Erlebnis Teheran

Wir hatten schon eine Weile mit den Deutsch-Schülerinnen in Teheran gesprochen. Gegenseitig haben wir das Woher und wohin geklärt, Name, Beruf und Berufswunsch erfragt. Alles ganz unbeschwert und nichts, worüber man hätte nachdenken müssen. Aber dann kam sie daher die Frage, über die wir nachdenken mussten. Ganz harmlos.

„Wie lange seid Ihr schon da?“

Ja, wie lange waren wir eigentlich schon in Teheran?

Wir ließen den Tag Revue passieren und fanden dann die Antwort:

„Seit ungefähr 10 Stunden.“

Waren wir wirklich eben erst in aller Frühe am Teheraner Flughafen gelandet? Waren die ganzen Eindrücken in den paar Stunden verpackt?

Da war der Anflug auf Teheran. Kein Lichtermeer, eher ein Lichterband. Die Stadt zieht sich über viele Dutzend Kilometer hin. Trotz der frühen Stunde verdeutlichten die Lichter, dass auch Teheran nicht schläft.

Lichter von Teheran beim nächtlichen Anflug

Lichter von Teheran beim nächtlichen Anflug

Eine kilometerlange Autobahn ist schon aus großer Höhe zu erkennen. Sie führt zum Flughafen, und wir werden gleich neben ihr landen. Der Monitor in der Rückenlehne verspricht uns 28 Grad- Für 6:00 morgens nicht schlecht-Schals werden wir wohl nicht brauchen.

Transfer durch Wüstenlandschaft

Der Transfer vom Flughafen zum Hotel begann, als die Sonne sich erst durch einen schüchternen bläulich-violetten Streifen am Himmel angekündigt hatte. Wir erkannten einige Reihe Bäume. Sogar das Dämmerlicht offenbarte ihren erbarmungswürdigen Zustand. Waren das überhaupt Bäume, so grau, so ohne Grün? 4 Monate ohne Regen und Temperaturen um die 40 Grad fordern ihren Tribut.

Ein Blick auf das GPS-Gerät zeigt, dass der Flughafen auf einer Hochebene liegt: Mit 1.100m haben wir schon mal die Höhe eines deutschen Mittelgebirges erreicht. Später erfahren wir dass sich die Vorort von Teheran bis auf Höhe von 1.800 hochziehen.

Die Autobahn, die in ganzer Länge von fetten Strahlern beleuchtet ist, war kaum befahren. Links wühlten Baumaschinen die Erde auf, um in ihr weitere Fahrspuren, Kanalisation und eine Bahnstrecke zu vergraben.

Teheran liegt auf einer trockenen Hochebene.

Teheran liegt auf einer trockenen Hochebene.

Die Sonne wurde mutiger und beleuchtete die Szenerie. Das Elburs-Gebirge war als grauer Schattenriss zu erkennen, links und rechts war nichts außer einer merkwürdigen Mischung aus Steppe, Wüste und Tundra. Der Bodennebel versuchte, sich in Bodenwellen vor der wärmenden Sonne zu verstecken. Über die Ebene fegte ein steter Wind, der Unmengen Staub vor sich hertrieb. Die so mühsam gepflanzten und wohl einzeln bewässerten Bäume dienen als eine Arte Bannwald gegen den Staub.

Bald hatte die Einsamkeit auf der Autobahn ein Ende, wir tauchten mit unserem Bus in den Berufsverkehr von Teheran ein.

Der Verkehr folgt im Prinzip dem Grundgesetz des Kapitalismus: dem freien Spiel der Kräfte. Wer hupt, hat Angst, wer blinkt ist feige, außer zur falschen Seite, wer bremst verloren. Die hellen Streifen der Zebrastreifen scheinen nur zu dem Zweck aufgetragen worden zu sein, um die Sichtbarkeit der Opfer zu verbessern. Weder Verkehrszeichen, noch Ampeln oder Polizisten scheinen in den Straßen von Teheran irgend jemanden an irgend etwas zu hindern.

Flaggenschmuck in Teheran

Flaggenschmuck in Teheran