Basilika-Zisterne

Etwas abseits vom Trubel des Hippodroms, gegenüber der Hagia Sophia steht ein eher unscheinbares Haus. Hinter dem Souvenirhändler ist der Ticketschalter im Eingang kaum auszumachen. Wir treten ein und lassen das gleißende Licht der Tages hinter uns. Aus der schummrigen Dunkelheit taucht ein Palast, ein Tempel auf! Hier die Bilderstrecke und das Video mit den wichtigsten und schönsten Bildern aus der Basilika-Zisterne in Istanbul

Ein Wald von Säulen spiegelt sich im Wasser! Wir steigen die Treppe hinab und gehen auf breiten Stegen durch das Labyrinth der Säulen. Labyrinth trifft es nicht: die Säulen sind in einem klaren Raster aufgestellt und öffnen immer wieder neue Blickachsen. Die Wirkung der Säulenfluchten in Höhe und Weite ist beeindruckend und mindestens so intensiv wie der Besuch der Hagia Sophia oder der Blauen Moschee. Das Wasser wirkt wie ein Spiegel und vergrößert die Dimensionen scheinbar noch mehr.

Die Basilika Zisterne ist eines der wenigen alten Bauwerke, das bis in die heutige Zeit überdauert hat und Zeugnis von den Fähigkeiten antiker Architekten und Ingenieure ablegt. Die beeindruckende unterirdische Anlage wurde in der Regierungszeit von Justitian errichtet. Bereits Kaiser Konstantin hatte allerdings einen entsprechenden Plan verfasst. Der Bau zog sich über 10 Jahre hin und wurde 542 beendet. Zu dieser Zeit tobten in Europa die Ostgoten durch Italien und pulverisierten das weströmische Reich. Jusitian ist namentlich aber nicht mit der Zisterne verbunden sondern mit der justinianischen Pest, die während seiner Regierungszeit den Mittelmeerraum heimsuchte und sich bis ins Rheinland ausbreitete.

Basilika-Zisterne

Die Zisterne hat eine Grundfläche von 140m x 70m. Die Angaben variieren. Die Decke ist 9m hoch und wird von 336 Marmorsäulen getragen. Die Säulen sind in 12 Reihen zu je 28 Stück angeordnet. Das Fassungsvermögen der Basilika-Zisterne beträgt rund 88 Millionen Liter.

Die Gestaltung der Säulen ist nicht einheitlich. Die meisten sind im ionischen oder korithischen Stil hergestellt und ohne Verzierung. Daneben finden sich auch einige Säulen im dorischen Stil mit verzierten Oberflächen.

Die Wände der Zisterne sind 4m dick, aus Ziegelsteinen gemauert und mit einem wasserfesten Putz versehen. Das Wasser wurde mit einem Aquädukt aus den Belgrader Wäldern herangeführt und diente der Wasserversorgung des Palastes. Die Zisterne war mit einer Basilika überbaut. Sie gab der Zisterne ihren Namen, mehr blieb von ihr aber nicht. Ich habe keine Bilder gefunden, wie die namensgebende Basilika ausgesehen hat. Schwer kann sie nicht gewesen sein. Immerhin war unter ihr ein Hohlraum, und alles musste von den Säulen getragen werden.

Das Wasser für die Basilika-Zisterne floss durch solche Aquädukte von den Belgrader Wäldern in den Speicher.

Das Wasser für die Basilika-Zisterne floss durch solche Aquädukte von den Belgrader Wäldern in den Speicher.

Die Entfernung zur Quelle beträgt ca. 19km. Der Wald hat seinen Namen von den vielen Tausend Serben, die während der osmanischen Feldzüge im 16. Jahrhundert als Gefangene hierher verschleppt wurden. Es ist noch heute ein Waldgebiet und steht unter Naturschutz.

Der Wasserspeicher verfiel im Laufe der Jahre. Meyers Enzyklopädie beklagte 1905 den Verfall nicht nur der Hagia Sophia, sondern namentlich auch der Basilika-Zisterne. 1968 wurden die ersten Reparaturen vorgenommen, Risse in den Wänden und Schäden an den Säulen beseitigt. Seit 1987 ist die Zisterne wieder zur Besichtigung freigegeben.

Der Raum strahlt die Erhabenheit einer Kathedrale aus und prunkt wie ein Palast. Nicht umsonst heißt die Zisterne auch „versunkener Palast“. Eine andere Bezeichnung für die Zisterne ist Yerebatan Sarnıcı. Der Raum ist effektvoll beleuchtet, aus Lautsprechern rieselt klassische Musik. Kein Besucher, der hier nicht verstummt. Auch die Guides drehen die Lautstärke einige Dezibel herunter.

Die Basilika-Zisterne wirkt mit ihren Marmorsäulen wie ein Palast oder Kathedrale.

Die Basilika-Zisterne wirkt mit ihren Marmorsäulen wie ein Palast oder Kathedrale.

Es stehen ca. 30cm Wasser in der Zisterne: zur Wasserversorgung wird die Basilika-Zisterne nicht mehr benötigt. Blasse Fische schwimmen zwischen den Säulen. Neben der touristischen Aufgabe dient die Zisterne auch musikalischen Zwecken. Die Akustik soll gut sein, es wird von von Konzerten berichtet, die hier stattfinden. Natürlich ist ein Ort mit dieser magischen Ausstrahlung auch ein begehrte Drehort. Am bekanntesten ist sicher der James Bond Film „Liebesgrüße aus Moskau“. Die Zisterne wird über stabile Holzstege erschlossen. Niemand bekommt nasse Füße.

Ein Besonderheit befindet sich in der Nordwest-Ecke der Zisterne, oder vom Eingang aus gesehen links hinten. Hier gibt es zwei Säulen, die nicht auf normalen Basen ruhen, sondern auf Medusenhäuptern.

Niemand weiß, wie und warum in der Basilika-Zisterne zwei Säulen von Medusenhäuptern getragen werden - und die auch noch unegal verbaut sind.

Niemand weiß, wie und warum in der Basilika-Zisterne zwei Säulen von Medusenhäuptern getragen werden – die auch noch unegal verbaut sind.

Niemand weiß, warum sie anstelle der üblichen Fundamente verwendet wurden. Auch ist strittig, woher die Medusenhäupter stammen. Und natürlich ist völlig rätselhaft, warum ein Haupt auf dem Kopf steht und ein anderes auf der Seite liegt. Allerdings glaubt niemand, dass die Skulpturen zufällig dorthin gelangt sind. Die Ähnlichkeit mit den Medusenhäuptern beim Apollon-Tempel in Didyma ist jedenfalls leicht erkennbar. Die Besucher erreichen die Medusenhäupter der Basilika-Zisterne über ein paar Stufen, so dass man die hohe Kunst der antiken Bildhauer auf Augenhöhe bewundern kann.

Die Basilika-Zisterne wird mit vielen Scheinwerfern effektvoll beleuchtet.

Die Basilika-Zisterne wird mit vielen Scheinwerfern effektvoll beleuchtet.