Almased: mit Viehfutter zur Frohnatur

Diabetes Typ Frohnatur

Diabetes ist eine fiese Krankheit. Die gesetzlichen Krankenkassen zahlten für die Behandlung im Jahr 2010 rund 20 Milliarden Euro. Die Patienten kostet sie Lebensfreude und Lebensqualität. Und mit Almased auch noch viel Geld.

Hintergrund: Beim Diabetes funktioniert der Zuckerhaushalt des Körpers nicht mehr richtig. 8 Millionen Menschen leiden darunter.

Sie ist seit dem Altertum bekannt. Man starb daran schon bei den alten Griechen. Und auch aktuell wird Diabetes zunehmend als Todesursache auf den Totenschein geschrieben.

Heilbar ist Diabetes nur in seltenen Fällen. Aber der Patient kann die Beeinträchtigungen auf die Lebensqualität mindern, wenn er auf sein Gewicht achtet, sich gesund ernährt und in Bewegung bleibt.

Kurz: Der durchschnittliche Diabetes-Patient muss sein Leben komplett ändern.

Die Mehrzahl der Patienten ist übergewichtig bis fettleibig, ernährt sich ungesund und bewegt sich zu wenig.

Soweit, so schlimm.

Quacksalber und Wunderheiler

Aber richtig gemein wird es, wenn Quacksalber und Wunderheiler dem Kranken die Erlösung von Diabetes Typ 2 an einer Bushaltestelle präsentieren und ihnen eine glückliche Zukunft verheißen, wenn sie nur regelmäßig fades Pulver in Wasser auflösen und trinken.

Vorreiter der falschen Versprechungen ist nach eigenen Angaben ein Familienunternehmen namens Almased Wellness GmbH. Gegründet wurde es von einem Heilpraktiker  Hubertus Trouillé.

Heilpraktiker sind die Vodoo-Zauberer im Medizingeschäft. Man muss nicht Medizin studiert haben, um sich Heilpraktiker zu nennen. Im Gegenteil, manche Heilpraktiker und viele Patienten stehen einem solchem Studium eher ablehnend gegenüber.

In der Welt der Homöopathie treffen sich die Verzweifelten und Enttäuschten mit Geistheilern und Schamanen: Diabetes-Patienten mit Hubertus Trouillé.

Außer Sojamehl mit getrocknetem Honig und Trockenjogurt vertickt man in Oberding bei München auch Mittelchen gegen Falten und Schlafstörungen.

Mit Lug und Betrug zum Marktführer

Toll, 16 Esslöffel am Tag und schon nimmt ab und verliert nicht nur spontan knapp 100 Euro (für 6 Pakete bei einem bekannten Versandhändler) sondern auch noch rasant massenhaft Kilos: Diabetes Ade! Hallo Lebensfreude!

Typ 2 Diabetes? Kein Problem Werbung Almased

Typ 2 Diabetes? Mit Almased kein Problem

Meiner Meinung nach ist es höchst verantwortungslos und unmoralisch, wenn ein Unternehmen die Verzweiflung und Ausweglosigkeit von Menschen ausnutzt, und ihnen mit Allerweltsrezepten und falschen Verheißungen viel Geld aus der Tasche lockt.

Almased Werbung

Ein Frau mittleren Alters, schlank, sportlicher Pullover, kurze strubbelige Haare leuchtet den Passanten mit strahlendem Zahnpasta-Lächeln an. Sie wirkt rundherum unbeschwert und glücklich. Lebensfreude pur!

Warum sie glücklich ist?

Sie war krank, sie hatte eine fiese Krankheit, sie war fett, sie hat sich ungesund ernährt und sich zu wenig bewegt. Ihre Krankenkasse hatte sie als „Diabetes Typ“ einsortiert.

Heute wird sie von einem Werbetexter als „Typ Frohnatur“ gehandelt.

Chuzpe und Unwahrheit

Der Fotograf, das muss der Betrachter bei aller Kritik zugestehen, hat einen guten Job gemacht.

Leider kann man das von dem Texter nicht an allen Stellen sagen.

Es gehört zum Handwerkszeug eines Texters, Sachverhalte zu meinen, ohne sie zu sagen. Die Überschrift: „früher vs. heute“ suggeriert: seht hier: hier kommt das Mittel, das euch von Diabetes heilt.

Aber dann senkt sich ein großer Scheffel über das Texterlicht.

