Applestore Teheran

Kürzlich las ich einen Artikel in der Zeit. Es ging um das Thema Schmuggel, Korruption und Folter in Iran. Der Autor bediente die üblichen Klischees. Ich bezweifle nicht, dass es Schmuggel gibt. Es fehlt leider bei den Verantwortlichen im Westen die Einsicht, dass Embargos genau Nichts taugen, um die Politik eines Staates zu beeinflussen. Aber ein paar – natürlich keinesfalls korrigierende – ergänzende Anmerkungen seien hier erwähnt.

Applestore Teheran

Im Straßenbild von Teheran sind Smartphones so gegenwärtig wie in Hamburg oder München. Die Menschen füttern ihre Konten bei Twitter und Facebook. Die Hightech-Präsenz wirkt vielleicht noch auffälliger als in Europa. Mehr als 70% der Bevölkerung ist unter 30. Und hier wie dort sind die jungen Leute technikaffiner als die alten Säcke.

Ein Koran-Professor telefoniert mit einem Smartphone

Ein Koran-Professor telefoniert mit einem Smartphone

Anders als im Nato-Mitglied Türkei habe ich in Gesprächen von keinen Sperren oder Zensurmaßnahmen erfahren. Ein Selbstversuch mit Youtube und Facebook funktionierte reibungslos. Anders in der Türkei, wo bei meinem letzten Aufenthalt Artikel über Demonstrationen in Windeseile von der Nachrichtenportale verschwanden und die Zensur ein heiliges Mantra der NATO: die Verteidigung von Bürgerrechten ad absurdum führte.

Die Masten der Mobilfunknetze in Iran sind allgegenwärtig, das Roaming mit Telekom funktionierte landesweit besser als in manchen Gegenden in Ostfriesland. Und selbstverständlich griff der Koranprofessor in Qom zu einem Smartphone, als während des Gesprächs eine Terminabsprache notwendig war.

Apple Händler in Teheran Applestore Teheran

Apple Händler in Teheran

Gewiss erschwert die bornierte und von Lernresistenz zeugende Embargo-Politik vieler Staaten gegenüber Iran die Versorgung mit vielen Gütern. Aber wenn die Mullahs etwas gegen den Verkauf von iPhone und Co  einzuwenden hätten, würden sie das tun. Und ganz bestimmt würden sie keine Aufladestationen für Smartphones an den Moscheen dulden.

Aber nicht nur Smartphones gibt es jeder Ecke. Auch andere Geräte, sei es Kühlschränke, Geschirrspüler oder Waschmaschinen werden angeboten und offen transportiert. Dabei lernt der Beobachter: eine Waschmaschine passt durchaus auf ein Motorrad.

Lesen Sie auch den Artikel: Juden in Iran!

4 comments

  • Joe

    Danke,
    Gleiche erfahrung im Nov in Shiraz u Isfahan gemacht. Tolles land u tolle leute
    Gruss
    J

  • clooney

    ein Foto vom Inneren des Laden wäre besser gewesen… dort unten ist nicht immer das drin, was draussen an der Fassade steht 😉

  • Mohsrn

    Hallo Zusammen,
    so einfach lässt sich die Situation in Iran nicht beschreiben. Zwar haben sehr viele Bürger in Iran ein Smartphone – allerdings funktioniert der Zugriff auf Youtube, Twitter und co. nur mit entsprechenden Einstellungen am Damrtphone (illegal).
    Ich habe viele Verwandte und Freunde in Iran und war jetzt die letzten zwei Jahre drei Mal dort.
    Natürlich haben Leute, die das notwendige Kleingeld und Netzwerk hat, ein sehr angenehmes Leben. Allerdings müssen die Anderen 90% mit zwei Jobs über die Runden kommen. Hmm, erinnert mich an USA 😉