Apollontempel Didyma

Der Apollontempel in Didyma überwältigt noch heute mit seiner Größe und Masse an Stein und Raum. Die Anlage gehörte einst zu der Stadt Milet. Sie ist mit dem Heiligtum über eine „heilige Straße“ verbunden. Der Marmor für das Bauwerk kam aus unterschiedlichen Steinbrüchen. Dabei wurde der jeweilige Marmor nicht nach besonderer Lage im Bauwerk ausgesucht. Vielmehr verbaute man den Marmor, der gerade am bequemsten zur Hand war. Die unterschiedlichen Marmorsorten kennzeichnen so jeweils eine Bauphase. Der entfernteste Marmor kam aus den Steinbrüchen am Marmara-Meer.

Die Architekten des Tempels sind überliefert. es waren Paionios von Ephesos und Daphnis von Milet.

Lange vor unserer Zeitrechnung war die Anlage des Apollontempels eine Pilgerstätte. Menschen kamen in großer Zahl dorthin und befragten die Priester, was sie von der Zukunft zu erwarten hätten.

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Warum kamen die Menschen nun gerade nach Didyma, fragten die Priester um Vorhersagen und versuchten, den Blick in die Zukunft mit teuren Geschenken und Opfergaben zu beeinflussen? Das ist ein Geschichte für sich. Fama digit: Apollon und seine Zwillingsschwester Artemis wurden an diesem Ort gezeugt. Apollon kehrte eines Tages an die Stelle zurück, traf dort einen Hirten namens Branchos und verlieh ihm durch einen Kuss die Seher-Gabe.

Das zumindest berichtet der Hirte.

Wie immer dem auch gewesen sein mag. Wir sollten über die Wundergläubigkeit der Menschen um 1.000 v.u.Z. nicht lästern. Heutzutage hängen wir an den Lippen diverser Experten, Rating-Auguren und Meinungsforschern und glauben ernsthaft, die Leute und deren Rechner könnten mit Zahlen von gestern die Entwicklung von Morgen vorhersagen. Man muss nur mal die Vorhersagen der Weltbank oder der Wirtschaftsweisen der letzten fünf Jahre nebeneinander legen. Das treibt unmittelbar die Schamesröte ins Gesicht, wenn man vorher über den Götzendienst der (sehr) alten Griechen gelästert hat.

Die Weissagungen der Orakel waren vergleichsweise zuverlässig, auch und gerade weil sie gerne im Ungefähren blieben.

Also kurz und gut: Der Apollontempel in Didymar ist Pilgerort und Orakelstätte. Die Reste der Anlage zählen trotz der Schäden durch Steinräuber, kurzatmige Ausgräber und Erdbeben zu den am besten erhaltenen griechischen Tempelanlagen.Die Anlage selber wurde nie fertig. Vielleicht weil die Architekten an der Komplexität der Aufgabe scheiterten, vielleicht weil die Auskunft Suchenden weiter zogen oder was auch immer.

Apollontempel Dieses Bild bietet sich, wenn man außen um die Ausgrabungsstätte herumgeht.

Dieses Bild bietet sich, wenn man außen um die Ausgrabungsstätte herumgeht.

Gebrannt hat es jedenfalls nach Spurenlage nicht. Die Grundzüge der Anlage, die den Besucher heute beeindrucken, sind rund 2.400 Jahre alt und verdanken sich angeblich dem Besuch Alexanders des Großen in Milet.

Mit Milet war das Apollon-Heiligtum über eine gepflasterte „Heilige Straße“ verbunden. Die heute sichtbaren Reste dieser Straße stammen aus spätrömischer Zeit.

Einige Ausstattungsmerkmale, wie zum Beispiel die Kombination von Ranken- und Medusenreliefs im Gebälk findet sich in anderen antiken Ausgrabungsstätten: an der Celsusbibliothek-Bibliothek in Ephesus oder am Traianeums in Pergamon.

Die einzelne Säule links vom Eingang hat eine glatte Oberfläche und verdeutlicht die Vorgehensweise der antiken Architekten. Zuerst stellten die Steinmetze die vielen Einzelteile der Säulen her. Sie wurden Stück um Stück aufeinander gestapelt und mit Blei-, Eisen- und/oder Bronze-Ankern miteinander verbunden. Erst nachdem die Säule ihre geplante Höhe erreicht hatte, begannen die Steinmetze die Rinnen (Kannelierung) in die Oberfläche der Säulen zu schneiden.

Rund um den Tempel befinden sich eine große Anzahl von umgestürzten Säulen. Einige Säulen im hinteren Bereich wurden in der Lage fixiert, in der man sie gefunden hat. Der Weg dorthin etwas steinig und ruppig. Darum sieht man dort nicht so viele Besucher. Das ist schade, weil erst im Größenvergleich die architektonische und handwerkliche Leistung der Erbauer erkennbar wird. Immerhin wurden diese Säulen 330 Jahre v.u.Z. errichtet und haben ein paar Jahrhunderte gestanden.

Die herumliegenden Säulen sehen aus wie große LKW-Reifen oder Maschinenteile. So mancher Besucher wird sich denken: wer solche Konstruktionen aus Stein verwirklicht, könnte sich auch Zahnräder und Getriebe basteln. Es ist wirklich nur ein kleiner Schritt. Und wer auf dieser Webseite blättert, betrachtet die Säulenscheiben mit ganz anderen Augen.

Ob die beiden Säulen mit dem einzelnen Architrav und die einzelne Säule die Zeitäufte unversehrt überstanden haben oder in der Neuzeit wiederhergestellt wurden, weiß ich nicht. Die frühesten Bilder aus dem 17. Jh. zeigen die beiden Säulen noch oder schon wieder in der jetzigen Position. Bemerkenswert ist jedenfalls, dass auf der Unterseite des Architrav eine lebhafte antike Malerei zu erkennen ist.

So sieht das Architav zwischen den beiden Säule von unten aus. Man erkennt die ursprüngliche Bemalung.

So sieht das Architav zwischen den beiden Säule von unten aus. Man erkennt die ursprüngliche Bemalung.

Die Ausgräber hatten Schwierigkeiten, das Nachsickern von Wasser und Geröll in die Grube zu verhindern. Sie stabilisierten die Grube mit Steinen, die sie beim Ausgraben fanden und für den Tempel nicht brauchten. Außerdem entstand eine mehrere Hundert Meter lange, 2m hohe und 1,5 breite Mauer aus diesen Steinen. Auf vielen finden sich die selben Steinmetzzeichen wie auf den Bodenplatten des Tempels.

Außer den Säulenelementen fallen die Architrave auf. Das sind die Elemente, die oben auf den Säulen liegen und den Bau nach oben abschließen. Die riesigen Steine waren mit floralen und mit Medusenhäuptern geschmückt. Eines ist gleichsam das Markenzeichen für die antike Vergangenheit der Türkei geworden. Auch Löwenfiguren kann man auf einigen Architraven erkennen.

Apollon Heiligtum Dydimar Drei Säulen

Apollon Heiligtum Dydimar Drei Säulen

Der Zugang zum Inneren des Tempels (Ausführliches über den Apollontempel von Didymar finden Sie hier. ) war über zwei Tunnel, links und rechts vom Eingang, möglich. Der Hauptraum war über eine über Meter hohe Schwelle zugänglich. Sie ist aus einem Stück gefertigt, 4 Stück mit einem Gewicht von über 6 Tonnen mussten aus über 400km Entfernung mit Schiff und Wagen herangeschafft und positioniert werden.