  • sofort bessere Werte
  • weniger Pfunde
  • in Ihrer Apotheke

Wirkung, Wirkung – Händler: logischer Bruch oder Stilmittel? Suchen Sie was aus:

„Sofort bessere Werte“ Sofort bedeutet „unmittelbar nach einem bestimmten Geschehen“. Hier also: der Kunde löst das Pulver auf, schluckt es und die „Werte“ werden besser. Soviel Chuzpe verschlägt dem Betrachter den Atem.

Wann der Kunde nach dem Genuss von Almased „weniger Pfunde“ mit sich rumschleppt, lässt der Texter offen. Irgendwann halt. Wenn er die Packung Almased „in Ihrer Apotheke“ in Münzen bezahlt, ist er schon beim Kauf ein gutes Pfund leichter.

Sojamehl ist kein Medikament

Die Zeile mit der „Apotheke“ ist ein durchsichtiger Taschenspielertrick. Sie vermittelt den Eindruck, es handele sich bei Almased um ein rezeptfreies Arzneimittel.

Diese Behauptung pflegt Almased auch auf der Homepage. Dort sonnt sich der Geistheiler auf Platz 1 einer „OTC“-Studie zum Umsatz von „Eiweißdrinks“.

Wissen Sie was OTC bedeutet?

Das ist eine BWL-Blase und beschreibt rezeptfreie Medikamente, die frei und ungeregelt an den Endkunden „über den Tisch“ (Blasendeutsch: over the counter) vertickt werden.

Nein, Almased ist kein Medikament, sondern , wie die Medienwerft* seinerzeit in unerwarteter Offenheit zugabt, ein „Mahlzeitenersatz-Produkt“. Darum dürfen auf dem Plakat auch alle Hinweise auf Beratungsempfehlungen bei Apothekern oder Ärzten fehlen.

Almased ist natürlich auch nicht apothekenpflichtig. Man kann es mühelos zum Beispiel bei einem Online-Händler erwerben, der allerdings auch mit „A“ beginnt. Der liefert den Stoffwechsel-Booster Soja (das übrigens auch den industriellen Massentierhaltung zu genau diesem Zweck in großen Mengen an das Schlachtvieh verfüttert wird) auch direkt ins Haus. Dann muss der übergewichtige Patient nicht mal aus dem Haus.

Remission oder „Hosen runter“

Das Wort „Apotheke“ erscheint nur zur Irreführung** des Kunden und zur Beweihräucherung der Soja-Pampe. Auf der Homepage rudert das Unternehmen dann auch flink zurück. Kein Wort mehr von „Heilung“ „Wandlung vom Patienten zum Partylöwen“.

Nein, Es findet sich der Link auf eine Studie, in der das Wort Almased gar nicht vorkommt, aber festgestellt wird,

dass die Erkrankung durch eine Änderung des Lebensstils, bewusste Ernährungsumstellung und eine konsequente Gewichtsreduktion positiv beeinflusst wird … und sogar eine Remission erreicht werden kann.

Nun, das sind Erkenntnisse, die der Diabetes-Patient beim Diabetologen beim ersten Gespräch nach der Diagnose erhält.

Wer jetzt wissen will, was „Remission“ bedeutet, wird auf der Homepage von Almased desillusioniert:

In der Medizin bedeutet Remission das vorübergehende oder dauerhafte Nachlassen von Krankheitssymptomen, jedoch ohne das eine Genesung erreicht wird.

Ich habe noch nie erlebt, dass eine Firma die eigene Werbung als Lügengespinst entlarvt – und das auch noch auf der eigenen Homepage veröffentlicht.


* Die Medienwerft begrüßte 2013 Almased als neuen Kunden und sah sich mit Almased zu einem “Traumpaar“ verbandelt. Diese Information stammt von der Homepage der Medienwerft und ist bis heute 24. Januar 2018 im Netz aufrufbar.

Die Medienwerft legt heute (24. Januar 2018) per eMail Wert auf die Feststellung, dass sie in keiner Weise mehr für Almased tätig ist.

Ich komme der Bitte um entsprechende Klarstellung gerne nach.

** Die Firma Almased führte (oder führt?) nach Ansicht vieler Gerichte die Konsumenten mit ihrer Werbung in die Irre. Statt vieler Worte: Geben Sie bei Google die Worte „Almased Abmahnung“ in die Suchmaske ein.


 

Gesehen in Hamburg Poppenbüttel am 10. Januar 2019

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Folter ist schön!