Chomeini-Mausoleum

Der Bus hat es nicht weit, nach knappeiner dreiviertel Stunde kommen die goldenen Türme des Chomeini-Mausoleums in Sicht. Parkplätze mit einer kaum zu schätzenden Anzahl von Stellplätzen umgeben das Areal. Statt Hotels gibt es viele überdachte Plattformen, auf denen die Pilger ihre Zelte aufschlagen können.

Spenden finanzieren das Chomeini-Mausoleum

Als der Ajatollah Chomeini 1989 starb, wünschte er sich eine schlichte Grablegung, ohne Pomp. Daraus wurde schon beim Begräbnis nichts, als Millionen von Iraner versuchten, zum Sarg und dem Grab des Staatsgründers vorzudringen. Die Vorgänge hatten durchaus Züge von Massenhysterie, in deren Verlauf mehrere 1.000 Menschen verletzt wurden und viel gestorben sind.

Schon bald nach dem Tod des Ajatollah begannen die Planungen für ein wahrhaft großes Mausoleum. Es wurde und wird ausschließlich von Spenden finanziert. Der Aufstieg des Ajatollahs wurde nur möglich, weil die Westmächte den Schah gestützt und seinem menschenverachtenden Tun keinen Einhalt geboten hatten. Alles schien besser als das verhasste Systems des Schah.

Im Inneren des Chomeini-Mausoleums

Touristen besuchen das Heiligtum wohl selten. Auf dem Weg vom Bus zum Haram sehen wir eine gut organisierte Pilgerkultur mit Zeltplätzen und Ladestationen für Smartphones.

Chomeini-Mausoleum: Der Gebetsraum

Chomeini-Mausoleum: Der Gebetsraum

Wir erleben  keinerlei Vorbehalte oder Ablehnungen, obgleich wir ganz offensichtlich „Ungläubige“ sind. Die Frauen werden lediglich gebeten, die Verhüllung ihres Körpers zu vervollständigen. Passende Tücher stehen zur Verfügung. Fotografieren ist nicht verboten, aber bitte nur diskret und mit kleinen, unaufdringlichen Kameras (Hier sehen Sie die Bilderstrecke). Das Betreten des Gebetsraums ist nur auf Strümpfen gestattet.

Der Raum ist um die 50m in Quadrat und vollständig mit Teppichen ausgelegt. An den Wänden sind überlebensgroße Bilder religiöser und weltlicher Führer aufgehängt. Gläubige und Mullahs betrachten uns etwas verdutzt, aber freundlich. Es ist kein Problem, ein Gespräch zu beginnen. Englisch ist hier verbreiteter als in Sachsen oder Bayern. Und natürlich willigt man gerne ein, sich vor den Bildern fotografieren zu lassen.

Wenn auch nicht im Zentrum des Raums, dominiert ein vergitterter Raum den Haram, vielleicht 15m im Quadrat. Hier steht der Sarkophag des Ajatollah Chomeini. Was auf den ersten (europäischen) Blick aussieht wie eine Müllhalde, entpuppt sich als ein Berg von Geldscheinen. Gläubige werfen die Scheine in den abgesperrten Bereich, um den Weiterbau des Mausoleums zu gewährleisten.

Chomeini-Mausoleum: In den Innenraum mit dem Sarkophag werfen die Gläubigen Spenden zum Weiterbau des Mausoleums.

Chomeini-Mausoleum: In den Innenraum mit dem Sarkophag werfen die Gläubigen Spenden zum Weiterbau des Mausoleums.

Es ist still im Mausoleum, die Gebete sind lautlos, aber inbrünstig. Daran ändert auch die grelle Beleuchtung – mit Energiesparlampen – nichts. Das Kommen und Gehen der Menschen wird von den dicken Teppichen gedämpft. Ich betrachte die Situation und verlasse die Betenden. Religion ist „nicht mein Ding“, aber wem es wichtig ist, den störe ich nicht – und gehe meiner Wege mit dem Gefühl, im Kreis der Gläubigen willkommen gewesen zu sein.

Manchmal kann Religion so einfach sein.