Bucerius Kunstforum Mondrian Farbe

Es gibt nur wenige Künstler, deren Werke so gegenwärtig sind wie Piet Mondrian. In Hamburg wurde das in der Ausstellung Mondrian Farbe“ deutlich.

Die Kompositionen aus farbigen Flächen und Linien schmücken Handtaschen, Socken und Unterhosen. Mondrian ist fast so etwas wie ein Popart- oder Gebrauchskünstler. Nur wenige, die seine Kompositionen verwenden, kennen den Weg, der Mondrian zu Linien und Farben geführt hat.

Über die Pietá zur Farbe

Farbe ist nicht Farbe. Das gilt besonders für Grund- oder Primärfarben. Die Ausstellung benennt Rot, Blau und Geld als Primärfarben. Es wäre hilfreich gewesen, einen kleinen Informationstext zu schaffen, der über die unterschiedlichen Farbmodelle aufklärt. Das genannte ist in der Welt außerhalb der Kunstausstellungen eher selten.
Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die Frage: „Wie konnte es dazu kommen?“

Eine Besucherin betrachtet eine Komposition von Mondrian im Bucerus Kunstforum.

Eine Besucherin betrachtet eine Komposition von Mondrian im Bucerus Kunstforum.

Die Exponate zeichnen sehr detailliert die Entwicklungsphasen nach. Mondrian versucht sich an den jeweiligen künstlerischen Strömungen seiner Zeit. Da finden sich Landschaftsstudien, die auf dem Flohmarkt eher wenig Aufmerksam gefunden hätte oder die Kopie einer Pietá, die Mondrian im Auftrag einer Gönnerin gemalt hat. „Kunst geht nach dem Brot,“ wusste schon Lessing.

Informativer Katalog

Im Normalfall sind die Begleitbücher zu den Ausstellungen des Bucerius Kunstforums schwergängig und eher der kunsthistorischen Bauchnabelschau verpflichtet. In diesem Fall sind die Texte auch für Interessierte ohne einschlägiges Studium lesbar und von hohem Informationswert. Insbesondere werden die Exponate sehr ausführlich und mit vielen Hintergrundinformationen vorgestellt.

Präsentation und Programm vorbildlich

Handwerklich ist die Ausstellung gut gelungen. Da gibt es gut wie keine Blendungen. Das ist leider nicht selbstverständlich. Bilder von der Ausstellung sehen Sie hier. Die Ausstellung im Bucerius Kunstforum „Mondrian: Farbe“ wird von einem umfangreichen und abwechslungsreichen Rahmenprogramm begleitet.
Treu geblieben ist man sich in der Erkenntnis, dass die meisten Besucher kleinwüchsig sind oder gram- oder altersgebeugt durchs Leben schreiten. Die Infotafeln befinden sich in Hüfthöhe eines Standardeuropäers.
Für ausländische Besucher ist der Besuch so informativ wie der Besuch eines Ausländers im Museum von Paestum. Ohne Kenntnis der Landessprache tendiert der Informationsgehalt gegen Null. Es gibt Platz genug, um Texte, die vielleicht an der Kasse in Form von Flyern oder Audio-Guides erhältlich sind, an die Wand oder in einer Info-Gondel bereit zu halten.