende etwas von dem Zauber der norwegischen Landschaft kennen.

Völlig unverständlich war die Tatsache, dass die Guides auf der NeoRomantica kein Wort zur Reiseroute verloren haben: Die Überquerung des Polarkreises, als Highlight der Norwegentour ausgeworfen, fand keine Erwähnung. Die Mitternachtssonne, auch ein wichtiger Punkt der Reisebeschreibung, fand statt, ohne dass eine Party gefeiert oder wenigstens eine Durchsage gemacht wurde. Lofoten, Vesteralen, diese einzigartigen Küstenformationen, zogen an uns vorbei, ohne dass die Reisenden auch nur den Namen erfahren hätten. Ich hatte nicht den Eindruck, dass die Reiseleitung der NeoRomantica den Gästen irgend etwas von der Begebenheiten links und rechts der Route nahe bringen will. Ob Karibik oder Ostsee, der Hotelbetrieb läuft reibungslos, alles andere ist nicht wichtig.

Die Costa NeoRomantica im norwegischen Olden

Die Costa NeoRomantica im norwegischen Olden

Entschieden nervig ist die allgegenwärtige Beschallung mit Fahrstuhlmusik. Ob auf dem Deck des Achterkastells oder den Sitzplätzen in den Restaurants, man entkommt der Berieselung nicht. Wer still das Meer, die Küste oder die Wolken genießen will, hat verloren. Nach zwei Tagen wiederholt sich zudem das Band. Alzheimer-Patienten haben es da besser. Nur auf der Kabine herrscht Ruhe. Allerdings ist diese Ruhe manchmal etwas zu ruhig. Durchsagen, die den Verlauf der Reise betreffen, kommen auch nicht an.

Ob ich wieder eine Fahrt auf der NeoRomantica buchen werde? Eher nicht: Die Betreuung der Passagiere funktioniert reibungslos, allerdings hat man den Eindruck, dass der Gast Teil des Betriebes ist.