Arcona Hotel am Havelufer in Potsdam

Das arcona Hotel am Havelufer in Potsdam ist gut ausgeschildert und liegt hinter einem uringelben, zinnenbewehrten Klinkerbau direkt an der Havel. Der Parkplatz ist geräumig, wenn auch im hinteren Bereich für tiefergelegte Autos nicht geeignet. Es ist ein Zweckbau, ohne architektonische Auffälligkeiten oder Besonderheiten. Gut, die Balkone sehen aus, als hätten die Gerüstbauer ihre Bohlen liegen lassen. Die metallenen Gitterroste sind knappe 70cm breit und bieten gerade mal Platz genug, um einen Blick auf die Havel zu erhaschen. In der Ecke steht die leere Flasche eines Sekt-Mix-Getränkes. Sie diente einem der vorherigen Gäste sichtlich als Aschenbecher.

Wer zu früh kommt …

Unser Zimmer ist im 3. Stock, der Raum von ansprechender Größe, der Boden mit unterschiedlich gefärbten, ca. 2 – 3 m² großen Teppichfliesen ausgelegt. Die Schreibtischlampe ist mittig in einer Höhe von 25cm über dem Schreibtisch fest montiert und lässt sich weder in Höhe oder Richtung verändern.

Die Wände sind gekalkt, Streifen von Absätzen und Koffern zieren die Flächen. Der Teppichboden zeugt davon, dass das Hotel gut ausgebucht ist. Er ist an vielen Stellen abgelaufen.

All das stört mich nicht, das habe ich schon schäbiger erlebt. Meine fragenden Blicke beantwortet eine Mitarbeiterin mit dem Hinweis, dass im Oktober eine Renovierung anstehe. Also ein halbes Jahr zu früh …

Aber dann öffne ich die Tür zum Badezimmer und erstarre: Das Waschbecken ist ein emotionsloser Edelstahlkubus, wie man ihn von Autobahnraststätten oder Kotzkübeln bei Lehmitz kennt. Das ist wirklich zu viel des Guten!

Stahlkubus im Badezimmer vom arcona Hotel am Havelufer

Stahlkubus im Badezimmer vom arcona Hotel am Havelufer

Immerhin findet der Gast eine Badewanne vor. Gerne hätte man eine rutschfeste Wanne oder wenigstens einen Haltegriff genutzt und sich bei Ausstieg nicht den Kopf an der Vorhangstange gestoßen.

Gegenüber vom Badezimmer sind drei Haken befestigt, an denen man seine Jacken oder Mäntel aufhängen könnte, wenn die Haken nicht mit tennisballgroßen Kugeln gegen die angedachte Funktion gewappnet wären.

Ja, es wirkt alles etwas gedankenlos und renovierungsbedürftig.

Restaurant Weinwirtschaft im arcona Hotel am Havelufer

In Erdgeschoss gibt es mit der Weinwirtschaft ein Restaurant. Morgens findet man dort ein Frühstücksbuffet. Der Boden harrt einer Grundreinigung. Aber wir essen ja nicht vom Fußboden. Die Auswahl ist für den aufgerufenen Preis von 16,00 € knapp ausreichend, auch wenn es Tageszeitungen in ausreichender Zahl gibt.

Bei Kaffee und Tee sieht das schon anders aus. Auf jedem Tisch steht eine Thermoskanne, die irgendwann mal mit Kaffee gefüllt war. Unsere Bitte, die Kanne aufzufüllen, verhallt ungehört. Wir entscheiden uns darum für Tee. Leider ist das Heißwasser aus. Als es aufgefüllt wird, fehlen die Teekannen.

Nein, wir waren nicht zum Ende der Frühstückszeit nach unten gegangen!

Abends verwandelt sich die Weinstube in ein Restaurant. Die Speisekarte sah verlockend aus, und Italienisch hatten wir gestern in der Trattoria auf dem gleichen Gelände. Darum kehren wir am zweiten Abend in die Weinwirtschaft vom arcona Hotel am Havelufer ein.

In Berlin soll ja die Currywurst erfunden worden sein, die Trebbiner Currywurst muss also ganz lecker schmecken. Der Havelzander liest sich auch ganz ansprechend. Entsprechend geben wir unsere Bestellung auf.

Nach erstaunlichen 40 Minuten werden unsere Gerichte serviert, und wir schreiten zur Tat.

Jedenfalls versuchen wir es. Das Messer scheitert bei dem Versuch, den noch immer tiefgefrorenen Havelzander zu zerteilen.

Ja, man sehe ein, dass da noch ein paar Minuten am richtigen Garpunkt fehlten und werde für Ersatz sorgen.

Entschuldigung? Einen Schnaps, um guten Willen zu zeigen? Fehlanzeige. Ebenso mürrisch, wie uns die Teller vom Gang rübergereicht wurden, verschwindet der Frostzander, indem ihn die Bedienung im Vorbeigehen auf dem Gang mitgehen ließ.

Alles hat einmal ein Ende – sogar die Wurst

Ich kümmere mich derweil um die Currywurst, und finde, dass auf dem langen Weg von Berlin zu meinem Lieblingsimbiss an der Ecke, die Currywurst als solche geschmacklich gewonnen hat.

Die Pommes sind zwar grobschlächtig, aber weder besonders fettig noch versalzen. Die Currywurst ist mit einem vorsichtigen Klecks Ketchup verdeckt. Ich komme zu dem Punkt, an dem die Currywurst unter den Pommes verschwindet und hebe vorsichtig ein paar Pommes an.

Nein, keine Fortsetzung.

Das Hotel hat die weltweit einzige Wurst mit nur einem Ende erfunden – oder den Gast beschissen, weil man ihm nur eine halbe Currywurst gönnt.

Eine Viertelstunde nach dieser Entdeckung reicht die Bedienung wortlos einen aufgetauten und gegarten Havelzander rüber. Mein Hinweis auf die fehlende Hälfte der Currywurst findet keine Erwiderung, Erklärung oder Entschuldigung.

Tatsächlich macht sich die Bedienung ans Abkassieren, als sei nichts gewesen. Nein, dafür werde ich nicht den vollen Preis zahlen!

Das sieht wohl auch der Chef ein, und wir müssen nur die Getränke bezahlen.

Allerdings hatten wir keine Getränke bestellt und so reicht uns die Bedienung als Ersatz einfach eine Rechnung vom Nachbartisch.

So macht man das in Potsdam.