Bucerius Kunstforum Picasso Fenster zur Welt

Picasso Fenster zur Welt

Picasso geht immer, gerade wenn man geht. Dieser Gedanke drängt sich auf, wenn man die letzte Ausstellung besucht, die von Ortrud Westheider für das Bucerius Kunstforum kuratiert wird. Picasso war ein Künstler, der die Kunstwelt wahrhaft inflationär mit Werken überschüttet hat. Wikipedia vermutet, dass es sich um rund 50.000 handelt. Im Schnitt hätte Picasso beginnend mit dem 18. Lebensjahr und 40% Verschwendung der Lebenszeit durch Nahrungsaufnahme, Reisen, Verhandlungen und Fortpflanzung knappe 8 Stunden für ein Kunstwerk benötigt. Man sieht es einigen Werken durchaus an, dass Picasso daran weniger als 8 Stunden gearbeitet hat.

Aber das nur am Rande. Bei einem so großen Werk muss man Schneisen schlagen, thematische Schwerpunkte setzen und erkenntnisleitende Fragen stellen. Das Heureka dieser Ausstellung verdankt sich einem Bild, das ein Fenster zeigt, als ob man von hinten durch einen Bilderrahmen schaut. Und schon war die Schneise geschlagen: gesucht werden Bilder von Picasso, auf denen ein Fenster zu sehen ist. Hier geht es zur offiziellen Homepage von Pablo Picasso.

Picasso Fenster zur Welt

Picasso ist ein Atelier-Maler gewesen. Anders als bei Freiluftmalern ist es dabei schwer, einem Fenster aus dem Weg zu gehen. Es entsteht so eine sehr breite Schneise durch das Gesamtwerk.

Picasso Fenster zur Welt Ortrud Westheider Kuratorin

Picasso Fenster zur Welt Ortrud Westheider Kuratorin

Um so größer die Herausforderung, eine repräsentative Auswahl zu finden und die Besitzer für eine Ausleihe zu gewinnen. 90 Exponate haben so ihren Weg nach Hamburg gefunden – aus Barcelona, Jerusalem, Düsseldorf, London, Paris, Brüssel.

Die Auswahl, obwohl sicherlich auch der Verfügbarkeit geschuldet, ist klug und nachvollziehbar.

Neben den Zeichnungen, Gemälden und Graphiken Picassos findet der Besucher auch 50 Fotos, die Picasso, seine Ateliers und Familie und den Entstehungsprozess einiger seiner Gemälde illustrieren. Schon dieser Bilder wegen lohnt sich der Besuch.

Sehenswert sind die Exponate, die zeigen, wie ein Gemälde entsteht, die ein bisschen Licht in das Dunkel bringen, wie aufwendig so ein augenscheinlich hingehuschtes Bild nun in Wirklichkeit ist. Ein Hingucker ist dabei sicherlich die Entwurfskizze auf der Unterseite einer Zigarettenschachtel.

Picasso Fenster zur Welt Ateiierfenster in Paris

Picasso Fenster zur Welt Ateiierfenster in Paris

Bucerius Kunstforum

Die Ausstellung verteilt sich wieder auf zwei Ebenen. An den Wänden sind wieder zweisprachige Texte zu Schaffensphasen und Lebensdaten angebracht. Die Exponate sind blendfrei ausgeleuchtet. Leider ist der begleitende Text zu den Bildern wieder in einer Höhe angebracht, die den interessierten Besucher zu der bekannten Demutshaltung zwingt.

Picasso Fenster zur Welt Ausstellung Atelier Nizza

Picasso Fenster zur Welt Ausstellung Atelier Nizza

Warum kann man die Texte nicht 50cm höher anbringen?

Die Exponate sind auch und gerade im Hinblick auf das Thema „Fenster zur Welt“ erklärungsbedürftig. Die Texte an den Bildern sind naturgemäß zur Kürze verdammt. Es lohnt sich für diese Ausstellung darum, den Katalog zu kaufen. Hier findet sich -teils akademisch – überhöht – lesenswerte Beiträge zum Thema der Ausstellung.

Es gehört zur Ausstellungsphilosophie des Bucerius Kunstforums, dass die Ausstellungen durch ein umfangreiches und facettenreiches kulturelles Programm begleitet werden: Lesungen, musikalische Aufführungen und Sonderführungen. Für den eiligen Besucher gibt es zum Beispiel zur Mittagspause einen geführten Schnelldurchgang. Lobenswert ist die Tradition, dass das Haus täglich geöffnet hat. Der Besucher stößt sich also montags nicht die Nase. Donnerstags ist die Ausstellung gar bis 21:00 Uhr geöffnet.

Picasso Fenster zur Welt Besucher Paolo als Perrot

Picasso Fenster zur Welt Besucher Paolo als Perrot